Interview Grimmeisen Licht

„Ich liebe magische Elemente“

von Redaktion

Design hat er nie studiert, trotzdem sind die Lichtobjekte, die Gerhard Grimmeisen entwirft, preisgekrönt. Ein Gespräch über Gestaltung, Inspirationsquellen und die Liebe zu Ästhetik und Technik.

Im Leuchten-Showroom in Wasserburg. Foto re

Sie sind Design-Autodidakt. Trotzdem sind Ihre Leuchten mehrfach prämiert, eben erst für 2018 mit dem German Design Award. Sind Sie ein Naturtalent?

Ich habe einfach schon immer eine Leidenschaft für Design. Meine erste eigene Wohnung habe ich zum Beispiel mit selbst gemachten Möbeln eingerichtet. Ich habe diese Fähigkeit neben meinem früheren Beruf als Feinmechaniker weiterentwickelt und meinen Drang ausgelebt, Dinge zu gestalten.

Das wollen momentan viele Menschen, hat man den Eindruck. Da sind die vielen Einrichtungs-Zeitschriften, Tausende von Design-Videos im Internet … warum ist der eine mit seinen Ideen erfolgreich, der andere nicht?

Man muss es schaffen, die Vorstellung vom Kopf in die Realität zu bringen. Das ist für mich der wichtigste Schritt. Viele Menschen haben Ideen, aber bei vielen bleiben diese im Verborgenen. Man muss zum Beispiel auch bereit sein, lange Jahre der Enttäuschung zu überstehen, in denen man sich auch mal das Knie aufschlägt. Bei mir war das nicht anders, ich hatte eine Familie zu ernähren. Aber ich habe immer an meine Visionen und Ideen geglaubt.

Sie haben mit Möbeln begonnen und betreiben heute eine Leuchten-Manufaktur. Wie sind Sie beim Thema Licht gelandet?

In einem Kuhstall habe ich angefangen mit der Gestaltung von Möbeln, aber ich habe auch schon früh Leuchtobjekte hergestellt. Die Faszination von Licht kam nach und nach, weil ich gemerkt habe, dass man damit eine große Wirkung erzielen kann. Mit dem Thema Leuchten und Licht kann ich meine zweite Leidenschaft, Technik und Mechanik, ausleben. Das zeigt sich mittlerweile in kleinen Raffinessen wie etwa an den Magneten, die in einigen unserer Leuchten zum Einsatz kommen, um die Komponenten zusammenhalten. Mich faszinieren solche ,inneren‘, technischen Werte, die Funktion hinter dem Design. Ich nenne das ,magische‘ Elemente.

Als Laie denkt man bei Design eher an Ästhetik oder Haptik, aber weniger an Technik. Was bedeutet das in der Praxis für Ihre Manufaktur?

Die Technik dahinter macht die Objekte anspruchsvoller. Auch ihre Entwicklung. Sie wird zeitintensiver und kostspieliger, es braucht ein ganzes Team dafür, engagierte Lieferanten. Denn eine intelligente Leuchte bedarf der Erklärung, Kunden müssen mehr begleitet und informiert werden. Wir haben etwa eine Leuchte entwickelt, die extrem flach ist und die das Licht im Tagesverlauf nachahmen kann. Die Steuerung erfolgt über eine Geste, dafür und für die Sensorik haben wir externe Fachleute engagiert und uns mit wissenschaftlichen Untersuchungen zur Auswirkung von Tageslicht auf die Gesundheit befasst.

Wie schwierig ist es, sich einen Namen in der Designwelt zu machen?

Leicht war es nicht, man muss geduldig sein, darf nicht aufgeben, muss immer weiter Produkte entwickeln. Im Designbereich ist es wichtig, viele Leute und Unternehmen zu kennen. Am Anfang kannte in der Leuchtenbranche freilich niemand den Namen Grimmeisen, was jetzt auch durch die Auszeichnungen anders ist.

Wie bleibt die Kreativität im Fluss, wenn man erst als Existenzgründer, dann als Unternehmer sich auch um vieles andere kümmern muss?

Wenn ich in der Firma bin, kann ich tatsächlich nicht gut parallel kreativ sein und entwickeln. Das geschieht dann eher am Wochenende zu Hause, dafür brauche ich Ruhe. Ich bin nicht der Typ, der abends fernsieht, sondern bin zu dieser späteren Zeit am Tag eher empfänglich für neue Ideen. Die tauchen oft spontan auf. Ich skizziere dann erst mal etwas, fertige einfache Zeichnungen an. Zu gegebener Zeit ziehe ich diese wieder hervor und schaue, ob man da etwas draus machen kann. Manchmal stehe ich auch nachts auf und zeichne. Ob die Idee es wert ist, ihr weiter nachzugehen, sehe ich meistens erst später.

Wer oder was inspiriert Sie? Haben Sie Vorbilder?

Für mich als technisch interessierter Mensch sind es zum Beispiel Details aus dem Automobildesign, der Unterhaltungselektronik oder Hausgeräte, die mich inspirieren. Ich bin vor meinem iMac gesessen, dessen Bildschirm extrem flach ist, und dann hat mich auf einmal diese matt-silberne Leiste unter dem Bildschirm inspiriert. Ich habe mir vorgestellt, wie es aussehen würde, wenn man die Leiste spiegelt. Daraus habe ich schließlich den dünnen Aluminium-Rahmen für unsere großflächige „Onyxx“-Leuchte entwickelt. Vom Apple-Chefdesigner Jonathan Ive heißt es übrigens, ihn hätten 40 Jahre alte Geräte der Firma Braun auf Ideen gebracht – das finde ich spannend, wenn altes Design neu interpretiert wird. Für mich ist das die Kunst der Kreativität: verschiedene Details neu zusammenzuführen. Von inspirierender Technik einmal abgesehen, bin ich auch viel in der Natur, die für mich ebenso Anregung bietet.

Wie geht es weiter mit Grimmeisen Licht?

Als Manufaktur sind wir flexibler als die großen Hersteller, können schneller Neues entwickeln. Geplant ist zum Beispiel eine runde Grimmeisen-Leuchte, mit der wir neue Zielgruppen ansprechen wollen. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht zu schnell wachsen, damit die Qualität nicht zu kurz kommt. Im Jahr 2018 wird bei uns der Onlinehandel eine große Rolle spielen, wir werden auf Messen präsent sein.

Ist Designen auch eine Frage des Alters?

Na, ich hoffe doch, dass ich mit 80 noch kreativ bin und Leuchten entwickle.

Über Grimmeisen Licht

Anfang der 1990er-Jahre betreibt Gerhard Grimmeisen eine kleine Designwerkstatt und einen Leuchtenfachhandel. 1999 macht er sich als Designer und Hersteller in einem Loft in Wasserburg selbstständig. Die erste Leuchtenkollektion in Kleinserien entsteht und wird in Deutschland und der Schweiz vertrieben; 2002 folgt die Teilnahme an der internationalen Messe „Light & Building“. Weitere Leuchtenserien werden europaweit vertrieben. 2007 folgt die Gründung der Grimmeisen Licht GmbH in Wasserburg, heute arbeiten für sie neun Mitarbeiter. Hier angesiedelt sind
Ideenfindung, Design, Produktentwicklung, Endmontage, Logistik, Lichtplanung und Vertrieb. Ein Schwerpunkt liegt auf der LED-Technologie. Viele Partner- und Zulieferbetriebe kommen aus der Region. Grimmeisen wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2014 mit dem
Meggle-Gründerpreis sowie mit dem „German Design Award“.

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