Handwerk

„Grundpfeiler der Nahversorgung“

von Redaktion

Zahl der Bäcker und Metzger in der Region geht zurück

Rosenheim/Mühldorf/Traunstein – In Bayern gibt es immer weniger Metzgereien und Bäckereien – da ist auch die Region keine Ausnahme. Eine parlamentarische Anfrage der Landtags-SPD beim Wirtschaftsministerium hat ergeben: In Stadt und Landkreis Rosenheim ist die Zahl der Betriebe binnen fünf Jahren um fast sechs Prozent zurückgegangen. Seit 2011 ist die Zahl der Bäckereien von 64 auf 59 gesunken, bei den Metzgereien ging sie von 98 auf 94 zurück. Im Landkreis Mühldorf sind in erster Linie die Metzger betroffen. Waren es 2011 noch 32 Betriebe, sind es jetzt noch 22. Die Zahl der Bäcker ist von 31 auf 23 gesunken. Die Zahl der Konditoreien hat sich hingegen von drei auf sieben mehr als verdoppelt. Im Landkreis Traunstein gibt es statt 53 Metzger noch 44, die Zahl der Bäcker ist von 47 auf 35 gesunken, die der Konditoren von 18 auf 16. Das teilen SPD-Heimatabgeordneter Günther Knoblauch und SPD-Landtagsfraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher in einer Pressemitteilung mit.

„Anders als beispielsweise in Teilen von Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz ist die Nahversorgung im Bereich Rosenheim zwar überall gewährleistet, doch es gibt einen klaren Trend“, so Rinderspacher. Knoblauch ergänzt: „Häufig sind es die Bäcker und Metzger im Ort, die die Nahversorgung aufrecht erhalten, wenn Supermärkte schließen. Wenn jetzt auch sie verschwinden, ist die Nahversorgung in den Dörfern tot.“ Da helfe auch kein schnelles Internet, um die Lebensqualität vor Ort aufrechtzuerhalten.

Augenscheinlich sei, so Rinderspacher, dass immer weniger junge Leute das Lebensmittelhandwerk erlernen wollen. Gab es 2011 noch 151 gewerbliche Azubis im Rosenheimer Bereich, waren es 2016 nur noch 108 – ein Rückgang von fast 30 Prozent. Diesem Trend schließen sich laut Knoblauch auch die Landkreise Mühldorf und Traunstein an. Zudem geht mit der sinkenden Zahl der Betriebe auch das Personal insgesamt zurück – sowohl im Landkreis Mühldorf als auch im Landkreis Traunstein. Die Zahl der im Lebensmittelhandwerk tätigen Personen ist zwischen 2011 bis 2014 in Mühldorf von 784 auf 700, in Traunstein von 1644 auf 1251 gesunken. Die Zahlen für 2015 und 2016 liegen noch nicht vor.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, schlagen die SPD-Politiker vor, die Ausbildung zum Meister kostenfrei zu machen. „Ein kostenfreier Meister wäre ein echter Schritt nach vorne“, betonen sie. Zudem müsse die Staatsregierung ihre Abschiebepolitik überdenken, fordern die Politiker. „Viele Flüchtlinge suchen gerade im Lebensmittelhandwerk eine berufliche Perspektive. Nicht selten werden sie vom Betrieb mit Kusshand eingestellt, erhalten einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag oder Praktikumsplatz, um anschließend abgeschoben zu werden.“ re/nk

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