Azubi-Serie: Metzgereifachverkäuferin

„Vielfältiger als man denkt“

von Redaktion

Für Beatrice Burghart ist die Ausbildung zur Metzgereifachverkäuferin mehr als nur der tägliche Umgang mit Fleischprodukten. Von ihrem Wissen über die Lebensmittel und ihre Verarbeitung sollen auch die Kunden profitieren. Insbesondere das Kreative, zum Beispiel bei der Gestaltung von Platten, schätzt die 19-Jährige im zweiten Lehrjahr.

Rosenheim – „Einen Moment, ich bin gleich bei Ihnen“, sagt Beatrice Burghart, während sie sich hinter der Theke die Hände und Unterarme bis zum Ellenbogen wäscht. Mit einem Lächen auf den Lippen kommt die junge Frau mit den zusammengebundenen blonden Haaren auf den Kunden zu, zieht sich Einweghandschuhe an und fragt: „Was darf es denn sein?“

Vor rund zwei Jahren hat die 19-Jährige ihre Ausbildung zur Metzgereifachverkäuferin begonnen. Das war jedoch nicht immer ihr Traumberuf. „Ursprünglich wollte ich Orthopädieschuhmacherin werden“, gesteht sie. Erst durch ein Schulpraktikum ist sie auf den Geschmack gekommen. „Ich hatte mir bewusst eine Alternative zu dem rausgesucht, was ich damals werden wollte. Sonst lernt man nie andere Dinge kennen“, erklärt Beatrice Burghart ihre damalige Entscheidung – die sie heute nicht missen will. Denn eher durch Zufall ist sie auf eine Metzgerei als Praktikumsbetrieb gekommen. Und war sofort begeistert.

Gewurstet wird nur

in der Berufsschule

Brote belegen, kleine Schälchen herrichten – das hat sie damals schon gemacht und auch nach dem Praktikum weiter gejobbt. „Man kann kreativ sein und mit so vielen kleinen Details arbeiten. Das hat mir Spaß gemacht.“ So hat Beatrice Burghart nach dem Quali ihre Ausbildung zur Metzgereifachverkäuferin begonnen und kommt im September ins dritte und letzte Lehrjahr. In der Berufsschule, die sie in Rosenheim besucht, hat sie bereits im ersten Jahr die Grundlagen sowie in diesem Jahr den Schwerpunkt Schinken und Fleischveredelung hinter sich. „Im dritten Lehrjahr wird speziell das Rindfleisch angesprochen“, blickt die Auszubildende nach vorne.

Insgesamt sei die Lehre vielfältiger, als man vielleicht denke. Neben der klassischen Fleischtheke gehören längst auch Catering, kalte Küche, die Zubereitung von Salaten oder der Mittagstisch zum Alltag einer Metzgerei – und die Vorbereitungen zum Aufgabenbereich einer Fachverkäuferin, erklärt Beatrice Burghart, die ihre Ausbildung in der Metzgerei Lohberger macht. Nur gewurstet wird ausschließlich in der Berufsschule. „Damit wir wissen, wie es funktioniert und welche Inhaltsstoffe in den Produkten sind“, erklärt sie. Man sei kein „Verteiler“ der Ware, sondern ein Berater für die Kunden – der auch wissen müsse, wie das Fleisch am besten zubereitet werde. Und woher es kommt. „Das ist eine der häufigsten Fragen.“ Aber auch Inhaltsstoffe, gerade bei den Marinaden, werden nachgefragt. Produktpässe helfen den Verkäufern.

Vegetarierin ist Beatrice Burghart übrigens nicht. Sie isst aber auch nicht mehr Fleisch, seit sie ihre Ausbildung begonnen hat. „Ich würde eher sagen, man isst bewusster. Auch wenn man natürlich die eine oder andere Anregung aus der Theke bekommt“, gesteht sie.

Kontakt mit Kunden und Kreativität

Der Kontakt mit den Kunden und das Kreative – ob beim Zusammenstellen der Grillspieße oder dem Legen von Platten – sind es, die für die 19-Jährige ihre Ausbildung ausmachen. „Gerade das Gespräch mit den Kunden lernt man schnell. Man wird immer selbstbewusster, wenn derjenige gegenüber zufrieden die Metzgerei verlässt“, macht Beatrice Burghart auch jenen Mut, die vielleicht etwas schüchterner sind und sich für die Ausbildung interessieren. Selbst das Wissen über die Produkte weitergeben zu können, helfe dabei, sicher zu werden – und mache auch ein bisschen stolz. Wichtig sei, dass man Neugierde mitbringe, auf Hygiene achte und verantwortungsbewusst sei, denn gerade Letzeres sei im Umgang mit Lebensmitteln besonders wichtig, betont Beatrice Burghart. Auch nach ihrer Ausbildung will sie weiter in dem Bereich arbeiten. Wie genau ihr Weg weitergeht, hält sie sich offen. „Ich habe alle Möglichkeiten. Ich bin da aber eher spontan.“

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