Azubi-Serie: Tiefbaufacharbeiter/Gleisbauer

Immer in Bewegung

von Redaktion

Viele Schulabgänger wünschen sich einen Beruf, bei dem sie vornehmlich im Büro arbeiten. Für Devrim Sieren (16) ist das anders. Der Freilassinger wollte gerne in Bewegung sein, dachte über eine Ausbildung im Handwerk nach. Dann brachte ihn seine Tante auf „die richtige Schiene“.

Mühldorf – Die gelben Ungetüme sehen aus wie Züge, transportieren jedoch keine Passagiere. Vielmehr sind sie so etwas wie „Kollegen“ von Devrim Sieren. Der 16-Jährige ist bald im zweiten Lehrjahr zum Tiefbaufacharbeiter im Bereich Gleisbau. Die gelben Gleisstopfmaschinen, die bundesweit eingesetzt werden und an diesem Tag am Bahnhof Mühldorf zu sehen sind, dienen der Verdichtung von Schotter unter den Eisenbahnschwellen.

Anders als es der Name Gleisbauer vermuten lässt, ist das Hauptgeschäft der Teams, zu denen der Azubi der Südostbayernbahn (SOB) gehört, die Reparatur von Gleisen, nicht der Neubau – auch wenn in der Region gerade viel in den Ausbau des Schienennetzes investiert wird. Gleisbauer kontrollieren die Anlagen, verlegen Gleise und Weichen und erneuern Gleisbetten. Für Stubenhocker ist der Beruf entsprechend nicht geeignet. „Man ist nur draußen“, erzählt Devrim Sieren. Genau das findet der 16-Jährige positiv. Im Winter gibt es dann eben gefütterte Arbeitskleidung – immer im gut sichtbaren Orange, wie die Hose und Weste, die der Azubi derzeit im Dienst trägt. Schließlich werden Strecken während der Arbeit der Gleisbauer zwar immer gesichert, aber sie können nicht immer komplett gesperrt werden.

Praktikum als Eintrittskarte

Auf die Ausbildung gekommen ist der junge Freilassinger über seine Tante, die bei einem Eisenbahnunternehmen arbeitet. Sie gab ihrem Neffen den Tipp, sich über den Beruf Tiefbaufacharbeiter/Gleisbauer zu informieren. Der 16-Jährige tat nicht nur das, er machte auch ein Praktikum bei seinem heutigen Ausbildungsbetrieb. Das Berufsbild so kennenzulernen, empfiehlt das Unternehmen jedem, der sich für die Ausbildung interessiert. Für Devrim Sieren war die Praxiserfahrung die Eintrittskarte in eine Berufswelt zwischen Gleisen, Weichen und Kreuzungen.

Ihm gefiel das Hineinschnuppern auf Anhieb. Umgekehrt fanden die Kollegen schon damals, dass der Freilassinger einen guten Job macht. Er bekam einen Ausbildungsplatz mit Zukunftsperspektive bei der SOB, denn nach der dreijährigen Ausbildung wird er übernommen.

An einem normalen Arbeitstag bekommt Devrim Sieren gegen 7.45 Uhr gesagt, wo er mit seinen Kollegen bis 16.30 Uhr arbeiten wird. Die Südostbayernbahn betreibt immerhin ein Streckennetz mit einer Länge von 550 Kilometern. Zum Vergleich: Deutschlandweit gab es laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2014 insgesamt 33426 Kilometer Schiene. Bei ihrer Arbeit sind Gleisbauer immer mindestens zu zweit unterwegs und müssen auch mal einige Meter gehen, um dorthin zu gelangen, wo sie ein Gleis reparieren müssen. Manchmal ist Gestrüpp im Weg, das der 16-Jährige und seine Kollegen abschneiden. Strecken, knien und bücken – all diese Bewegungen gehören Tag für Tag zum Arbeitsalltag.

Es wird auch mal zu

viert angepackt

Hinzu kommt, dass die Teams für ihre Arbeit Werkzeug benötigen, das wird getragen. Ebenso wie das Material, das für die Reparaturen gebraucht wird – obwohl manche Teile, die am Gleis ausgetauscht werden, so schwer sind, dass mindestens vier Kollegen zusammen anpacken müssen. Devrim Sieren bringt es auf den Punkt: „Kraft sollte man haben.“ Auch handwerkliches Geschick ist gefragt, für Tätigkeiten wie flexen oder das Wechseln von Schienen. Interesse an Technik sollte ebenfalls da sein. „Auch Mathematik ist wichtig“, so der Auszubildende.

An seiner Arbeit schätzt er vor allem das Arbeitsklima, das er als familiär und freundlich beschreibt. Viel unterwegs zu Baustellen, eine Arbeit, die in Bewegung hält: Da passt es, was Devrim Sieren zukünftigen Kollegen noch mit auf den Weg gibt: „Man muss auch damit rechnen, dass die Berufsschule nicht vor Ort ist.“ Er muss nach Augsburg. Als Azubi der SOB bekommt er die Fahrt mit dem Zug dorthin vom Arbeitgeber bezahlt.

Artikel 8 von 8