Rosenheim/Kolbermoor/ Waldkraiburg –Schmissige Musik auf Zuruf, wenn die Hausarbeit öde ist. Die Markise, die sich von selbst einfährt, wenn es draußen zu regnen beginnt. Der Fernseher, der sich pünktlich zur Lieblingssendung alleine einschaltet und das noch in unserer favorisierten Lautstärke: Alles Beispiele aus dem Alltag im „Smart Home“, im Zuhause, in dem sich vernetzte Elektrogeräte per Sprache oder einem Fingertipp auf dem Smartphone bedienen lassen.
Bisher mussten die Endverbraucher dazu meist auf ihrem mobilen Endgerät, etwa dem Handy oder dem Tablet, eine App öffnen und die entsprechende Funktion anwählen, wenn sie zum Beispiel Licht oder Raumtemperatur steuern wollten. Mittlerweile sorgen intelligente Lautsprecher wie Amazon Echo, Google Home oder Siri von Apple per Sprachsteuerung dafür, die Wünsche ihrer Besitzer umzusetzen.
Für den stationären Elektrofachhandel in der Region ist das Thema Smart Home eine neue Herausforderung: Zum einen ist da der hohe Erklärungsbedarf, den die Kundschaft mitbringt, wie eine kurze Umfrage der OVB-Heimatzeitungen unter regionalen Händlern gezeigt hat; zum anderen ist da die teilweise Konkurrenz durch die Hersteller selbst: Den intelligenten Lautsprecher kauften die Kunden eben meist gleich direkt bei Amazon & Co., gibt Günter Zeiller zu bedenken. Der Geschäftsführer des Elektrofachmarkts Expert, Zeiller aus Waldkraiburg, ist zwar überzeugt, dass Smart Home in den nächsten Jahren stärker nachgefragt sein wird, momentan sei das Kaufinteresse der Kunden im Fachhandel vor Ort verhalten: „Wir haben durchaus smarte Elektrogeräte im Sortiment und technikaffine Kunden fragen auch gezielt danach. Die Mehrheit lässt sich diese Geräte gern zeigen, entscheidet sich aber dann für die klassische Alternative.“ Das bestätigt auch Hans Winhart von Danküchen aus Kolbermoor: „Siemens zum Beispiel bietet vernetzte Hausgeräte an, aber wir stellen keine besonders große Nachfrage fest.“ Da sein Küchenstudio auch Kunden im Großraum München beliefert, kann er das Kundeninteresse in der Großstadt und auf dem Land vergleichen und sieht keinen Unterschied. Die sprachgesteuerte Waschmaschine oder der Kühlschrank mit Kamera und WLAN-Funktion zögen beim Kauf momentan meist den Kürzeren zugunsten der wie gewohnt zu bedienenden Geräte. Es liege wohl zum Teil daran, dass der Kunde nicht sofort den Zusatznutzen des intelligent gesteuerten Haushaltsgerätes erkennen kann.
Als zu kompliziert schätzen seiner Erfahrung nach viele Kunden die Installation und Bedienung zu Hause ein, erklärt sich Zeiller wiederum das geringe Kaufinteresse der Kunden: „Sie wollen ein Gerät bezahlen, mitnehmen und es gleich nutzen können. Wenn sie zur Installation einen Experten brauchen, sind sie schon abgeschreckt.“
Den Kaufpreis smarter Produkte dagegen sieht er nicht als Hemmnis: „Die Leute wären bereit, das Geld auszugeben“, glaubt Zeiller. Rund 20 Prozent mehr als ein normaler koste etwa ein intelligenter Kühlschrank. „Vor ein paar Jahren ging es noch um ganz andere Summen.“
Kunden aus der Region sind noch skeptisch
Immer wieder stehe auch die Frage im Raum, wie sicher die vernetzten Geräte seien: „Ich höre immer wieder, dass die Angst besteht, jemand Fremdes könnte Zugriff auf das Privatleben erhalten.“
Ein anderes Problem sieht Zeiller in den verschiedenen Plattformen der Hersteller: Ob Siemens, Bosch oder Liebherr, um einige von ihnen zu nennen, ihre Geräte müssten mit verschiedenen Systemen gesteuert werden, was für den Verbraucher aufwendig sei. Kauft ein Nutzer das Smart-Home-System eines Anbieters, kann er in der Regel nur dessen Funktionen nutzen. „In den kommenden Jahren wird sich aber der Wunsch des Verbrauchers durchsetzen, dass im Haushalt alle intelligenten Geräte miteinander kompatibel sind.“ Zeiller selbst nutzt intelligente Geräte nach eigener Aussage selektiv: „Ich habe einen smarten Trockner und einen steuerbaren Kühlschrank, das reicht mir.“