Gewerbeverband Kolbermoor

Weniger Bürokratie für kleinere Betriebe

von Redaktion

Jahresabschluss des Gewerbeverbandes – Franz Bergmüller plant Rückzug

Vagen – Politische Themen standen im Mittelpunkt der Ansprache des Vorsitzenden Franz Bergmüller beim Jahresabschluss des Gewerbeverbandes für Bruckmühl Feldkirchen-Westerham, Aying, Irschenberg und des Werberings Mangfalltal im vollen „Kellerwirt“-Saal in Vagen. Bei den Sondierungsverhandlungen für eine Große Koalition sei überwiegend der „Status quo“ beibehalten worden – für den Mittelstand sei dies nicht zufriedenstellend.

Als positiv wertete Bergmüller die Vermeidung einer Steuererhöhung, die Beibehaltung des Rentensystems, den Abbau des Solidaritätszuschlags und das Zuwanderungsgesetz für Fachkräfte. Bei der geplanten Digitalisierungsoffensive forderte er eine Vorleistung des Staates im Sinne der Daseinsvorsorge.

Als „dürftig“ bezeichnete er die angekündigte Wohnungsbauoffensive und rief in diesem Zusammenhang nach steuerlichen Anreizen. Kritisch setzte er sich mit der nach seiner Meinung übertriebenen „Statistik- und Bürokratiepflicht“ auseinander und forderte eine Erleichterung für kleinere Betriebe. Hart ins Gericht ging er zudem mit dem 2017 in Kraft getretenen Entgelttransparenzgesetz. Ferner berichtete er über den positiven Start der vom Gewerbeverband initiierten Seminarreihe „Lösungen mit Perspektiven“ und kündigte an, dass er nach 33 Jahren Vorstandstätigkeit seinen Rückzug plane.

Großes Interesse rief der Fachvortrag von Roland Mainzl mit dem Titel „E-Mobilität – die Zukunft?“ hervor. Eingangs listete der Inhaber eines Autohauses die Marktanteile von Elektroautos in den wichtigsten Automobilmärkten auf. Spitzenreiter sei Norwegen, das zahlreiche Kaufanreize biete und einen Anteil von knapp 35 Prozent aufweise.

E-Mobilität Thema

der Zukunft

Gleichwohl werde inzwischen in Oslo vom E-Autokauf abgeraten, wenn keine private Lademöglichkeit bestünde. 70 Prozent der Deutschen wären zu einem Kauf bereit bei einer ausreichenden Infrastruktur mit Ladestationen, einer Reichweite von über 400 km und einem nicht über dem konventionellen Pkw liegenden Preis.

Treiber der E-Mobilität sei China, wo derzeit jedes dritte weltweit verkaufte Auto zugelassen werde. Das Land führe ab 2019 eine E-Mobilitätsquote von zehn Prozent ein, die ab 2020 auf zwölf Prozent steige. Dadurch seien auch die deutschen Autohersteller in Zugzwang, die inzwischen massiv in die E-Mobilität investierten, Mitarbeiter umschulten und eigene Batteriefabriken planten. Ungeklärt sei jedoch beispielsweise die dauerhafte Lieferung des für die Batterieherstellung wichtigen Kobalts, der überwiegend im politisch instabilen Kongo abgebaut werde.

Ob sich die Umstellung zur E-Mobilität im gleichen Zeitabstand vollziehe, sei ungewiss. Auf jeden Fall werde es in den kommenden zwei Jahrzehnten zu einer dynamischen Entwicklung kommen.

In der Diskussion wurden auch Aspekte wie die Öko-Bilanz, Stromversorgung durch eigene PV-Anlagen und potenzielle Gefahren durch unfallbeschädigte E-Autos angesprochen. Feldkirchen-Westerhams Bürgermeister Hans Schaberl und Bad Aiblings Zweiter Bürgermeister Erwin Kühnel sahen in der E-Mobilität jeweils ein großes Zukunftsthema. bjn

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