Kathrein KG

Sanierer verstärkt die Geschäftsführung

von Redaktion

Stellen hat die Rosenheimer Kathrein-Werke KG in diesem Jahr schon gestrichen. Nun hat die Geschäftsleitung erneut Schritte eingeleitet, um das Unternehmen durch schwierige Zeiten zu manövrieren.

Rosenheim – Es ist eine Mitteilung, die aufhorchen lässt: Am gestrigen Dienstag gab die Kathrein-Werke KG bekannt, dass die Geschäftsleitung ab sofort um Hans-Joachim Ziems als Chief Restructuring Officer (CRO) verstärkt werde. Der 63-jährige Ziems gilt als renommierter Experte für Restrukturierungen und hat als Fachmann für Sanierungsfälle schon zahlreiche Unternehmen durch schwierige Phasen begleitet. Wie steht es um den in Rosenheim beheimateten „Hidden Champion“ Kathrein, wenn die Geschäftsführung feststellt, „dass die umfangreichen Anstrengungen der vergangenen Jahre noch nicht den angestrebten Erfolg gebracht haben“? So zumindest äußerte sich Anton Kathrein, CEO des Unternehmens, gegenüber unserer Zeitung. Man bringe Ziems großes Vertrauen entgegen und wolle mit ihm die Neuausrichtung von Kathrein vorantreiben, so der Geschäftsführer über die Zusammenarbeit mit dem Unternehmensberater aus dem Rheinland.

Restrukturierer aus dem Rheinland

rettete schon viele

Ziems gestaltete einst als Unternehmer selbst aktiv die Entwicklung im Bereich der Unterhaltungselektronik mit, als er Mitte der 1980er-Jahre das Koblenzer Groß- und Einzelhandelsunternehmen Komet gründete und es in wenigen Jahren zu einem bedeutenden Anbieter von Unterhaltungselektronik in Deutschland wachsen ließ. 1996 folgte nach dem Verkauf des Unternehmens die Gründung der Ziems & Partner Unternehmensberatung in Köln. Als Sanierungsexperte übernimmt Ziems seitdem Mandate in der jeweiligen Unternehmensführung und leitet die Restrukturierung von Unternehmen in Krisensituationen. Laut eigener Aussage war Ziems in über 50 Projekten an der erfolgreichen Sanierung maßgeblich beteiligt, darunter bei der Pfleiderer AG und der Kirch Media-Gruppe. Ziems, der nach Informationen unserer Zeitung vier Experten aus seiner Unternehmensberatung mit nach Rosenheim bringt, soll Kathrein nun helfen, aus der Talsohle herauszukommen, in der sich das Unternehmen laut Anton Kathrein „zweifellos“ befindet. Man sei mit „großen Herausforderungen konfrontiert.“ Konkret, so der Geschäftsführer, sieht man sich „einem enormen Marktdruck ausgesetzt, der sich negativ auf die Umsätze auswirkt.“ Darüber hinaus hätten die eigenen Analysen der vergangenen Monate „erhebliche Schwachstellen“ im Prozessmanagement aufgedeckt.„Wir haben bereits darauf reagiert, müssen jedoch feststellen, dass die Maßnahmen nicht schnell genug greifen.“ Die erhoffte Verbesserung der Umsatz- und Kostensituation sei nicht eingetreten. „Der Wettbewerb im Mobilfunkmarkt ist extrem preisgetrieben, das gilt vor allem für den Asien-Pazifik-Raum“, verdeutlichte Kathrein, gefragt nach dem offenbar auf dem Unternehmen lastenden Kostendruck.

„Sanierung wird meist mit Stellenabbau assoziiert.“

Jochen Hafner, IG Metall Rosenheim

Diese Tatsache bekämen jedoch alle Unternehmen zu spüren, die in der Telekommunikationsbranche tätig seien. „Im Rahmen eines internen, interdisziplinären Transformationsprogramms arbeiten wir daran, die Wertschöpfungskette zu optimieren.“ Man müsse die Preispunkte der Kunden noch besser treffen. Nun ist also ein Sanierer an Bord, der einst in einem Interview von sich sagte, er biete seinen Kunden „kein Designersofa“. Bei Jochen Hafner von der IG Metall Rosenheim, der in enger Verbindung zum Betriebsrat bei Kathrein steht und den jüngsten Stellenabbau (wir berichteten) dort begleitete, äußerte sich besorgt: „Beim Stichwort Sanierer läuten bei mir die Alarmglocken – damit assoziiert man meist, dass Stellen gestrichen werden.“ Er berichtet, dass Kathrein-Mitarbeiter gestern über die Veränderungen in der Geschäftsleitung informiert worden seien. Anton Kathrein indes betonte: „Wir haben in der jüngeren Vergangenheit im Zuge der Neuausrichtung bereits unser Profil geschärft und dabei auch Stellen abgebaut. Der Fokus der nächsten Monate liegt woanders: Wir müssen unsere Kostensituation weiter verbessern, indem wir Synergien innerhalb der Gruppe optimal nutzen. Und vor allem gilt es, grundsätzlich an unseren Prozessen zu arbeiten.“ Auch Jochen Hafner hält es im Moment noch für verfrüht, über einen möglichen Stellenabbau zu spekulieren.

Vom Betriebsrat gab es gestern keine Stellungnahme mehr zum Thema. Anton Kathrein gibt sich im Moment zuversichtlich: „Wir spüren aber nach wie vor das Vertrauen unserer Mitarbeiter und der Finanzierungspartner und verzeichnen starkes Interesse der Kunden an unseren Lösungen und Technologien. Wir sind daher sicher, dass wir die Wende schaffen werden.“

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