Bauer Elektroanlagen

Feste Werte, tiefe Wurzeln

von Redaktion

Sicherheits- und Beleuchtungsanlagen im Neubau eines Dax-Konzerns und Gebäude-automation für eine Uni-Bibliothek – Bauer Elektroanlagen betreut bundesweit große Kunden. Im Hauptsitz des Unternehmens in Buchbach können Privatkunden auch noch Elektrogeräte kaufen.

Buchbach – Das Hauptgeschäft von Bauer ist das nicht mehr. Aber langjährige Kunden fragen danach. Und genau die sind Bauer wichtig. „Wir wollen mit unseren Kunden eine langjährige, partnerschaftliche Zusammenarbeit. Jeder Kunde soll ein Stammkunde werden“, sagt Alexandra Unterholzer. Sie ist eine geborene Bauer und leitet mit ihrem Bruder, Franz Bauer, das Unternehmen. Franz Bauer ist Sprecher der Holding und für die technische Geschäftsleitung zuständig, Alexandra Unterholzer für die kaufmännische Geschäftsleitung. Derzeit beschäftigt Bauer Elektroanlagen rund 1100 Mitarbeiter an zehn Standorten in Deutschland. Für das Jahr 2017 erwartet das Unternehmen nach eigenen Angaben 170 Millionen Euro Umsatz. Das Leistungsspektrum ist vielfältig: Sicherheitstechnik, wie etwa Brand- und Einbruchmeldeanlagen, Zeiterfassungssysteme, Elektroinstallationen, Energieversorgungen, Straßenbeleuchtungen und Gebäudeautomation. Medientechnik wie digitale Audio- und Videoübertragungssysteme installiert das Unternehmen und bietet später den Service – um nur einige Beispiele zu nennen.

Aufgaben, in denen sich ständig technisch etwas weiterentwickelt. Im Durchschnitt absolvieren die Mitarbeiter pro Jahr mindestens vier Schulungen und Fortbildungen. Alle Mitarbeiter in der Planung, im Angebotswesen, der Projektabwicklung einschließlich aller Monteure haben eine elektrotechnische Ausbildung. „Im Süden haben 75 Prozent der Mitarbeiter schon bei uns gelernt“, sagt Salih Akyildiz, Geschäftsführer der Region Süd bei Bauer. Betrachtet man die Belegschaft von Hamburg, dem nördlichsten Firmensitz, über Düsseldorf im Westen und Leipzig im Osten liegt der Anteil der selbst Ausgebildeten bei rund 65 Prozent. Salih Akyildiz ist auch einer dieser Mitarbeiter. Wenn er im Buchbacher Hauptsitz ist, läuft er manchmal dem Mann über den Weg, der ihn ausgebildet hat und Leuten, für die er selbst später Ausbilder war: „Es gibt Projektleiter, die mal bei mir Lehrlinge waren. Das freut mich.“ In Buchbach, aber auch an anderen Standorten, gibt es eine Lehrwerkstatt und Schulungsräume sowie Ausbilder. Insgesamt sind derzeit rund 240 Auszubildende bei Bauer. Die Firma hat ein eigenes Ausbildungskonzept entwickelt, das an den schulischen Ausbildungsplan angelehnt ist. Es gibt auch übergeordnet für die Regionen, in die Bauer sich gliedert, Ausbildungsleiter. „Die Ausbildung begann vor Jahrzehnten und ist der Grundstock des Unternehmens“, betont Franziska Unterholzer. Neben Ausbildungen im elektrotechnischen Bereich, lernen bei Bauer auch angehende Technische Systemplaner und Kaufleute für Büromanagement. Das Unternehmen ermöglicht zudem duale Studiengänge. „Großen Wert legen wir auch auf die weichen Themen: Persönlichkeitsentwicklung, der Umgang mit Stress und das Gesundheitsmanagement“, sagt Alexandra Unterholzer.

Als die Firma 1911 gegründet wurde, war sie eine Schlosserwerkstatt mit Maschinenhandel in Buchbach. Zwei Jahre später kümmerte sich der Betrieb um die Elektrifizierung des Ortes. 1969 übernahm Franz Bauer senior mit seiner Frau Franziska die Firma. Zwei Mitarbeiter und einen Lehrling beschäftigte die Firma damals. Der Elektrofachhandel und Elektroinstallationsbetrieb wurde bald größer. Man verwirklichte auch außerhalb des Landkreises größere Aufgaben im elektrotechnischen Bereich. Eine entscheidende Phase war Ende der 1980er-Jahre. Franz Bauer senior und seine Mitarbeiter arbeiten an einem Großauftrag: der Elektrotechnik des Terminal I des neuen Münchner Flughafens, der „vier Jahre jeden einzelnen Mitarbeiter erforderte“, wie es in einem Kundenmagazin von Bauer heißt.

Das Buchbacher Unternehmen wagte in dieser Zeit aber noch einen Kraftakt. Man übernahm den Elektro-Anlagenbau Halle, einen ehemaligen sogenannten volkseigenen Betrieb. Nach der Wende schaffte dieser das Überleben nicht aus eigener Kraft. 120 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel.

Größter familiengeführter Betrieb der Branche

Man wandte sich an die Firma Bauer in Buchbach, mit der man schon zu DDR-Zeiten Kontakt gehabt hatte. Durch Übernahmen und Neugründungen kamen ab Mitte der 1990er neue Standorte dazu. Heute ist Bauer in der Branche das größte familiengeführte Unternehmen in Deutschland.

Eine Firma, die wächst, muss sich aber auch mehr um den Zusammenhalt bemühen. Viele Unternehmen sprechen heute von Werten. Bei Bauer beschäftigte man sich schon vor 30 Jahren mit Fragen wie: Was verbindet uns? Wie wollen wir miteinander umgehen? Wo wollen wir hin? „Bei der Einführung und Weiterentwicklung der Corporate Identity, unseren Werten und der Schaffung der Marke Bauer war meine Mutter Franziska Bauer der ausschlaggebende Motor“, sagt Geschäftsführerin Alexandra Unterholzer. Salih Akyildiz unterstreicht, diese Werte seien nie von oben auferlegt worden. Alle Mitarbeiter hätten diskutiert und mitgearbeitet, diese festzulegen. So seien sie auch leichter umzusetzen. Es gibt eine Definition zu jedem der Werte. Einer ist Wertschätzung.

„Die Ratschläge und Erfahrungen der Eltern sind uns sehr wichtig.“

Alexandra Unterholzer

In der Definition fällt auch das Wort familiär. Und das ist nicht nur auf dem Papier so. Franziska und Franz Bauer senior sind nach wie vor präsent. Franz Bauer senior ist Vorsitzender des Beirates und Franziska Bauer ist nach wie vor in der kaufmännischen Geschäftsführung tätig. Die Ratschläge und Erfahrungen der Eltern seien ihnen sehr wichtig, sagt Alexandra Unterholzer. Für sie und ihren Bruder sei es klar gewesen, dass sie das Unternehmen fortführen.

Die Frage, warum man Buchbach als Hauptsitz nicht gegen einen in einer Großstadt – Sitze gibt es ja unter anderem auch in Berlin und Frankfurt – eintauscht, beantwortet sie schnell und mit leichtem Erstaunen in der Stimme: „Wir fühlen uns in dieser Region wohl – das sind unsere Wurzeln.“ Vielleicht ist das wie bei einem Baum: Nur mit starken Wurzeln ist Wachstum möglich.

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