Spirituosen an den Festtagen

Manche mögen‘s mollig

von Redaktion

Sprudelnd oder nicht sprudelnd anstoßen, das ist hier die Frage. Was machen Weinliebhaber zu Silvester und was kommt in der Region momentan am liebsten ins Glas? Weinkenner und Spirituosen-Experten lassen die OVB-Heimatzeitungen hinein schauen. Nicht zu tief, versteht sich.

Rosenheim/Mühldorf – Heidi Rothbucher ist kurz angebunden: Das Wein-Geschäft brummt dieser Tage, die Kunden wollen gut versorgt sein mit köstlichen Tropfen. Die Inhaberin der Stephanskirchener Weinhandlung „Da Vinci“ lässt die Kundschaft trotzdem einen Moment warten und klärt auf: Sekt sei zu Silvester eigentlich „kein großes Thema mehr“. Wie bitte? „Dann schon eher entweder ein hervorragender Champagner oder etwas Erfrischendes, etwa ein Frizzante.“

Frizzante, italienischer Perlwein, ist nicht zu verwechseln mit einem Spumante: Frizzante schäumt weniger stark, besitzt weniger Kohlensäuredruck und wird meist durch eine zweite Gärung im Tank erzeugt, was der Fachmann „Méthode charmat“ nennt. Wie beim Spumante darf der Frizzante durch künstliche Zugabe von Kohlensäure erzeugt werden. Das muss aber auf dem Etikett ausgewiesen sein mit Hinweisen wie „Gassificato“ oder „Vino addizionato di andride carbonica“.

Ein Frizzantino enthält noch weniger Kohlensäure als ein Frizzante. So viel zur Theorie. Was machen Weinlieber an Silvester, die nicht mit Durchsichtigem anstoßen möchten? Schon zu Weihnachten, sagt Rothbucher, seien intensive Rotweine wie „Amarone“, aus getrockneten Trauben hergestellt, oder der „Ripasso“ sehr gefragt gewesen. „Das sind sehr hochwertige Weine, die gern zu Feierlichkeiten getrunken werden“, weiß Rothbucher. Etwas teurer seien sie daher auch.

Weine: Lieber aus der Region als aus Übersee

Dass zum Fest gerne mal etwas mehr für die Flasche Wein ausgegeben wird, bestätigt Klaus Wellnhofer von den Vereinigten Weinkellereien aus Heufeld. Wobei „teuer“ für den Weintrinker ein relativer Begriff ist: Wer normalerweise Weine für rund fünf Euro kaufe, der gebe für Feiertags-Weine gern mal das Doppelte aus, ist die Erfahrung von Wellnhofer. Sagt der Preis denn etwas über die Qualität des Weins aus? „Jein“ ist die Antwort des Experten. Zum Teil hänge der Preis auch vom guten Namen des Winzers ab, und dieser sei wiederum denjenigen Kunden etwas wert, die eben gern eine Flasche mit bekannter Marke kredenzt. „Wer in dieser Beziehung offener ist und dem nicht so wichtig ist, was auf dem Etikett steht, ist oft überrascht, dass man gute Qualität auch für weniger Geld bekommen kann.“

Stark gefragt seien bei den Vereinigten Weinkellereien regionale Tropfen – „vor allem Weißweine“ – wobei „Region“ bei einem Wein heißen könne, dass er aus Deutschland, Österreich und sogar aus Italien kommen dürfe. Im Gegensatz dazu stünden Übersee-Weine im Moment nicht so hoch im Kurs. Teils zu Recht, meint Wellnhofer: „Gerade die Deutschen produzieren wirklich tolle Weine.“ Wer an Silvester beim Wein bleiben möchte, dem empfiehlt er Weißburgunder: „Das ist der ideale, frisch schmeckende Ersatz für Sekt und kann auch für sich genossen werden, nicht nur zum Essen.“ Alternativ könne es auch ein Riesling oder ein trockener Grüner Veltliner sein.

Festtagsgesellschaft besser erfrischen

Dessertwein, so erfährt man weiter, erlebe gerade wieder ein kleines Comeback, nachdem er eine Zeitlang nicht so beliebt war: „Er wird wieder vermehrt nachgefragt, bleibt aber ein schwieriges Thema, weil man damit auch recht unterschiedliche Erfahrungen machen kann“, drückt sich Wellnhofer vorsichtig aus. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Dessertweine – eigentlich nur ein Sammelbegriff – vollmundig und meist von schwerer Süße sind, sprich: Geschmackssache. „Nach einem eher leichten Festtagsessen kann man schon einen Dessertwein ausschenken. Nach traditioneller Hausmannskost, zu der vielleicht schon ein Rotwein getrunken wurde, empfiehlt sich allenfalls ein Gläschen Sekt, der belebt eher.“ Es gebe schließlich kaum Schlimmeres, als eine müde Festtagsgesellschaft.

Oder eine, die der Alkohol schon in leichte Schräglage versetzt hat. Wer das vermeiden möchte, der solle darauf hören – und trinken – was die Damen bevorzugten, glaubt man Andreas Aß, Inhaber der Wasserburger „Markthallen“. Seine Kundschaft bestehe zu einem Großteil aus Frauen, und die bestimmten dann auch, was an Festtagen und gerade an Silvester ins Glas komme. Das hätten im Übrigen auch schon die Winzer erkannt: „Gerade in Italien sind immer mehr Frauen die Chefinnen über die Weinkeller. Sie wissen, wie sie sich die Damenwelt als Zielgruppe mit ihrem absoluten Geschmack erschließen.“ Ein 2017 besonders beliebter Rotwein sei ein „Doppio Passo Primitivo“ aus Sizilien gewesen. Wenn man einen Anspruch an einen Rotwein stellen könne, so Aß, dann, dass er „gemeinsam getrunken werden kann.“ Will heißen: Nicht zu trocken, nicht zu süß; nicht zu vollmundig, aber dennoch tiefgründig genug. „Am besten ein Wein, der leicht trocken ist, trotzdem mit warmer, molliger Note.“

Die Französinnen müssen es wissen

Mollig-warm? Unbedingt, bekräftigt er. „Das trinken auch die Männer gern.“ Denjenigen Herren der Schöpfung, die es nicht so mit dem Wein hätten, aber auch den Frauen, kämen die vielen, hochwertigen Craft-Biere aus kleinen Brauereien der Region entgegen: „Hier gibt es eine unglaubliche Vielfalt und die Biere kommen nicht von weit her, sondern aus Truchtlaching, Dorfen oder Schnaitsee“, schwärmt Aß. Aber, Hand aufs Herz: Mit Bier stößt man doch nicht zu Silvester an. Ist Sekt wirklich so altmodisch? Von wegen, ruft Aß aus, finde er gar nicht. Er empfiehlt einen Cavasol aus Spanien, oder einen Cremant de Loire: „feine Perlung, erinnert an grünen Apfel“. Das sähen auch seine Kundinnen so, unterstreicht der Feinkosthändler. „Und darunter sind einige Französinnen, die müssen es ja wissen.“

Wein auf Bier?

Sie lauten „Bier auf Wein, das lass´ sein“ oder „Wein auf Bier, das rat´ ich dir“: Weltweit kennt man solche Weisheiten. An der TU München, glaubt man beispielsweise, dass etwa an der Trinkfolge „Erst Bier, dann Wein“ etwas dran ist: Bier mit seiner geringeren Alkoholmenge als Wein würde demnach den Magen auf den hochprozentigeren Wein vorbereiten. Der Alkohol würde dadurch langsamer in den Blutkreislauf übergehen.

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