…wie im langjährigen Mittel in Nizza zwischen 1960 und 1991. © Haouzi/IMAGO
In München ist heute so warm … © Gräfenhain/Mauritius
Sattel/München – Freiburg auf Sizilien, München in Nizza, Hamburg in Paris: Eine Karte von Kachelmannwetter zeigt, wie weit sich deutsche Städte in einem außergewöhnlich warmen Sommer klimatisch nach Süden verschieben. Grundlage ist das Sommermittel aus Juni, Juli und August 2026. Verglichen wird es mit dem langjährigen Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990. Je nachdem, welchem historischen Sommermittel der Wert einer deutschen Stadt entspricht, wird ihr ein „klimatischer Zwilling“ weiter südlich zugeordnet. Kachelmannwetter sieht im Sommer 2026 ein deutliches Zeichen des beschleunigten Klimawandels. Die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes ist tatsächlich außergewöhnlich: Der Sommer erreichte im Deutschlandmittel 19,6 Grad. Damit war er der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 – nur 2003 war mit 19,7 Grad noch wärmer. Gegenüber dem Mittel von 1961 bis 1990 lag die Temperatur um 3,3 Grad höher. Am 27. Juni wurden 41,8 Grad gemessen – ein neuer deutscher Temperaturrekord. Im sächsischen Kubschütz wurde in der folgenden Nacht mit 29,4 Grad zudem die höchste je in Deutschland gemessene Tiefsttemperatur registriert.
Die Kachelmann-Karte macht aus diesen Zahlen ein Bild: Deutschland scheint klimatisch ein Stück nach Süden zu rutschen. Freiburg landet dabei auf der Insel Sizilien, Frankfurt in der Gegend von Madrid, Würzburg im Bereich Mailand, München bei Nizza oder Barcelona und Hamburg ungefähr bei Paris. Das ist allerdings keine tatsächliche Verschiebung von Klimazonen. Es ist ein anschaulicher Vergleich eines einzelnen, besonders warmen Sommers mit historischen Sommermitteln anderer Regionen.
Ganz neu ist die Grundidee allerdings nicht. Das Umweltbundesamt (UBA) hat bereits 2021 untersucht, wie sich die klimatischen Bedingungen deutscher Regionen im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990 verändert haben. Ergebnis: Das Klima vieler Regionen Deutschlands entsprach 1986 bis 2015 bereits Bedingungen, die früher rund 100 bis 600 Kilometer weiter südwestlich zu finden waren. Das UBA spricht von „klimatischen Zwillingsstädten“. Der Unterschied zur Kachelmann-Karte ist wichtig: Das Umweltbundesamt betrachtet langfristige Klimamittel über mehrere Jahrzehnte. Kachelmannwetter setzt dagegen den Sommer 2026 als außergewöhnliches Einzelereignis in Beziehung zu historischen Sommermitteln.
Die Vergleiche sind deshalb nicht direkt gleichzusetzen. Sie zeigen aber dieselbe Entwicklung: Die Temperaturen in Deutschland haben sich deutlich nach oben verschoben. Auch das UBA dokumentiert langfristig steigende Temperaturen in Deutschland.
Für die Städte hat das praktische Folgen. Beton, Asphalt und Gebäude speichern Wärme und geben sie besonders nachts wieder ab. Der Deutsche Wetterdienst weist auf den städtischen Wärmeinseleffekt hin: Dicht bebaute Städte können sich stärker aufheizen als ihr Umland. Und das in Zukunft immer mehr.