Traunstein / Mühldorf / Rosenheim / Berchtesgadener Land – Zeitgleich zur EU-Kommission tagt auch der Aufsichtsrat der Molkerei Berchtesgadener Land. In diesem Rahmen wollen Geschäftsführung und Vorstand heute ihren Aufsichtsräten empfehlen, den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat sofort zu untersagen. Dies teilte die Molkerei den OVB-Heimatzeitungen vorab mit. Geht es nach der Geschäftsführung, soll dieses Verbot für die Grünland- und Ackerbaubehandlung gelten: „Eine Verlängerung verbietet sich.“ Zusätzlich soll das Glyphosat-Verbot für die Milchlieferbedingungen gelten.
Bauernverband: Landwirte tun nichts Verbotenes
Dessen Einhaltung soll streng über das Qualitätsmanagement kontrolliert werden. „Dies ist ein wesentlicher Schritt für die Interessen der Verbraucher“, sagte dazu Geschäftsführer Bernhard Pointner. Es ginge dabei auch um die Qualität und die Nachhaltigkeit der Milchprodukte. Für weitere Stellungnahmen will das Unternehmen erst zur Verfügung stehen, wenn die Aufsichtsräte im eigenen Haus sowie die EU-Kommission ihre Entscheidungen bekannt gegeben haben. Laut der Molkerei Berchtesgadener Land ist der milchverarbeitende Betrieb deutschlandweit der einzige und erste, der sich dezidiert gegen den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft ausspricht. Die Molkerei ist genossenschaftlich organisiert; ihr gehören 1800 Landwirte zwischen Watzmann und Zugspitze im so genannnten Grünlandgürtel der Region an. Rund 500 Landwirte dieser Genossenschaft wirtschaften auf ökologische Weise, das bedeutet, dass diese Betriebe ohnehin auf Glyphosat verzichten. Beim Bayerischen Bauernverband (BBV) gab man sich zunächst zurückhaltend. Reinhold Lampoltshammer von der Traunsteiner Geschäftsstelle sprach von einer „schwierigen Entscheidung“, welche aktuell im Raum stünde. Die Landwirte selbst seien in der Frage „pro oder contra Glyphosat“ nicht einer Meinung. „Wer momentan Glyphosat einsetzt, tut ja nichts Verbotenes – die momentane Rechtslage erlaubt das schließlich noch.“ Man sei sich beim BBV aber sicher, dass die Bauern bereit wären, auf „vernünftige Alternativen“ zu Glyphosat umzusteigen, wenn wirklich wissenschaftlich bewiesen werde, dass das Mittel gesundheitsschädlich sei. Dies ist im Moment aber noch nicht der Fall, denn die wissenschaftliche Bewertung zu Glyphosat ist nach aktuellem Stand immer noch nicht eindeutig.
Ein Milchvermarkter, der schon Anfang 2016 ein Verbot des Herbizids bei seinen mittlerweile 100 Lieferanten aus Bayern und weiteren Bundesländern durchsetzte, ist die MVS GmbH aus Pfaffing. Sie vertreibt selbst H-Milch und Butter unter der Marke „sternenfair“. Wie der Molkerei Berchtesgadener Land geht es der MVS Milchvermarktungs GmbH um Themen wie Nachhaltigkeit und um eine Verantwortung kommender Generationen gegenüber: „Es liegt für uns als Landwirte in unserer Verantwortung, keine Mittel einzusetzen, die sich nicht vollständig abbauen und damit Natur, Lebensmitteln und Menschen nachhaltig Schaden zuführen. Wenn man hört, wo überall Glyphosat-Rückstände gefunden werden, ist es höchste Zeit zu handeln“, warnt MVS-Geschäftsführer Jakob Niedermaier. Über die Zeit, in der seine Milchlieferanten sich umstellen sollten, sagt er: „Das hat recht gut geklappt, wenn unsere Entscheidung auch von Region zu Region unterschiedlich aufgenommen wurde.“ Letztlich sei jeder mitgezogen, „am schnellsten die südbayerischen Betriebe“, kein Lieferant sei wegen des Verbots von Glyphosat aus dem Vertrag mit MVS ausgestiegen.
Von unserer Zeitung nach einer Stellungnahme zum Thema befragt, reagierten die Molkereien im Verbreitungsgebiet verhalten, gaben zum Teil keine Stellungnahme ab. Die Meggle GmbH aus Wasserburg etwa will „strategische Entscheidungen von Mitbewerbern grundsätzlich nicht kommentieren.“ Alpenhain-Geschäftsführer Stefan Kost gab an: „Wir verfolgen die Diskussion zu Glyphosat sehr aufmerksam. Wir sind aber der Meinung, dass es aufgrund aktuell unterschiedlicher Bewertungen auch auf Bundes- und EU-Ebene derzeit zu früh ist, hier eine finale Aussage zu treffen.“ Jens Fischer, Sprecher der Privatmolkerei Bauer in Wasserburg gab zu verstehen, dass der Einsatz von Glyphosat bei den eigenen Milchlieferanten „nur in begründeten Ausnahmefällen“ stattfinde. Die aktuelle Diskussion sei aber eine Grundlage, um den Umgang mit diesem Thema zu überprüfen.