Transport: Strasse oder schiene?

„Nicht jeder Transport ist möglich“

von Redaktion

Die Blockabfertigung hat die Debatte wieder entfacht: Statt im Stau zu stehen, könnten doch mehr Lkw-Container auf die Schiene verlegt werden. Hätte das nicht viele Vorteile?

Nußdorf – Für Südostoberbayern als eine der führenden Wirtschafts- und Exportregionen Deutschlands, ist eine leistungsstarke Schieneninfrastruktur von großer Bedeutung. Zufrieden sind viele Unternehmer mit der Anbindung an den Schienengüterverkehr derzeit jedoch nicht. Das hat zuletzt die Standortumfrage der IHK gezeigt. Sowohl im Landkreis Rosenheim als auch in den Landkreisen Altötting und Traunstein gehört dieser Faktor zu jenen, mit denen Unternehmer am wenigsten zufrieden sind.

Für den Nußdorfer Transportunternehmer Georg Dettendorfer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses der IHK für München und Oberbayern sowie des Verkehrsausschusses des DIHK, zeigt die Umfrage: Viele wollen die Schiene nutzen, nicht für jeden ist es unter den komplizierten Bedingungen eine Option. Die vorhandene Infrastruktur, Verfügbarkeit von Personal, Pünktlichkeit und Flexibilität – für den Unternehmer spielen all diese Aspekte in das Thema Schienenanbindung hinein. Zur Infrastruktur gehören für Dettendorfer unter anderem die Möglichkeiten zum Güterumschlag für einen so genannten kombinierten Verkehr von Straße und Schiene sowie das Thema Gleisanschluss. „Heute sind nur noch wenige Firmen direkt über Industriegleise angeschlossen“, so der Unternehmer. Viele Gleise seien stillgelegt worden. Auch zuletzt die Diskussion um den Verbleib der Güterhaltestellen Rimsting oder Waldkraiburg-Kraiburg trage nicht zu einem vereinfachten Zugang zum Schienengüterverkehr bei, Anträge für zwei Kombiterminals im Raum Traunstein seien abgelehnt worden. Hinzu kommt, dass kleine Unternehmen Einzelwagen auf die Schiene bringen und keine Ganzzüge bestücken. Aber auch die Möglichkeit des unbegleiteten, kombinierten Verkehrs spielt für Dettendorfer eine Rolle. „Das nächste und einzige Terminal ist München Riem – und hier sind die Kapazitäten erschöpft. Im Chemiedreieck gibt es noch das Kombiterminal in Burghausen. Hier ist die Elektrifizierung der Strecke ein großes Thema.“ Und von Rosenheim aus sei das Verladen dort keine Option. Hinzu kommt für den Unternehmer, dass die Organisation der Vor- und Nachläufe eines unbegleiteten kombinierten Verkehrs für kleine Unternehmen ein organisatorisch und wirtschaftlich nicht immer rentabler Aufwand sei. Auch aufgrund der vergleichsweise hohen Trassenpreise. Dass die DBNetz diese nun senkt, ist für Dettendorfer ein erster Schritt, den Transport attraktiver zu machen. Es sind jedoch nicht nur die Kapazitäten und wirtschaftlichen Aspekte, die dem Unternehmer Sorge machen, sondern auch die Zuverlässigkeit der Bahn. Ist die Strecke verstopft, habe der Güterverkehr gegenüber dem Personenverkehr das Nachsehen. Auch Züge mit dringend am Produktionsband benötigten Gütern hätten Vorrang. Aufgrund der Rheintalsperrung blieben Mengen im Deutschland-Italienverkehr liegen, denn die Ausweichstrecken seien ausgelastet sowie die Kapazitäten, die zusätzlichen Mengen auf der Straße zu transportieren, erschöpft. Entsprechend leide das Vertrauen, wenn eine einzige Störung eine ganze Strecke gefährdet.

Auch ein Umdenken

der Kunden nötig

Eine Erfüllungsquote von 80 Prozent, wie sie bei Transporten auf der Schiene üblich ist, sei für viele Güter und Kunden nicht ausreichend. „Das heißt, wir können gar nicht alles mit der Bahn transportieren“, betont Dettendorfer. Um mehr Güter auf die Schiene zu verlagern, sei somit auch ein Umdenken der Kunden nötig. „Es gibt viele Warenströme wie zum Beispiel Abfälle, die nicht punktgenau geliefert werden müssen. Für sie ist dennoch eine Erfüllungsquote von 97 oder 98 Prozent vereinbart. Diese ist aber nur auf der Straße zu gewährleisten.“

Thema Schiene wird

in zwei Jahren noch dringlicher

Trotz aller Widrigkeiten: Für das Unternehmen Dettendorfer hat die Strategie, Güter auf die Schiene zu verlagern, bereits vor 15 Jahren begonnen. So wurden durch den Dettendorfer Logistikpark Kiefersfelden 205000 Tonnen Treibstoff, die zuvor mit 15000 Lkw durch das Inntal verbracht wurden, auf die Schiene verlagert. Auch am Standort in Landshut werden 52000 Tonnen Schüttgut, zuvor 2000 Lkw Ladungen, auf die Schiene gebracht. „Seit September rollen Verkehre zwischen Italien und Hamburg direkt. Das Aufkommen ist da, sodass wir einen neuen Versuch starten“, so der Unternehmer. Ende der 1980er-Jahre hatte Dettendorfer diese Direktstrecke aufgegeben. In zwei Jahren werde das Thema Schiene einen noch höheren Stellenwert einnehmen, ist sich Georg Dettendorfer sicher. Einen Grund dafür sieht er in der Politik, die auf eine Verlagerung auf die Schiene dränge. Hinzu kommen Vorgaben von Nachbarländern wie Österreich, die den Transport einiger Güter auf der Straße schon heute nicht mehr zulassen. Hier schauen Transportunternehmen auch skeptisch auf die Zeit nach der Fertigstellung des Brennerbasistunnels und eine mögliche Verschärfung von Fahrverboten.

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