Vermögensnachfolge

„Eine Stiftung zu gründen, macht Sinn“

von Redaktion

Ehemalige Unternehmer können ihr Vermögen in eine Stiftung fließen lassen und damit ihr Lebenswerk erhalten

Rosenheim – Die Nachfolge des Familienunternehmens ist geregelt, der Betrieb wurde verkauft: Was tun mit dem Verkaufserlös? Davon leben im Alter oder anlegen und danach vererben? Auch ein Vermögen braucht eine Nachfolgeregelung. „Genauso wichtig wie die Planung der Unternehmensübergabe ist die langfristige Sicherung des Kapitals aus dieser Übergabe“, bekräftigt Heinrich Mayer, Leiter des Private Banking-Bereichs der Hypovereinsbank Rosenheim. Viele Firmenkunden, die sein Kollege Thomas Kaiser im Geschäftskundenbereich betreut, berät er wiederum in Fragen der Vermögensnachfolge. Mayer nennt Zahlen, die durchaus schwindelerregend sind: 3,1 Billionen Euro werden in Deutschland von 2015 bis 2024 voraussichtlich im Zuge von Unternehmensübernahmen vererbt. Das Erbschaftsvolumen setzt sich dabei vor allem aus Geld- und Immobilienvolumen zusammen. „Aber nur drei Prozent aller Erbfälle sind einwandfrei geregelt.“ Das stelle er auch in der Praxis fest, die Region Oberbayern Süd sei im deutschlandweiten Vergleich keine Ausnahme. Während manche ehemaligen Unternehmer im Alter zum Investor werden und sich mit ihrem Kapital an anderen Firmen beteiligen, wollen andere mit ihrem Vermögen einen gesellschaftlichen Nutzen erbringen. Eine Stiftung zu gründen, die durch soziales und gesellschaftliches Engagement tatkräftig wirkt, biete sich laut Mayer zum Beispiel dann an, wenn aus dem Verkauf eines Unternehmens ein Erlös zustande kommt, der die Millionen-Marke erreicht oder überschreitet. Eine Summe von beispielsweise 300000 Euro könne man auch als „Zustiftung“ in eine bereits bestehende Stiftung fließen lassen. „Eine Stiftung selbst zu gründen, wenn die Voraussetzungen passen, macht Sinn“, erzählt Heinrich Mayer, „es ist für viele Unternehmer eine nachhaltige Lösung und das Privatvermögen bleibt erhalten.“ Unternehmer könnten damit gesellschaftliche Verantwortung übernehmen; viele täten dies ja auch schon während ihrer aktiven Zeit in der Geschäftsführung. In sechs Prozent aller deutschen Erbfälle geht das Vermögen bereits an eine gemeinnützige Organisation und die Zahl rechtskräftiger Stiftungen steigt seit Jahren kontinuierlich an, wie die Statistik zeigt: Waren es 2001 noch 10 503 Stiftungen in Deutschland, sind es 2016 bereits 21806 (Quelle: Handelsblatt 80/2017). Mit ihrem Stiftungsmanagement betreut die Hypovereinsbank laut eigener Aussage mehr als 2000 selbstständige Stiftungen in Deutschland. „Die Kernaufgabe im Stiftungsmanagement ist es, für eine langfristig wirtschaftlich gesunde Basis von Stiftungen zu sorgen“, erklärt Mayer, dazu gehöre ein strategisches Finanz- und Vermögensmanagement, „gerade in Zeiten des Niedrigzinsumfelds“. sen

Thema Stiftung

Bei einer Stiftungsgründung kann die Bank beratend zur Seite stehen, aber etwa auch der Bundesverband deutscher Stiftungen oder die Caritas geben Tipps. Nicht immer sind Millionen von Euros nötig - im Prinzip kann jeder Stifter werden, solange er 18 Jahre alt ist und mindestens 50000 Euro einbringen kann. Ausreichend Stiftungskapital ist notwendig, da die Stiftung nur von den Erträgen leben kann. Sinnvoll ist die Stiftung auch für Unternehmer ohne Erben oder wenn die Erbschaftssteuer einen Betrieb in Liquiditätsprobleme stürzen würde.

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