KI stillt Sehnsucht nach Promi-Hochzeiten
Beliebte Promis: Taylor Swift küsst Travis Kelce. © Locher/dpa
New York – Die Hochzeit dürfte die aufsehenerregendste des Jahres gewesen sein, doch noch immer gibt es von Superstar Taylor Swift und Travis Kelce (beide 36) keine offiziellen Hochzeitsfotos. Anfang Juli – vor drei Monaten – gaben sie sich das Ja-Wort, abgeschirmt in New York. Und eigentlich gibt es nur Fotos von schwarzen Autos, die zum Madison-Square-Garden fahren. Wäre da nicht etwas, was unsere Wahrnehmung bestimmt.
Denn online kursierten schon wenig später Bilder, die Swift als verträumte Braut zeigen, mit weißem Kleid und ihrem Football-Ehemann an der Seite. Hergestellt wurden diese Bilder mit Künstlicher Intelligenz (KI), sie sind also nicht echt. Mittlerweile kursieren auch KI-Hochzeitsbilder von anderen Paaren, die zu dem Zeitpunkt vielleicht noch gar nicht verheiratet waren oder (bislang) gar nicht erst verheiratet sind.
Ein Beispiel sind Timothée Chalamet (30) und Kylie Jenner (29). Von dem Paar finden sich auf der Plattform TikTok Fotos, die die beiden mit Ring und Jenner im weißen Kleid zeigen – obwohl es zumindest öffentlich keine Informationen über eine Verlobung oder gar eine Hochzeit gibt. Auch gefälschte KI-Bilder, die die beiden Hollywoodstars Tom Holland und Zendaya (beide 30) bei einer romantischen Zeremonie zeigen, sorgten für Gesprächsstoff, zumal Fans schon über eine Hochzeit spekuliert hatten.
Nun muss man ja schon sagen, dass Hochzeitsbilder für viele frischvermählte Paare essenziell sind. Und mit Sicherheit werden auch Swift und Kelce sehr viele gemacht haben, auch wenn sie die Öffentlichkeit bisher nicht zu sehen bekam. Werden sie vielleicht mal in einem Hochglanzmagazin veröffentlicht? Oder zu einem besonderen Datum? Oder wenn Swift irgendwann ein neues Album herausbringt? Dass das Geheimnis so lange gewahrt bleibt, dürfte auch daran liegen, dass Gäste Medienberichten zufolge ihre Handys abgeben mussten. In Zeiten der Bilderflut wird etwas besonders, eben genau, weil kein Bild davon existiert.
Die britische BBC etwa hat sich die KI-generierten Bilder von der Megahochzeit näher angeschaut. Die Bilder würden ein Informationsvakuum füllen, erklärte die britische Rundfunkanstalt. Während es keine offiziellen Informationen gebe, würden Gerüchte geschaffen. Und zur Hochzeit von Swift und Kelce wurde nur wenig bekannt. Medienwissenschaftler Marcel Lemmes ordnet das Phänomen, wieso Menschen solche KI-Bilder posten, ähnlich ein. „Im Grunde geht es um eine Form der visuellen Ersatzbefriedigung. Im Fall von Swift und Kelce gibt es ein riesiges öffentliches Interesse und eine Sehnsucht nach Hochzeitsfotos, aber es gibt eben keine offiziellen Bilder“, erklärt er. Die KI fülle dieses visuelle Vakuum.