KonjunkturUmfrage: Metall- und Elektroindustrie

„Perspektiven nicht verspielen“

von Redaktion

Die Stimmung der südostbayerischen Metall- und Elektroindustrie bleibt laut aktueller Konjunkturumfrage insgesamt sehr gut. Der zunehmende Fachkräftemangel sowie fehlende Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeit sind jedoch kleine Wolken am Horizont – auch in den Unternehmen vor Ort.

Rosenheim – „Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Südost-Bayern bewerten ihre aktuelle Geschäftslage genau so gut oder besser als im vergangenen Jahr“, so Anton Kathrein, Vorsitzender der bayme vbm Region Südost-Bayern. Die Arbeitgeberverbände stellten gestern das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage unter den Mitgliedsbetrieben in der Region vor. Demnach stieg die Zahl derer, die das Inlandsgeschäft als gut beurteilten auf mehr als die Hälfte (2016: 44 Prozent). Nur vier Prozent (2016: zehn Prozent) sind mit der aktuellen Lage auf dem Inlandsmarkt unzufrieden. Ähnlich fällt das Urteil mit Blick auf das Auslandsgeschäft aus: 44 Prozent gaben eine positive Bewertung ab (2016: 41,3 Prozent), nur für zwei Prozent (2016: zehn Prozent) stellt sich die Geschäftslage hier als schlecht dar.

Auch für die kommenden Monate sind die Unternehmer optimistisch – und wollen investieren. 80 Prozent gehen davon aus, dass die Geschäftsentwicklung weitergeht wie zuletzt, zehn Prozent rechnen mit noch besseren Ergebnissen. Dabei lag die Produktion der südostbayerischen Unternehmen in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres 3,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. „Für das Gesamtjahr prognostizieren wir auf Basis unserer Umfrage ein Plus von gut vier Prozent.“

Hinsichtlich der Beschäftigungsprognose ergibt die Befragung in der Region ein gemischtes Bild. 35 Prozent der Firmen planen mit mehr Mitarbeitern an den Inlandsstandorten (2016: 16,1 Prozent). Gleichzeitig befürchten 45 Prozent (2016: zehn Prozent), Stellen abbauen zu müssen. „Es kann jedoch mit einem moderaten Beschäftigungsanstieg gerechnet werden, da der Aufbau volumenmäßig größer ausfallen dürfte als der Abbau“, so Kathrein.

Mitarbeiterzahl wächst weiter

Insgesamt sind bayernweit aktuell 835000 Arbeitnehmer beschäftigt, so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr. In Oberbayern waren es im Jahresschnitt 242000, wiederum 25500 von ihnen in Betrieben in Südost-Bayern. Und die Prognose zeigt weiter nach oben. Bis zum Jahresende werden in Oberbayern laut Umfrage zusätzlich 5200 Stellen erwartet. „Die Zahl der Beschäftigten in Südost-Bayern wird in diesem Jahr stagnieren oder sich leicht erhöhen“, so Kathrein.

Allerdings, der Beschäftigungsanstieg sei zuletzt deutlich expansiver geplant gewesen als er tatsächlich realisiert wurde. Als Grund nannte der bayme vbm-Regionalvorsitzende die zunehmende Knappheit von Arbeitskräften. „28 Prozent der M+E Unternehmen in ganz Bayern geben an, dass ihre Produktions- und Geschäftstätigkeit durch fehlende Arbeitskräfte erheblich beeinträchtigt wird. Das ist der mit Abstand höchste Wert, den wir bisher ermittelt haben“, betonte Kathrein. Die Tatsache bestätigte unter anderem Andreas Bublak, Vorstand der COC AG in Burghausen. „Wir können unser Wachstum nicht realisieren, da uns die Mitarbeiter fehlen.“ Rund 20 Stellen gebe es, die er sofort besetzen könnte – wenn der passende Mitarbeiter da wäre.

Kritisiert wurde von den Unternehmern vor allem eine fehlende Flexibilität in den gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Gestaltung der Arbeitszeit. „Ein ganz entscheidender Faktor, um die Zukunftsperspektiven im Blick zu behalten und mittelfristig nicht zu verspielen, ist Flexibilität“, so Kathrein. Den veränderten Arbeits- und Lebensumständen müsse sich auch das Arbeitszeitgesetz anpassen. „Dabei geht es nicht um eine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens, sondern die Möglichkeit, dieses flexibler zu verteilen.“ Konkret gehe es um zwei Punkte: die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit zugunsten einer wochenbezogenen Betrachtung zu ändern und die tägliche Mindestruhezeit anzupassen. Eine Befürwortung der Arbeitnehmer zeige auch eine repräsentative Bevölkerungsbefragung im Auftrag der vbw. Eine alleinige Entscheidung des Arbeitnehmers, die Arbeitszeit zurückzufahren, kritisierte unter anderem Klaus Rutz, Geschäftsführer der Ecolab Engineering GmbH in Siegsdorf. Auch mit Blick auf die Mitarbeiter. „Diejenigen, die die Stellen auffüllen, erhalten befristete Verträge. Das ist für sie auch nicht einfach.“

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