Hier duschte sich die ehemalige Kanzlerin. © Jetcraft
Die Bilder aus dem VIP-Bereich der Maschine sind erstmals zu sehen. Bisher waren sie streng geheim. © Jetcraft
Merkel steigt aus dem Regierungsflieger „Theodor Heuss“ aus. Der A340 galt damals als das „Wohnzimmer“ der Kanzlerin. © Nietfeld/dpa, Jetcraf
München – Dusche in gut 10.000 Metern Höhe, ein Schlafzimmer mit zwei vollwertigen Betten, ein Konferenzraum, den Insider einst „Merkels Wohnzimmer“ nannten – und das alles in einem Flugzeug, das jetzt jeder kaufen kann. Der ehemalige Bundeswehr-Jet „Theodor Heuss“ steht zum Verkauf. Und erstmals zeigen Fotos, was hinter der streng gesperrten Tür zum VIP-Bereich steckte. Das Flugzeug mit der Kennung 16+02 war das Schwesterflugzeug der als „Merkel One“ bekannten „Konrad Adenauer“. Beide A340 beförderten jahrelang Kanzler, Minister und Staatsoberhäupter. Nicht nur Donald Trump hat seine Air Force One.
Jahrelang war der vordere Teil des Airbus A340-300 für fast alle tabu – selbst mitreisende Journalisten durften die unsichtbare Grenze kaum überschreiten. Jetzt hat der amerikanische Flugzeugmakler Jetcraft auf Instagram Fotos veröffentlicht, die den einstigen VIP-Bereich zeigen – und damit einen seltenen Blick hinter die Kulissen des deutschen Regierungsflugbetriebs freigegeben.
Die Aufnahmen zeigen unter anderem eine Executive Suite, die sich per Handgriff in ein Schlafzimmer mit zwei Betten verwandeln lässt, ein eigenes Badezimmer mit Dusche sowie einen Konferenzraum mit Berliner Skyline an der Wand. Jetcraft bewirbt die Maschine in der Verkaufsanzeige als Jet mit „einer eleganten Executive Suite, einem Kommunikationszentrum, einem Konferenzraum und einer Lounge – dem perfekten Ambiente für diskrete Geschäftstreffen und Geschäftsreisen“.
Der Jet hat eine bewegte Geschichte. Ursprünglich flog er für die Lufthansa, bevor ihn die Bundesregierung im Jahr 2009 für rund 193 Millionen Euro kaufte. Weitere 140 Millionen Euro investierte Lufthansa Technik in Hamburg in den Umbau zum Regierungsjet – inklusive Flugabwehrsystem gegen anfliegende Raketen. Der Umbau war bereits unter Rot-Grün angedacht worden: Außenminister Joschka Fischer soll auf einem quälend langen Zwischenstopp-Flug mit dem alten A310 gesagt haben: „Vierstrahlig über den Atlantik, das wär‘s.“ Mit vier Triebwerken hat die Maschine eine deutlich größere Reichweite und muss auf Langstrecken weniger oft zwischenlanden.
Doch mit zunehmendem Alter häuften sich die Pannen. Im November 2018 musste die Schwestermaschine „Konrad Adenauer“ kurz nach dem Start notlanden – Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz reisten zum G20-Gipfel in Buenos Aires schließlich per Linienflug über Madrid. Im April 2019 verpasste Außenminister Heiko Maas wegen eines Reifendruckverlusts der „Adenauer“ bei der Landung in New York den Auftakt einer UN-Sicherheitsratssitzung. Auch die „Theodor Heuss“ blieb nicht verschont: Im Jahr 2018 startete Merkel wegen einer defekten Scheibenheizung mit stundenlanger Verspätung nach Ägypten. Das endgültige Debakel folgte im August 2023, als Außenministerin Annalena Baerbock wegen Problemen mit den Landeklappen der „Adenauer“ in Abu Dhabi festsaß und ihre Ozeanienreise absagen musste. Die Luftwaffe zog die Konsequenz und musterte beide A340 aus. Drei neue Airbus A350 ersetzten die Maschinen – Gesamtkosten: 1,2 Milliarden Euro, so der „Spiegel“.
Die ausgemusterte „Theodor Heuss“ flog am 27. September 2023 in die USA und wechselte seitdem mehrfach den Besitzer. Zuständig für den Verkauf war zunächst die Bundesverwertungsgesellschaft Vebeg. Bereits im Sommer 2024 scheiterten sowohl ein Verkauf als auch eine Vermietung des Jets. Nun wartet die Maschine in der amerikanischen Wüste auf einen Käufer – mit 50.710 Flugstunden und 8768 Landungen auf dem Buckel. Jetcraft verspricht eine frische weiße Außenlackierung und zwei abgeschlossene Inspektionen. Wer die Maschine kauft und für wie viel – das bleibt Geheimsache.CHRISTOPH GSCHOSSMANN