Azubi-Serie: Büchsenmacher

Millimeterarbeit am Gewehr

von Redaktion

Exakt sein und auf Sicherheit achten – für Sebastian Lechner sind diese Eigenschaften in seiner Ausbildung zum Büchsenmacher besonders wichtig. Morgen startet er ins zweite Lehrjahr.

Rohrdorf – Sebastian Lechner (18) hat ein gefährliches Arbeitsgerät in der Hand: Das Gewehr Karabiner 98 K stammt aus den 40er-Jahren und wurde im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht verwendet. Die Waffe ist funktionsfähig, doch der Schlagbolzen ist kaputt. Daher landete es bei ihm auf der Werkbank. Der Stephanskirchener absolviert eine Lehre zum Büchsenmacher und soll nun – unter den wachsamen Augen seines Meisters – den Schlagbolzen austauschen. Einige gekonnte Handgriffe später ist die Aufgabe erledigt.

„Mit alten Waffen arbeite ich gerne, weil ich mich auch geschichtlich dafür interessiere“, erklärt der 18-Jährige. Schon auf dem Gymnasium sei ihm außerdem klar gewesen, dass er beruflich gerne etwas Handwerkliches, Feinmechanisches machen würde. Also hat er nach der zehnten Klasse und mit der mittleren Reife in der Tasche die Schule verlassen, um sich nach einer Lehrstelle umzusehen. „Zunächst dachte ich, Goldschmied wäre was für mich“, erzählt der junge Mann. Doch schon beim ersten Besuch der Werkstatt habe er sich dort fehl am Platz gefühlt. „Das war mir irgendwie zu spießig“, meint er schmunzelnd. Durch Internetrecherche und einige Telefonate hat er dann erfahren, dass es in Geiging bei Rohrdorf einen Büchsenmacherbetrieb gibt – noch dazu einen der wenigen weit und breit, der ausbildet. Büchsenmacher stellen Sportgewehre und andere Waffen her, verkaufen und reparieren diese. Das Unternehmen von Peter Fortner repariert Jagdwaffen, hat sich aber besonders auf die Herstellung von Biathlongewehren spezialisiert. Zehn Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Wenige Lehrstellen

verfügbar

Die Lehrstelle war eigentlich schon besetzt. Doch Sebastian Lechner durfte ein Praktikum machen und in den Beruf reinschnuppern. Das scheint beiden Seiten gut gefallen zu haben – direkt nach der Hospitanz kam der Anruf, dass er nun doch schon sofort seine Ausbildung beginnen kann. Also startete Lechner im vergangenen September seine Lehre zum Büchsenmacher, die drei Jahre dauert. Das nötige Geschick für die feine Mechanik, Grundkenntnisse in Mathe und Physik sowie jede Menge Interesse brachte er mit. Der schulische Teil der dualen Ausbildung findet blockweise im Baden-Württembergischen Ehingen an der Donau statt. Dort lernt Lechner die nötige Theorie für seinen Beruf.

Das praktische Handwerk bekommt er im Betrieb vermittelt. Los ging es mit Feilen, Bohren und Gewinde-Schneiden. Als die Grundlagen saßen, wurden die Aufgaben immer anspruchsvoller. Drehen, Fräsen und einfache Reparaturen ausführen darf der Azubi nun schon, wenn einer der Kollegen über seine Schulter schaut und das Ergebnis prüft. In den weiteren Lehrjahren kommen auch noch die Arbeit an der CNC-Fräsmaschine sowie der Umgang mit dem Kunden zu seinen Aufgaben dazu.

Und was ist besonders wichtig bei der Arbeit als Büchsenmacher? „Exakt sein und auf die Sicherheit achten“, erklärt Lechner. Ist das Gewehr nicht genau gefertigt, beeinflusst das die Funktion. Die Patrone kann platzen, oder man trifft sein Ziel einfach nicht. Ob die Waffe optimal funktioniert, testen die Büchsenmacher am betriebseigenen Schießstand. Dort, wie auch in der Werkstatt, gelten für den Umgang mit Waffen strenge Regeln, die Lechner in seiner Ausbildung lernt: So darf niemals Munition zusammen mit den Gewehren gelagert werden und man muss den Lauf immer vom Menschen weg halten – auch, wenn man überzeugt ist, dass die Waffe nicht geladen ist.

Filme vermitteln

falsches Bild

Mehr als für das Schießen interessiert sich Azubi Lechner aber für die Funktion der Waffen. „Mir geht es nicht ums Ballern!“, betont er. Das ist wahrscheinlich auch seinen Eltern und Freunden bewusst. „Sie finden es positiv, was ich mache, und unterstützen mich dabei“, erzählt der Azubi. Manchmal bekomme er aber auch negative Reaktionen zu spüren. „Viele haben Angst vor Waffen, hier vermitteln auch amerikanische Filme oft ein falsches Bild“, meint er. Manche Menschen würden beim Thema „Waffen“ sofort an Gewalt oder das leichtfertige Töten von Tieren denken. In seinem Beruf gehe es dagegen um Sportwaffen sowie um Gewehre für Jäger, die mit ihrer qualifizierten Arbeit das Gleichgewicht der Natur im Wald unterstützen. Für den Azubi ist jedenfalls klar, dass sein Beruf für ihn das Richtige ist. Er sieht auch seine Zukunft in dieser nicht ganz alltäglichen Branche. Nach der Gesellenprüfung, so sein Wunsch, möchte er gerne bald den Meister draufsetzen.

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