Endutec Maschinenbau Systemtechnik GmbH

Von Chieming zum Mond

von Redaktion

Mit einem besonderen Projekt fliegen im kommenden Jahr in Chieming gefräste Teile zum Mond. Denn die Endutec Maschinenbau Systemtechnik GmbH ist am Moon-Rover-Projekt beteiligt. Hauptsächlich stellt das Unternehmen jedoch Manipulatoren für die Halbleiterindustrie her.

Die Digitalisierung hilft dem Unternehmen dabei, Produktionsprozesse zu optimieren. Fotos endutec

Chieming – Auf seinen vier Rädern und mit dem leicht erhöhten „Kopf“, in dem sich eine Kamera befindet, hat der Moon Rover ein bisschen Ähnlichkeiten mit der Disney-Figur Wall-e. Rund 30 Teile des kleinen Gefährts, dass im Herbst kommenden Jahres zum Mond fliegen soll, wurden von der Endutec Maschinenbau Systemtechnik GmbH mit Sitz in Chieming gefertigt. „Fünf oder sechs von ihnen hatten es ganz schön in sich“, sagt Firmengründer Andreas Flieher rückblickend. Zusammen mit Michael Hascher hat er das Unternehmen, dessen Hauptgeschäft eigentlich in der Fertigung von Manipulatoren für die Halbleiterindustrie liegt, 2009 gegründet.

Der Firmensitz war dabei in den ersten Jahren im Dienstleistungszentrum in Rosenheim. „Eigentlich haben wir aus der Not heraus gegründet, da der Betrieb, für den wir gearbeitet haben, in der Krise pleite gegangen ist“, blickt Michael Hascher zurück. Um die Kosten in der Anfangszeit möglichst niedrig zu halten, habe man sich vor allem auf das Engineering von Manipulatoren für die Halbleiterindustrie konzentriert – hauptsächlich kleine Stückzahlen oder Sonderanfertigungen. „Hinsichtlich der Fertigung haben wir mit Partnern zusammengearbeitet“, so Flieher. Die Möglichkeit, im Dienstleistungszentrum kleine Räume günstig und mit einer entsprechenden Logistik dahinter anzumieten, sei ihnen gerade recht gekommen. Und bereits nach einem Jahr wurde der erste Mitarbeiter eingestellt.

Eigene Produktion

seit 2012

Dass man Rosenheim als Standort verlassen hat, habe vor allem damit zu tun, dass die Partner im Chiemgau ansässig waren, erklärt Michael Hascher. Erst seit rund fünf Jahren hat Endutec in Chieming eine eigene Produktion. „Die Geschäfte liefen immer besser und wir hatten Schwierigkeiten, die von uns benötigten Bauteile rechtzeitig zu bekommen“, erklärt Andreas Flieher die Entscheidung, 2012 die eigene Produktion aufzubauen. Außerdem habe man immer mehr selbst entwickelt – und die Pläne ungern aus der Hand gegeben. „Wir sind heute in ganz unterschiedlichen Bereichen, von der Automatisierungstechnik über Medizin- und Verpackungstechnik bis zur Automobilindustrie zu finden“, zeigt Michael Hascher, wie breit das Unternehmen aufgestellt ist. Man arbeite mit deutschen Firmen zusammen, geliefert werde an Standorte weltweit.

Die eigenen Kapazitäten auch für andere Sondermaschinenhersteller zur Verfügung zu stellen und als Lohnfertiger aufzutreten, habe sich mittlerweile zu einem vollwertigen zweiten Standbein entwickelt, so Hascher. „Es sorgt für Auslastung der Maschinen. Die Hauptgrößen liegen bei einer Stückzahl zwischen eins und 100.“ Denn während eigene Entwicklungsprojekte groß und dafür weniger zahlreich seien, sorgen die vielen kleineren Projekte für Auslastung des Zwölf-Mann-Betriebs mit mittlerweile rund zwei Millionen Euro Umsatz. In wieweit sich der Service zu einem dritten Standbein entwickeln kann, werde die Zeit zeigen. „Je länger man als Unternehmen am Markt ist, umso mehr Maschinen sind jedoch auch da, die gewartet werden müssen.“

Von Anfang an haben die beiden Firmengründer auf Digitalisierung gesetzt – auch wenn man damit ein Risiko eingegangen sei, erinnern sich die Gründer. Die Digitalisierung ermöglicht heute zum Beispiel, durch eine Visualisierung der Bauteile Produktionsprozesse zu simulieren. „So können wir nicht nur in einem ‚Probelauf’ sicherstellen, dass das Teil auch hergestellt werden kann. Wir wissen auch, wie lange die Produktion etwa dauert und können so die Auslastung optimieren“, sagt Andreas Flieher. Das reduziere Kosten – und ist den beiden Geschäftsführern auch bei ihrem wohl außergewöhnlichsten Projekt entgegengekommen: der Fertigung der Frästeile für den Moon-Rover.

„Ursprünglich war von den Entwicklern geplant, die Teile im 3D-Druck fertigen zu lassen. Das hat jedoch nicht die nötige Qualität gebracht“, erklärt Andreas Flieher, wie das kleine Unternehmen zu seinem großen Auftrag gekommen ist. Als sie mit dem Entwicklerteam des Moon Rovers zum ersten Mal Kontakt hatten, wurde das Mondfahrzeug noch nebenberuflich entwickelt. „Der Konstruktionsleiter war in einem Unternehmen tätig, für das wir eine Prüfvorrichtung gebaut haben“, erinnert sich Andreas Flieher. Heute unterstützen Großsponsoren wie Audi oder Vodafone das Projekt.

Raketenstart ist

für 2018 geplant

„Für uns ist es natürlich reizvoll, wenn die eigenen Teile zum Mond fliegen. Allerdings muss man auch sagen, dass wir zunächst nur Screenshots der benötigten Komponenten bekommen haben. Wie komplex manche der Teile sind, hat man darauf nicht sehen können“, gesteht Hascher. Denn die Deadline für die fertigen Teile war Weihnachten – die Daten gab es erst im November. Für das Unternehmen wenig Zeit, sich mit dem Projekt vertraut zu machen. Aber: „Wahrscheinlich hätten wir es trotzdem gemacht, auch wenn wir es vorher gewusst hätten“, sagt er schmunzelnd. Die nötigen Teile innerhalb eines Monats zu fertigen, hat das Unternehmen letztendlich jedoch geschafft. „Das war nur aufgrund der Effizienz der Fertigung möglich.“ Der Raketenstart ist für Herbst 2018 geplant. Dann sollen zwei der Fahrzeuge zum Mond fliegen.

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