Egmating/Landkreis Ebersberg – Ziemlich unscheinbar ist er, der Hauptsitz vom Meggle-Gründerpreis-Zweitplatzierten Gepedu. In einer ruhigen Straße in Egmating empfangen die Geschäftsführer Christoph Vogt und Christian Buss in einem Wohnhaus. „Wir brauchen ja nicht viel“, erklärt Unternehmer Buss. Der Großteil des Geschäfts spielt sich im Internet ab.
Die Gepedu entwickelt und vertreibt onlinegestützte Testverfahren zur beruflichen Kompetenzentwicklung. In den Online-Tests der Firma werden die Interessen, Stärken und Schwächen, berufliche Ziele und mehr der Testpersonen abgefragt. Aktuell gibt es 19 Tests für verschiedene Zielgruppen. Die Ergebnisse können zum Beispiel Schülern bei der Berufswahl, Erwachsenen bei der beruflichen Umorientierung oder Führungskräften bei der Entwicklung ihrer Potenziale helfen. Für die Berufsorientierung von Migranten gibt es spezielle Tests, die dabei unterstützen sollen, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diese Tests sind derzeit in acht verschiedenen Sprachen verfügbar. Bei ihrer Erstellung hat die Gepedu mit Übersetzern und Trainern aus der Migrationsarbeit zusammengewirkt, um die verschiedenen Bildungsniveaus sowie kulturelle, sprachliche und gesellschaftliche Unterschiede der Flüchtlinge zu berücksichtigen. Die Zielgruppe der Gepedu sind Bildungsträger und Unternehmen. Aber auch Privatpersonen können die Tests auf der Internetseite durcharbeiten. Sie bekommen eine kostenlose Kurzauswertung mit ihren Ergebnissen. Wer sich in den Ergebnissen wiederfindet und mehr erfahren möchte, kann die umfassende Analyse der Testergebnisse kostenpflichtig anfordern.
Das Konzept der Firma ist gefragt. Seit der Gründung im Jahr 2012 hat sich der Umsatz jedes Jahr in etwa verdoppelt. Inzwischen ergänzen drei Mitarbeiter im Vertrieb das Team. Die Entwicklung der Tests und die Programmierung der Angebote liegen weiterhin in den Händen der Geschäftsführer.
Zielgruppe Migranten war einst ein Risiko
„Wir haben von Anfang an daran geglaubt“, sagt Christoph Vogt. Die Diplom-Psychologen sind beide affin mit Computer-Programmierung. Sie waren schon früher im Bereich Testentwicklung tätig, sahen sich aber in ihrer Kreativität zu stark eingeschränkt. Irgendwann haben sie sich gedacht: „Das können wir doch selber viel besser“, erzählt Buss. Also wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit.
„Die erste Zeit war mühsam“, erinnert sich Buss. Kunden zu gewinnen sei anfangs nicht einfach gewesen. Zunächst haben beide nebenher noch anderweitig gearbeitet. Man habe teils vom Ersparten gelebt. Immerhin gab es keine großen Investitionskosten, so dass man ohne Kredit auskam. Ein Risiko waren allerdings die Programme für Migranten. Doch dann stellte sich genau dieses Produkt als Türöffner heraus. Während andere Mitanbieter noch zögerten, konnte Gepedu ein fertiges Angebot liefern. Damit habe man viele Bildungsträger als Kunden gewinnen können. „Wir haben das nur mit Fleiß aufgebaut“, sagt Vogt heute nicht ohne Stolz. Dies ist einer der Gründe, warum das Unternehmen beim Meggle-Gründerpreis den zweiten Platz belegte. Gelobt wurde von der Jury die hohe Innovationskraft, die Schnelligkeit und Flexibilität der Produkte, die Verbindung von Digitalisierung und sozialem Interesse. 15000 Euro gab es als Preisgeld. „Uns ging es in erster Linie darum, bekannter zu werden“, erklärt Vogt die Entscheidung, beim Meggle-Gründerpreis mitzumachen. Aufmerksam sei er auf den Wettbewerb anhand einer Anzeige in der Süddeutschen Zeitung geworden. Dass man den zweiten Platz belegen würde, damit habe man nicht gerechnet. „Wir haben uns total gefreut“, so Buss.
Firmen mit Azubis zusammenbringen
Das Preisgeld werde in die Firma investiert. Aktuell wird überlegt, welche weiteren Sprachen für die Migranten-Berufstests angeboten werden sollten. Ein größeres Projekt ist für das nächste Jahr geplant. Beim „Azubi-Matching“ sollen Schüler aus Abschlussklassen mit Unternehmen in Kontakt gebracht werden.
Der Ansatz: Die Firmen haben das Budget und benötigen dringend Azubis – die Schüler stehen vor der Berufswahl. Mit einem Pool an Unternehmen könnten die Kosten für die Tests getragen werden, welche die Schüler dann ihrem Berufswunsch näher bringen. Passt die Eignung zu einem der mitwirkenden Unternehmen, gibt es bei der Ergebnis-Auswertung einen Hinweis mit Kontakt zur Personalabteilung.
„Wir wollen weiter expandieren“, ist für Christoph Vogt und Christian Buss das klare Ziel. Im letzten Jahr hatte man mit 19 verschiedenen Tests 17000 Anwender. Bald wollen die beiden einen Mitarbeiter fürs Büro einstellen: „Dann brauchen wir auch bald einmal ein richtiges Büro“, sagen sie lachend.