Gina H. im Kreuzverhör

von Redaktion

Mordfall Fabian (8): Angeklagte leugnet weiter und verwickelt sich in Widersprüche

Fabian wurde mit mehreren Messerstichen ermordet.

Gina H. beantwortete erstmals Fragen. © Wüstneck/dpa

Rostock – Im Prozess um den getöteten Fabian hat die Angeklagte Gina H. gestern erstmals Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft beantwortet. Sie offenbart erneut ein schwieriges Beziehungsleben, und redet über Gewalt in der Beziehung zum Kindesvater. Dieser habe nicht nur sie, sondern auch die Kinder geschlagen, sagte sie. „Er hat mehrfach die Hand gegen die Kinder erhoben.“

Ihrer Darstellung nach ist sie dazwischengegangen und hat daraufhin die Gewalt abbekommen. Auf Nachfrage des Richters, warum sie die Beziehung nicht abgebrochen habe, erwiderte sie, dass sie es gewohnt sei. Sie sei schon als Kind von ihrer Mutter geschlagen worden, sagte sie. Auch in früheren Partnerschaften habe sie Gewalt erfahren. Auch vom Vater ihres Sohnes. Mit ihm war sie vor Fabians Vater in einer Beziehung. „Er brauchte einen Pegel von mindestens zwei Promille, damit er mich nicht geschlagen hat.“ Einmal habe der Ex-Freund ihr in den Bauch getreten, sie sei ins Krankenhaus gekommen, erzählte die 30-Jährige. Nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes habe sie sich nach fast vier Jahren Beziehung von ihm getrennt.

Später ging es um den Tattag. Richter Holger Schütt verweist auf Widersprüche in den Aussagen der Angeklagten. Immer wieder fragt er Gina H. nach Details. Die 30-Jährige wirkt dabei zunehmend angespannt und hat sichtbar Mühe, ihre Schilderungen mit früheren Aussagen in Einklang zu bringen.

Immer wieder spielt das Gericht auch Sprachnachrichten vor, die Widersprüche zu der Erklärung der Angeklagten deutlich machen. So wundert sich Schütt an einer Stelle über eine Sprachnachricht der Angeklagten, in der sie Fabian „falsches Spiel“ unterstellt. Es klinge so, als ob „Sie nicht wollten, dass er Kontakt zu seinem Vater hat“, meint Schütt. Dies ist insofern relevant, weil nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Angeklagte den Mord verübt hat, um den Kindesvater für sich allein zu haben. Ein Psychotherapeut hatte an einem der vorherigen Prozesstage schon berichtet, dass die Angeklagte eine Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen habe. Sie selbst hatte während der seit mehr als vier Monaten laufenden Verhandlung eingeräumt, unter Eifersuchtsanfällen und Kontrollzwang zu leiden.

Doch an diesem Verhandlungstag bleibt die Angeklagte bei ihrer Version: „Woher sollte ich wissen, dass Fabian an diesem Tag verschwindet? Ich habe damit nichts zu tun“, sagt sie in einem emotionalen Ausbruch. Sie sei nie bei dem getöteten Kind in der Wohnung gewesen, aus der sie Fabian gelockt haben soll.

„Ich kenne die Wohnung nicht.“ Sie wisse auch nicht, in welcher Etage er mit seiner Mutter gewohnt habe. Wenn sie Fabian abgeholt habe, habe sie mit dem Auto an der Straße gewartet. Das Kind sei nach seiner Einschulung im Jahr 2023 „so gut wie gar nicht mehr“ bei ihr und dem Kindesvater gewesen.

Am Tag der Tat will sie nur in Güstrow gewesen sein, weil ihre Großeltern sie in die Kleinstadt geschickt hätten, um Geld für sie von der Bank abzuholen. Das zieht der Richter in Zweifel. Bei einer früheren Gelegenheit habe sie die Begebenheit als ihre eigene Initiative dargestellt, sagt Schütt.

Vor allem das Ausschalten des Handys zur mutmaßlichen Tatzeit weckt Skepsis beim Richter. Das von ihr angeführte Alibi hält er deshalb nicht für schlüssig. Auch nach 27 Verhandlungstagen stützt sich die Beweisführung weiterhin auf Indizien.

Die Angeklagte steht seit April vor Gericht. Sie soll den achtjährigen Fabian laut Staatsanwaltschaft am 10. Oktober 2025 aus seiner Wohnung in Güstrow gelockt und dann an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich der Kleinstadt, erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt haben. Das öffentliche Interesse an dem Prozess ist riesig. Vor dem Landgericht in Rostock warteten die Menschen in einer langen Schlange, um der Verhandlung beizuwohnen. Die ersten Zuschauer haben sich schon kurz nach 2 Uhr in der Nacht angestellt.

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