München/Rosenheim – Sie erforschen, wie Menschen arbeiten und auf welche Weise sie dabei am besten unterstützt werden können: Die Mitarbeiter der Steelcase AG, welche 1998 aus der Übernahme der Rosenheimer Werndl Büromöbel AG entstanden ist. Seit November haben 240 von ihnen nun mit dem „Steelcase Learning & Innovation Center“ in München selbst einen Ort, an dem sie dieser Mission nachgehen können. Steelcase ist nach wie vor in Rosenheim angesiedelt, hier arbeiten insgesamt 420 Mitarbeiter: Etwa die Hälfte davon im Werk, die anderen in der Werkverwaltung oder in werksnahen Abteilungen. Das neue Center in München kann man sich vorstellen wie einen „Think Tank“, hier wird an Ideen gearbeitet, die den Entwicklern bei Steelcase helfen, Büroeinrichtungen und Raumlösungen zu schaffen, die den Nerv der Zeit treffen, oder noch besser, das Arbeiten der Zukunft mitgestalten.
Bislang waren die Abteilungen Produktentwicklung, Verkauf, Finanzen, Kommunikation, IT, Marketing oder Personal in Rosenheim angesiedelt, diese arbeiten nun größtenteils in München. Rund drei Jahre lang hat Steelcase an dem Gebäude in der Briennerstraße in München gefeilt – heute erwarten diejenigen Mitarbeiter, die sich für einen Wechsel ihres Arbeitsplatzes in die Landeshauptstadt entschieden haben, knapp 11000 Quadratmeter „Arbeitsfläche“ auf sieben Stockwerken. Amerikanisches Walnussholz, Eiche, Glas, Beton, lackierter Stahl, Edelstahl, Kupfer, Lavastein: Mit edlen und ungewöhnlichen Materialien wurde nicht gerade gegeizt. Mehrere zehn Millionen Euro hat die AG in das Projekt gesteckt, mehr wird nicht verraten. Was die Entscheider bei Steelcase eine Weile in Atem gehalten hatte, war die Frage, wie die Rosenheimer Mitarbeiter das Ganze aufnehmen würden, schließlich sollten gleich mehrere Abteilungen umziehen. Stephan Derr, Vorstand der Steelcase AG und einer der beiden Leiter des Münchener Centers: „Es war uns wichtig, dass uns möglichst viele Mitarbeiter begleiten und ihr Wissen hier weiter einbringen.“
Nie am selben Platz arbeiten
Tatsächlich seien dann fast alle mitgegangen. Rund 100 Rosenheimer sind das. Für die Münchener Belegschaft ist der alte Sitz noch nah genug, und da die meisten von ihnen nach wie vor in der Region Rosenheim wohnen, war die Möglichkeit zu Pendeln wichtig.
Cornelia Schmalzl aus der Abteilung „Business Partner HR“– einer Schnittstelle zwischen Unternehmensführung und Personal – ist ein Beispiel dafür. Sie wohnt in Bad Aibling und entschied sich für das „LINC“, wie die Kollegen das Center nennen. Schmalzl fährt nun unter der Woche mit dem Zug nach München. „Natürlich gibt es einen schöneren Zeitvertreib als tägliches Pendeln“, gibt sie zu. „Aber die Atmosphäre im Learning & Innovation Center entschädigt definitiv für den weiteren Arbeitsweg.“
Sie schwärmt davon, dass sie dort an wechselnden Plätzen arbeiten könne: „Je nachdem, ob ich mich konzentrieren muss, mit Kollegen austauschen will oder einfach mal einen Augenblick entspannen möchte.“ Aus Hohenofen bei Rosenheim pendelt auch Martin Knobel, Referent der Unternehmenskommunikation.
Er erzählt von den unterschiedlichen Berufen, die interdisziplinär im „LINC“ zusammenarbeiten würden: Ingenieure, Architekten, Psychologen und Anthropologen etwa: „So gelingt es uns, erkenntnisbasiert und nutzerzentriert zu denken.“
Es gibt keine klassische Chefetage
Das Center ist kein Bürokomplex im herkömmlichen Sinne, sondern verfügt über offene, helle Räume.
Die Führungskräfte schotten sich bewusst nicht von den Mitarbeitern ab, beschreibt Stephan Derr, sondern arbeiten selbst in einem „hochfrequentierten Bereich, in dem sich Kollegen kontinuierlich über den Weg laufen“. Im „WorkCafé“ trifft man sich zum Essen und Ratschen, es gibt Lernräume und Workshops, auch für Kunden.
Digitale Vernetzung spielt eine große Rolle: „Die Mitarbeiter können jederzeit auf cloudbasierte Technologien zugreifen, um sich auszutauschen und sie können Videokonferenzen mit den Kollegen im Ausland führen.“ Die befänden sich etwa in den USA am Gründungssitz des Unternehmens, oder verteilt in Europa, Nahost und Afrika.