Traunstein – Bücher, Filme oder Kleidung im Internet zu bestellen, ist für Kunden mittlerweile ganz alltäglich. Im Groß- und Außenhandel wie bei der J.N. Kreiller KG ist das Angebot unter anderem mit Stahl etwas ausgefallener. „Insgesamt macht das Online-Geschäft noch weniger als fünf Prozent des Umsatzes aus. Es holt aber stark auf“, sagt Geschäftsführer Nikolaus Binder.
Das Geschäftsfeld des Traunsteiner Mittelständlers ist insgesamt auf drei Säulen aufgebaut, die in etwa gleichen Teilen zum Umsatz beitragen: Stahl, Haustechnik sowie Metall und Eisenwaren. Der Kundenkreis aus Handwerks- und Industriebetrieben im Bauhaupt- und Baunebengewerbe liegt in einem etwa 100-Kilometer-Radius um den Firmensitz Traunstein herum, mit weiteren Standorten unter anderem in Rosenheim und Waldkraiburg. Aufgrund der Kunden profitiert das Unternehmen zu einem gewissen Grad auch vom aktuellen Bauboom – ohne von einer Branche abhängig zu sein, betont Binder. Auch nach Österreich geht das Geschäft – wenn auch für Stahl mehr als für andere Geschäftsfelder. „Für alles andere ist die Grenze häufig eine Grenze.“
Angebot wird
aktiv erweitert
Mit gut 300 Mitarbeitern ist der Handelsbetrieb einer der größten Arbeitgeber in der Region. Digitalisiert wird schon lange – vorangetrieben nicht nur vom Unternehmen selbst, sondern auch vom Großhandel insgesamt. „Hier wird das Angebot kontinuierlich und aktiv erweitert“, erklärt Binder. Eine Herausforderung stelle die pure Masse an Artikeln da, deren Stammdaten im Netz vollständig und korrekt bepreist wiedergegeben werden müssen. „Allein im Bereich Haustechnik sind es rund eine Million.“ Die Daten kommen größtenteils von Verbänden, aber auch von Lieferanten. „An vielen Teilen haben wir Katalogrechte.“ Neben dem eigenen Online-Shop arbeitet Kreiller auch mit Plattformen zusammen – allerdings nicht mehr mit Amazon, aufgrund von Haftungsfragen. „Derjenige, der einen Artikel einstellt, haftet für die gemachten Angaben. Auch, wenn der Eintrag später von jemand anderem geändert wird“, erklärt Binder den Grund, warum man sich zurückgezogen hat.
Einen eigenen Web-Shop hat das Unternehmen im Bereich Haustechnik – für Binder der Vorreiter hinsichtlich der Digitalisierung – schon seit rund acht Jahren. Aber auch der Bereich Stahl ist seit drei Jahren mit einem eigenen Shop vertreten. Mit einer Besonderheit. „Das Stahlgeschäft unterliegt der Tagespreisfindung. Um den letztlich gültigen Preis zu erfahren, braucht es den persönlichen Kontakt“, erklärt der Geschäftsführer. Der im Internet angegebene Preis ist entsprechend unverbindlich. Für eine Digitalisierung sei dies eine große Herausforderung.
Und doch, mit zunehmender Akzeptanz des E-Commerce beim Kunden geht auch die Orientierung der Kreiller KG stärker in Richtung Internet, so Binder. Allen voran in der Haustechnik geht der Geschäftsführer davon aus, dass die fünf Prozent Umsatzanteil in Kürze überschritten werden – auch wenn die Entwicklung nicht explizit forciert wird. Die Eisenwaren sieht Binder etwas später folgend. „Im Bereich Stahl wird der persönliche Kontakt an einem Punkt des Bestellungsprozesses bleiben“, ist er überzeugt. Doch: „An der Digitalisierung geht kein Weg vorbei.“
Weiterer Standort
in Planung
Aber nicht nur die Verkaufswege verändern sich, auch für die Mitarbeiterstruktur bedeutet die Digitalisierung des Handelsunternehmens einen Wandel – und den Aufbau einer eigenen IT-Abteilung. Denn das Know-how aus dem Haus zu geben, stand nicht zur Debatte. „Wir waren technisch so weit und so tief in der Materie, dass wir das nicht aus der Hand gegeben haben.“ Heute sind sieben Mitarbeiter ausschließlich mit IT beschäftigt, die Fachabteilungen arbeiten außerdem zu. „Sie sind die Mitarbeiter, die das Know-how haben.“
Eine zunehmende Digitalisierung bedeutet jedoch nicht, dass das stationäre Geschäft außer Acht gelassen wird. Mit dem Wachstum des Unternehmens wird auch über einen zusätzlichen Standort nachgedacht – um den Einzugsbereich zu erweitern. Binder: „Hier sind wir jedoch noch am Anfang.“