IHK-umfrage: Konjunktur

Der Boom hält weiter an

von Redaktion

Die Unternehmen in der Region Südost sind so zufrieden wie (fast) noch nie – außer, es geht um Fachkräfte oder den noch unklaren Kurs der Energie- und Klimapolitik in Berlin.

Irene Wagner

Herbert Prost

Wolfgang Janhsen

Rosenheim/Mühldorf/ Traunstein – Auch im vierten Quartal zeigt sich Südostoberbayerns Wirtschaft in Top-Form, wie die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK für München und Oberbayern zeigt. Befragt wurden insgesamt rund 4000 Unternehmen in ganz Bayern. Demnach liegt der Konjunkturindex für die Landkreise Rosenheim, Mühldorf und Traunstein sowie Altötting und Berchtesgadener Land bei 134 Punkten. Nur im Frühjahr lag der Index höher, und zwar um zwei Punkte. Besonders die Geschäftslage bezeichneten die befragten Unternehmen als gut, was 62 Prozent der Befragten entspricht. Unzufrieden ist laut IHK-Konjunkturbericht „fast kein Betrieb“. Das Resümee von Irene Wagner, Sprecherin des IHK-Regionalforums Südost: „Noch nie waren die Betriebe in der Region zufriedener. Es gibt keine Anzeichen, dass sich diese Situation bald ändert.“ Fast jedes fünfte Unternehmen rechnet mit einer weiteren Konjunkturbelebung; dass sich die Lage wieder verschlechtert, glaubten dagegen weniger als zehn Prozent. Die Geschäftserwartungen seien im Saldo zwar von 22 auf zehn Punkte zurückgegangen, das sei jedoch der Jahreszeit geschuldet. Jedes fünfte südostoberbayerische Unternehmen nennt die Grenzkontrollen als Belastung, in ganz Bayern lediglich jedes zehnte. Was die Betriebe wollen: Weiter wachsen. Zumindest jedes vierte Unternehmen plant laut der Umfrage mehr Investitionen; jeder fünfte Betrieb möchte weitere Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.

Geschäftsrisiko

Fachkräftemangel

Hier jedoch liegt für die Betriebe, so zufrieden sie mit ihrer Geschäftslage auch sein mögen, der Hund begraben: Nicht immer gelingt die geplante Stellenbesetzung auch. 47 Prozent der Befragten berichten, dass Arbeitsplätze längerfristig unbesetzt bleiben. Ganze 57 Prozent sehen im Fachkräftemangel sogar ein Geschäftsrisiko. Die schwierige Suche nach geeigneten Mitarbeitern treibt auch die Unternehmen im Kreis Altötting-Mühldorf um: Hier werden rund 40 Prozent der Unternehmen auf längere Sicht ihre offenen Stellen nicht besetzen können – dementsprechend zurückhaltend gehen diese mit Planungen für die Zukunft um, investieren etwa weniger und planen kaum neue Stellen. Diese Problematik trifft große wie kleine Betriebe gleichermaßen, mit einigen wenigen Ausnahmen: „Aktuell trifft uns der Fachkräftemangel nicht akut, da wir mit unseren eigenen Auszubildenden immer wieder Lücken schließen können“, beschreibt Rita Buchner, Personalleiterin bei der Netzsch GmbH aus Waldkraiburg die eigene Situation im Haus. „Aber wir beobachten die Entwicklung trotzdem und beschäftigen uns mit dem Thema.“

Was kommt

in der Energie-

und Klimapolitik?

Was die Mühldorfer Unternehmen laut dem dortigen IHK-Geschäftsstellenleiter Herbert Prost allesamt aufmerksam beobachten, seien die politischen Entwicklungen in Berlin. „Für rund die Hälfte der Unternehmen sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko. Insbesondere der Kurs in der künftigen Energie- und Klimapolitik ist im Raum Mühldorf und Altötting mit seiner starken Chemiebranche von großer Bedeutung. Wir brauchen möglichst schnell Klarheit, damit sich die Unternehmen frühzeitig darauf einstellen können“, so Prost.

Die Zufriedenheit der Unternehmen in Mühldorf und Altötting liegt trotz der Sorgen ob der künftigen Energie- und Klimapolitik auf einem Rekordhoch mit 63 Punkten. Über 60 Prozent der befragten Betriebe bezeichnen ihre Lage als „gut“, so gut wie keines als „schlecht“.

Die Wirtschaft schaue positiv in die Zukunft, berichtet Herbert Prost: „Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Ein Viertel der Unternehmen erwartet in den kommenden zwölf Monaten eine Verbesserung der Geschäftslage, nur sieben Prozent rechnen mit einer Eintrübung“.

Fachkräftemangel: „Manche Firmen tun sich leichter“

Über die Hälfte der befragten Unternehmen sorgt sich laut IHK-Bericht um die Wirtschaftspolitik. „Damit die Betriebe weiter auf der Erfolgswelle bleiben, brauchen wir schnellstmöglich eine handlungsfähige Bundesregierung. Gerade als Grenzregion stehen wir vor ganz besonderen Problemen wie den anhaltenden Einreisekontrollen, die auf Dauer keine Lösung sind“, so Irene Wagner, Sprecherin des IHK Regionalforums Südost.

Wirtschaftspolitik: „Bundesregierung muss handeln“

Jeder vierte Unternehmer plant neue Investitionen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch umgesetzt werden können, weiß IHK-Geschäftsstellenleiter Wolfgang Janhsen aus Rosenheim. Jeder Fünfte würde gerne in neue Mitarbeiter investieren. Hier sei aber oft der Fachkräftemangel eine spürbare Hürde. Wichtig für die Region sei auch ein absehbares Ende der Grenzkontrollen - hier müsse die zukünftige Bundesregierung eine Lösung finden.

Investitionen: „Mangel an Kräften ist große Hürde“

Der Fachkräftemangel betreffe alle Branchen und Berufe, so Mühldorfs IHK-Geschäftsstellenleiter Herbert Prost. Einige wie Gastronomie oder Handwerk seien stärker betroffen. Signifikant: Der Mangel im Facharbeiterbereich in technischen und Produktionsberufen. Firmen mit bekanntem Namen täten sich etwas leichter oder solche, die gut mit Bus oder Bahn erreichbar sind. Diese erreichten auch Azubis unter 18 Jahren gut.

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