Rott – Konzentriert schaut Vanessa Kessler auf die Metallspritze, mit der sie peu à peu die kleinen Pralinenhülsen aus weißer Schokolade vor sich füllt. Nicht zu viel, denn sie müssen noch gedeckelt werden. Routiniert schwenkt sie von einer Praline zur nächsten. Dass die 18-Jährige dabei sowohl ein Haarnetz als auch Handschuhe trägt, gehört beim Umgang mit den Lebensmitteln dazu. Eine Schürze komplettiert das Arbeitsoutfit. Vor rund einem Jahr hat Vanessa Kessler mit ihrer Ausbildung zur Süßwarentechnologin begonnen. Neben einem fundierten Wissen unter anderem über Rohstoffe, das sie in diesem Jahr auch in der Berufsschule in Solingen vermittelt bekommen hat, hat sie den praktischen Teil ihrer Ausbildung in der Pralinenherstellung verbracht.
„Ich wollte etwas mit Lebensmitteln machen, das wusste ich immer“, erzählt die Auszubildende. Ursprünglich stand die Konditorlehre ganz oben auf der Wunschliste – auch zu Hause hat sie viel und gerne gebacken. Durch viele Praktika hat sie jedoch auch den Betrieb Dengel und die Ausbildung zur Süßwarentechnologin kennengelernt. „Das kreative Arbeiten mit Schokolade hat mir auf Anhieb super gefallen.“
Pralinen sind
Handarbeit
Doch zunächst musste sie nach dem Quali einen Rückschlag einstecken – 2014 hat der Betrieb nicht ausgebildet. „Daraufhin bin ich weiter zur Schule gegangen, habe meine mittlere Reife gemacht und mich letztes Jahr noch einmal beworben“, erzählt die Auszubildende. Mit Erfolg. Und die Pralinenherstellung als erste Station macht ihr Spaß. „Das Schwierigste sind die Hülsen.“ Mit Fingerspitzengefühl muss genau der richtige Zeitpunkt abgepasst werden, wann in jeder Ecke der Form genug Schokolade ist und der Rest wieder ausgegossen werden kann. „Das ist alles Handarbeit“, erklärt sie. Auch das Füllen, Deckeln, Überziehen und die Herstellung von Trüffelmasse will gelernt sein. Etwas monotoner ist da das „Ausschlagen“ – das Lösen der Pralinen aus der Form – und das anschließende Einsortieren. „Das ist immer die gleiche Bewegung.“ Aber auch das gehöre dazu.
In ihrem zweiten Lehrjahr kommt Vanessa Kessler in die Hohlfigurenabteilung. „Zum Beispiel einige der Weihnachtsmänner in den Regalen könnten in diesem Jahr von mir verziert worden sein.“ Aber nicht nur das „Malen“ mit Schokolade, um Augen oder Mütze hervorstechen zu lassen, gehört dazu, auch das Formengießen. In der Berufsschule werde die Herstellung von Marzipan-, Nugat- und Trüffelmasse unter anderem im Vordergrund stehen. Aber auch mit anderen Bereichen muss sich die Auszubildende dort auseinandersetzen. Auf dem Lehrplan stehen neben Schokolade zudem Dauerbackwaren, Konfekt oder Zuckerwaren – und die dazugehörigen Rohstoffe wie Getreide und Mehl oder verschiedene Arten von Zucker und seine chemische Zusammensetzung.
Als Chocolatier
in die Schweiz
„Es ist diese Vielseitigkeit, die die Ausbildung ausmacht“, sagt die 18-Jährige. Man sei kreativ – ob beim sorgfältigen Ausmalen der Formen oder dem Verzieren der Pralinen mit feinen Mustern aus Schokolade. „Letzteres muss ich Gott sei Dank erst im dritten Lehrjahr.“ Man sollte in jedem Fall gut mit Lebensmitteln umgehen können und verantwortlich und sorgfältig arbeiten. Auch etwas technisches Verständnis, wenn es um die Maschinen geht, die die Arbeit unterstützen, sollte ein Azubi mitbringen, sagt Vanessa Kessler.
In ihrem Beruf möchte sie auch nach der Ausbildung bleiben. Sie hat sich ganz der Schokolade verschrieben und ein klares Ziel vor Augen. „Ich möchte meinen ‚Meister‘ machen, also Chocolatier werden“, sagt sie. Ihr Traum wäre eine Anstellung bei Lindt und Sprüngli in der Schweiz. „Irgendwann habe ich mal scherzhaft zu einer Freundin gesagt, dass ich deren Werbung ‚revolutionieren‘ möchte – damit nicht immer nur ein Mann zu sehen ist“, erzählt die 18-Jährige und lacht.