Warnstreiks in der Region

Unternehmen bleiben hart

von Redaktion

Viele Hundert Arbeitnehmer aus der regionalen Metall- und Elektrobranche haben diese Woche vorübergehend ihre Arbeit niedergelegt. Die Arbeitgeber zeigen sich reserviert.

Rosenheim/Traunreut/Tacherting – Nach dem Scheitern der jüngsten, dritten Verhandlungsrunde in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie zwischen dem vbm (Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie) und der IG Metall äußerte sich vbm Verhandlungsführerin Angelique Renkhoff-Mücke dazu: Die IG Metall zeige leider keine Kompromissbereitschaft bei dem von ihr geforderten Teilentgeltausgleich für bestimmte Beschäftigtengruppen im Falle einer Arbeitszeitabsenkung. „Die Verhandlungen in Bayern haben keine Fortschritte beim Thema Arbeitszeit gebracht, die Frage einer Entgelterhöhung ist nach wie vor offen.“ So wollen die Arbeitgeber unter anderem bewirken, dass bei einer Arbeitszeitverkürzung im Gegenzug auch das Arbeitszeitvolumen erhöht werden könne.

Diejenigen Arbeitnehmer, die sich an den Warnstreiks in der Region beteiligten, sind offenbar zu großen Teilen gerade an der Aussicht auf eine zeitweise Arbeitszeitverkürzung interessiert. „Für viele unserer Kollegen wäre das eine Entlastung. Es gibt bei uns auch interne Regelungen, Arbeitszeit zu verkürzen, allerdings ohne Zuschüsse“, erzählt ein Mitarbeiter vom Linde Engineering Werk Schalchen in Tacherting. „Für die unteren Lohngruppen wäre auch ein finanzieller Ausgleich bei der Stundenreduktion wünschenswert.“ Bei Linde streikten am Donnerstag rund 250 Beschäftigte; knapp 700 Arbeitnehmer sind im Werk Schalchen tätig. Wären die Witterungsbedingungen besser gewesen, so der Linde-Mitarbeiter, es seien bestimmt noch mehr Kollegen vors Werkstor marschiert. Weitere Aktionen plant man in Tacherting derzeit nicht, wie es heißt. Von Seiten des Unternehmens hieß es am Freitag gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, dass man die Aktion in Tacherting nicht kommentieren wolle.

Im Nachbarlandkreis Traunstein beteiligten sich mehrere Hundert Beschäftigte von BSH Hausgeräte in Traunreut an Warnstreiks. Zum einen streikte ein Teil der Belegschaft am Dienstag mit einem Ausstand und Kundgebung vor dem Werkstor; ein weiterer Teil bestreikte die Nachtschicht.

Auch die aktiven Metaller der Rosenheimer Kathrein- Werke haben die Veranstaltungen zur Tarifrunde als Warnstreik genutzt (wir berichteten) und hatten sich zu zwei Solidaritätsaktionen in den jeweiligen Werken entschieden. Unabhängig von der Situation in der Firma Kathrein, wie betont wurde. Denn der Konzern befindet bekanntermaßen sich in einem Restrukturierungsprozess. „Die Solidaritätsaktionen haben den Vorteil, in einem offenen Dialog mit den Kolleginnen und Kollegen die Tarifthemen zu diskutieren“, äußerte sich eine Mitarbeiterin.

Profitieren Betriebe von verkürzten Arbeitszeiten?

Christian Nass, Geschäftsführer der IG Metall Rosenheim und sein Kollege Jochen Hafner betonen, es ginge den Gewerkschaftlern nicht um eine 28-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich; es sei klar, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit mit weniger Entgeld einherginge. Sie wollen vor allem in den Vordergrund rücken, dass die reduzierten Stunden nur bei denjenigen finanziell ausgeglichen werden sollen, die zuhause Kinder oder Pflegebedürftige zu versorgen hätten: „Für alle anderen kann es auch mehr Freizeit ohne Ausgleich bedeuten.“ Hafner ist aber überzeugt, dass viele die Reduzierung sinnvoll nutzen würden, wenn nicht sogar zugunsten ihres Arbeitgebers: „Die gewonnene freie Zeit eignet sich zur Weiterbildung oder beispielsweise, um neben dem Beruf den Meister zu machen.“ Leider verweigerten sich die Arbeitgeber bei dem Thema Reduktion im Moment komplett, so Hafner. Die Arbeitgeber indes hatten in der zweiten Verhandlungsrunde eine zweiprozentige Lohnerhöhung ab dem 1. April für weitere zwölf Monate angeboten sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro für die Monate Januar bis März. Die Forderung nach einem Teillohnausgleich widerspreche laut bayme vbm, dem Arbeitgeberverband der bayerischen Metall- und Elektrobranche, dem Gleichbehandlungsgrundsatz.

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