Jagd auf den Stromsaboteur

von Redaktion

Hinter den Anschlägen auf Umspannwerke dürfte ein radikaler Umweltschützer stecken

Kriminaltechnikerinnen der Polizei sichern im Umfeld eines Umspannwerkes potenzielle Spuren. © Reichwein/dpa

In der Nähe des Hambacher Forsts durchsuchten Polizisten den Lkw des Verdächtigen. Daniel V. trafen sie nicht an. © Evers/dpa

München – Noch immer ist der Aufenthaltsort von Daniel V. unbekannt. Doch die Hinweise auf den mutmaßlichen Urheber der Sabotageanschläge auf mehrere deutsche Umspannwerke, der inzwischen europaweit gesucht wird, werden immer konkreter. Am Sonntag teilte die Polizei mit, der Verdächtige sei möglicherweise mit einem Trekkingrad auf der Flucht. Mattschwarz, Rahmenhöhe 56 cm, Neupreis 700 Euro.

V., der in Brandenburg, NRW und Sachsen mit einem Konstrukt aus Silvesterraketen und Drähten Angriffe auf die Energie-Infrastruktur durchgeführt haben soll, dürfte sich aktuell in Westdeutschland befinden. Dafür spricht, dass am Freitag Polizisten nicht nur das Wohnhaus des 48-Jährigen in Gevelsberg (südliches Ruhrgebiet) durchsuchten, wo sie unter anderem Sprengstoff fanden. Sondern auch einen Lkw, den V. zum Wohnwagen ausgebaut hatte. Er befand sich in der Nähe des Hambacher Forsts bei Kerpen, westlich von Köln. Als die Beamten eintrafen, fehlte von dem Gesuchten jede Spur.

Der Hambacher Forst ist deutschlandweit bekannt geworden aufgrund der jahrelangen Proteste gegen den dortigen Braunkohleabbau. Auch V. ist offenbar dem Lager der Umweltschützer zuzuordnen. Gestern intensivierte die Polizei in dem Waldgebiet ihre Suche. So wurden die Baumhäuser, von denen es aus Zeiten der Proteste immer noch einige gibt, eingehend untersucht. Während zunächst eine Verbindung zwischen den Anschlägen auf die Umspannwerke und den hybriden Attacken Russlands nicht auszuschließen war, deutet nun vieles auf einen radikal-ökologischen Hintergrund der Taten hin.

Nicht zuletzt die Tatsache, dass Daniel V. selbst die Öffentlichkeit suchte. Vergangene Woche hatte er zwei Bekennerschreiben verschickt, in denen er handschriftlich und ungewöhnlich detailliert auf die Anschläge einging. Laut „Spiegel“ fehlten Hinweise zum Durchmesser der verwendeten Drähte ebenso wenig wie Anmerkungen zur Zusammensetzung der Treibladungen. Das Bekenntnis, so sendungsbewusst wie verräterisch, führte die Ermittler bald auf die Spur V.s.

Ziel des 48-Jährigen, der als Sohn einer Lehrerin und eines Architekten behütet aufwuchs und schon immer ein Einzelgänger gewesen sein soll, war offenbar das Auslösen von Kurzschlüssen in den Hochspannungsleitungen. Mit Silvesterraketen wollte er dazu Drähte in die Leitungen schießen. Allein in der Nähe des Umspannwerkes im brandenburgischen Turnow-Preilack, vergangenen Dienstag das erste Ziel der Angriffe, fanden sich rund zwei Dutzend Abschussvorrichtungen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zum Motiv hinter der Anschlagsserie zuletzt gesagt, es handle sich sehr wahrscheinlich um „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters. Er zitierte dazu aus einem der Bekennerschreiben: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.“ In allen drei Bundesländern, in denen V. aktiv war, wird Strom aus Braunkohle gewonnen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, der rette nichts, sondern gefährde Leben: „Keine Ideologie taugt als Ausrede.“MARC BEYER

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