Kolbermoor – Eingehangen in große Hängearme werden Fahrzeugkarosserien in der Produktion von einer Arbeitsstation zur nächsten transportiert. Ein Unternehmen, das diese Schwerlastbahnen entwickelt und produziert, ist die Rofa-Gruppe mit Sitz in Kolbermoor. Vor 50 Jahren wurde das heute internationale Unternehmen als Bauschlosserei am Schloßberg gegründet, bevor es bereits 1971 nach Kolbermoor umsiedelte. Schon mehrmals wurde am Firmensitz erweitert, von dem aus die gesamte Gruppe gesteuert wird. Dort wird die Forschung und Entwicklung der einzelnen Standorte gebündelt. Aber auch Konstruktion, Projektleitung und Einkauf sind ebenso wie ein Prototypenbau in Kolbermoor angesiedelt. Nur eine große Fertigung gibt es hier nicht.
Dass ein Schwerpunkt der Tätigkeit heute auf Fördertechnik für die Automobilindustrie liegt, ist auch historisch bedingt. „Der erste Auftrag für ein Kettenförderband kam von Ford“, blickt Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kozsar zurück, der 1993 zusammen mit einem Partner das Unternehmen übernommen hat. Später kam mit BMW ein weiterer Automobilhersteller hinzu, der die Kapazitäten voll auslastete. Mit der Wende 1990 machte Rofa mit 100 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 40 Millionen D-Mark. In diesem Jahr strebt die Gruppe 330 Millionen Euro an, gut ein Drittel davon am Standort Kolbermoor. Beschäftigt sind weltweit mehr als 900 Mitarbeiter.
Organisch und durch
Zukäufe gewachsen
In seiner 50-jährigen Geschichte hat das Unternehmen jedoch nicht nur gute Zeiten durchlebt. „Als ich das Unternehmen übernommen habe, mussten wir die Zahl der Mitarbeiter auf 47 abbauen“, so Kozsar. Ein Jahr später wurden jedoch bereits zum letzten Mal rote Zahlen geschrieben, 1997 war man schuldenfrei. Seither geht es bergauf – auch, weil man sich etwas breiter aufgestellt hat, sowohl hinsichtlich der Kunden mit zusätzlichen Herstellern als auch durch eine breitere Produktpalette, zum Beispiel im Bereich Bodenfördertechnik oder Schwerlast. Hinzu kam die Expansion zur Erschließung neuer Märkte – unter anderem durch Kooperationen in Nordamerika und Korea. „Wir sind in den vergangenen Jahren sowohl organisch als auch durch Zukäufe gewachsen“, sagt Wolfgang Kozsar. Er betont jedoch auch: „Es ist nicht Wachstum um des Wachstumswillen das Ziel.“ Vielmehr habe es der Markt geboten. Dazu gehöre im Bereich Automobil, der heute rund 75 Prozent des Umsatzes ausmache, vor allem Osteuropa und China als starke Wachstumsregionen. Auch wenn mit rund der Hälfte des Umsatzes Europa nach wie vor der größte Markt in diesem Bereich bleibt. Das zweite Standbein der Unternehmensgruppe, die Intralogistik, wachse vor allem in Mittel- und Zentraleuropa, so Vorstand Andreas Bauer. „Wir sind jedoch dabei, uns hier auch in China zu etablieren. Dort sehen wir großes Entwicklungspotenzial.“
In den USA strebt die Gruppe in diesem Jahr einen Umsatz von 40 Millionen Euro an. „Ob wir das Ziel halten können, sehe ich skeptisch“, so Bauer. Der Grund dafür ist die amerikanische Politik. Denn auch wenn der Auftragsbestand derzeit noch gut ist, neue Projekte gibt es seit vergangenem Jahr wenige. „Dass es hier von jetzt auf gleich einen solchen Knick geben wird, hätte ich nicht gedacht“, sagt Kozsar. Entsprechend mit Sorge schaut der Vorstandsvorsitzende auf die Entwicklungen im amerikanischen Markt – trotz der US-Tochter. „Wir merken, dass es schwieriger wird, für unsere Mitarbeiter zum Aufbau der Anlagen Visa zu bekommen.“
Insgesamt ist das Thema Personal für die Gruppe derzeit eine der größten Herausforderungen. „Wir können nicht die Anzahl an Mitarbeitern gewinnen, die wir gerne hätten. Das schränkt und ein“, betont der Vorstandsvorsitzende. Seit 2013 ist die Zahl der Mitarbeiter um 19 Prozent von 812 auf 963 gestiegen – ein Faktor, der auch für die Auszeichnung als „Bayern‘s Best 50“ neben der Umsatzsteigerung der vergangenen Jahre eine große Rolle gespielt hat.
Und ein Ende des Wachstums ist für die Unternehmensgruppe noch nicht in Sicht – im Inland wie im Ausland. „Wir würden mittelfristig auch in Kolbermoor gerne noch einmal erweitern“, blickt Wolfgang Kozsar in die Zukunft. Kein leichtes Vorhaben, denn das zur Verfügung stehende Gelände ist ausgeschöpft. Aber auch einen weiteren Fertigungsstandort im Ausland hat das Unternehmen im Blick – um die Fertigungstiefe zu erhöhen. „Wir haben gute Partner, aber wir wollen mehr im Haus fertigen“, begründet Bauer den Schritt. Wo genau, das kann Wolfgang Kozsar noch nicht sagen. „Im Osten“ werde er liegen. Das sorge jedoch nicht dafür, dass die Anzahl der Mitarbeiter in Deutschland verringert werde, ganz im Gegenteil. „Eine Auswertung unserer Zahlen hat gezeigt, dass für jeden Arbeitsplatz, den wir im Ausland geschaffen haben, zwei in Deutschland entstanden sind“, betont der Vorstandsvorsitzende. Denn die Projekte, die gefertigt werden, müssten auch betreut werden. „Somit geht ein Wachstum in Deutschland nicht ohne Wachstum im Ausland.“