Katharina Kniep, Raubling, prüft seit zehn Jahren: „Ich bin selbst Ausbilderin bei Clariant in Bruckmühl und Ausbildung ist für mich einfach Herzenssache. Es ist schön, die Azubis, etwa Chemielaboranten, bis zu ihrer Prüfung zu begleiten.“ Foto sen
Stephan Schöberl, München, seit über zehn Jahren Prüfer: „Es macht viel Spaß, die Prüfungen zu begleiten, vor allem wenn man aus der Praxis kommt. Und in den Ausschüssen selbst entstehen unter den Prüfern Freundschaften.“ Foto sen
Daniela Arlt, Alete, Weiding, prüft seit zehn Jahren: „Für mich ist es besonders schön, wenn ich Umschüler prüfe, die auf dem zweiten Bildungsweg ihre Ausbildung meistern. Mich begeistert ihr Enthusiasmus.“ Foto kob
Goldene Prüfernadel: IHK-Präsident Eberhard Sasse, Christian Schnablinger, Matthias Jonischkeit, Anastasia Misthilger, Annemarie Dahlig, Michael Hell, Franz Xaver Huber, Peter Kast, Wolfgang Schmidhuber, Ingrid Obermeier-Osl (IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende Regionalausschuss Altötting-Mühldorf)
Sandra Klozik, Nitrochemie, Aschau, prüft seit zehn Jahren: „Ein Prüfling hatte sein Berichtsheft vergessen. Er war zu früh dran und hatte Zeit, es daheim zu holen, Unterschriften im Betrieb zu besorgen. Er hat bestanden.“Foto kob
Rosenheim/Mühldorf – „Die Prüfernadel gehört nicht in die Schmuckschatulle“, sagte Dr. Eberhard Sasse, Präsident der IHK für München und Oberbayern in Richtung der ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer, die er kürzlich im Mühldorfer Haberkasten ehrte. Rund 60 Frauen und Männer aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting bekamen die Auszeichnung für zehn oder 20 Jahre Tätigkeit aus seinen Händen und denen von IHK-Vizepräsidentin Ingrid Obermeier-Osl, die auch Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting- Mühldorf ist.
IHK-Präsident Sasse sah die Prüferinnen und Prüfer als wichtigen Teil der dualen Ausbildung in Deutschland, die „weltweit Anerkennung“ erfahren würde. Das Ausbildungssystem und der Mittelstand seien die zwei Seiten einer Goldmedaille. Die Prüferinnen und Prüfer stellten sicher, dass die Ausbildung „mit der beruflichen Praxis verbunden“ bleibe. Die duale Ausbildung sei ein Erfolgsmodell. Sasse bedauerte, dass die duale Ausbildung gegenüber dem Studium an Ansehen eingebüßt habe, nicht den Stellenwert genieße, die sie verdiene.
Anstrengende, hochkonzentrierte Arbeit der Prüfer
Gerade auch für die Region sei es wichtig, dass dort junge Menschen eine Ausbildung machen könnten, betonte der Mühldorfer SPD-Landtagsabgeordnete Günther Knoblauch. Die Aufgabe des Prüfers sei ein Ausdruck der Solidarität – auch von Seiten der Unternehmen, die Mitarbeiter freistellten, damit sie für die IHK prüften. Herbert Prost, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Altötting-Mühldorf, selbst lange Zeit Prüfer, sagte aus Sicht seines Hauses an die Prüferinnen und Prüfer gerichtet: „Ohne Sie könnten wir unseren Bildungsauftrag nicht erfüllen.“ Es sei anstrengend, während eines Prüfungstages durchgehend konzentriert zu bleiben. Michael Hell, der im Namen der Prüferinnen und Prüfer eine Rede hielt, bestätigte, dass es manchmal gar nicht so leicht sei.
Aber er nannte mehrere Gründe, warum es die Sache wert sei. Einer der schönsten seien die leuchtenden Augen der Prüflinge nach bestandener Prüfung. Auch in Rosenheim fand eine groß angelegte Ehrung der freiwilligen Prüfer und Prüferinnen statt. Hier wurden Prüfer aus dem Landkreis Rosenheim und dem Oberland ausgezeichnet. Für 20 Jahre Prüfertätigkeit erhielten im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum 48 von ihnen die goldene IHK-Prüfernadel und 100 die silberne für mindestens zehn Jahre Ehrenamt.
Zehntausende Prüfungen in Aus-
und Fortbildung
In Rosenheim übergab IHK-Regionalausschuss-Vorsitzender Andreas Bensegger zusammen mit IHK-Geschäftsstellenleiter Wolfgang Janhsen die Ehrungen an die Prüfer: „Mit diesem Engagement steht und fällt unser berufliches Bildungssystem. Denn die Prüfer sind es, die ein betriebsnahes Prüfungswesen garantieren und damit einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der Qualität in der beruflichen Bildung leisten“, lobte Bensegger die Anwesenden. Die Arbeit der Prüfungsausschüsse erfolge oft im Verborgenen. Mit den Prüfungen in der Aus- und Fortbildung werde oft nur die IHK assoziiert, und vergessen, dass hinter dieser das große ehrenamtliche Engagement der Prüfer stehe.
Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2016 haben sich knapp 9000 Auszubildende einer Zwischenprüfung unterzogen, der Abschlussprüfung stellen sich rund 24500 junge Erwachsene. Nimmt man noch die fast 11000 Teilnehmer der Fortbildungsprüfungen und die rund 16100 Absolventen der Sach- und Fachkundeprüfungen dazu, dann haben die Mitglieder der IHK-Prüfungsausschüsse insgesamt mehr als 60600 Prüfungen abzunehmen.