Der Wald als Geldanlage

Nach Grünem drängt doch (nicht) alles

von Redaktion

Wenn Anleger vom „Grünen Gold“ sprechen, meinen sie nicht etwa Edelmetall aus nachhaltigem Abbau. Der Wald selbst ist inzwischen ein begehrtes Anlageobjekt. Was Experten aus der Region dazu sagen.

Rosenheim– Wenn Industriezweige wachsen und beim Verbraucher der Bedarf nach bestimmten Produkten oder Rohstoffen steigt, werden Anleger meist hellhörig: Lohnt es sich, da zu investieren? Wenn dann noch eine Vermögensberatung ihre Empfehlung abgibt, überlegt den Anleger, zuzugreifen. Zum Beispiel, wenn es um Holz geht. Der weltweite Bedarf an Holz soll bis 2019 um schätzungsweise rund fünf Milliarden Kubikmeter steigen. Es ist die Rede vom Wald als nachhaltige, „grüne“ Anlageklasse, der sich offenbar über Jahre hinweg im Hintergrund ausgezeichnet entwickelt haben soll.

Bei Renditen

wachsam bleiben

Wer in Bäume investiert habe, so die Meldung einer namhaften Vermögensverwaltung, der sei nicht auf dem Holzweg unterwegs, sondern könne mit so genannten Waldaktien mittel- bis langfristig zehn bis zwölf Prozent Rendite erzielen. Waren Investments in Holz Jahrhunderte lang dem Adel und Großgrundbesitzern vorenthalten, investierten mittlerweile Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen in den Wald als Anlagebaustein. Kann der Privatanleger auch auf diese Weise sein Depot einfach und umkompliziert um Waldinvestments ergänzen? Fühlt sich der Anleger aus der Region überhaupt vom Thema angesprochen? Die OVB-Heimatzeitungen haben bei zwei regionalen Banken nachgefragt. Zur Vorsicht rät zunächst Stefan Daxenberger, Vermögensmanager bei der Volksbank Raiffeisenbank in Prien: „Ich bin immer hellhörig, wenn ich Renditeprognosen von zehn bis zwölf Prozent lese. Grade, wenn man weiß, wie viel für sichere Anlagen pro Jahr an Zins fließt.“ Waldinvestments würden oft in Südamerika angeboten. Der Nachteil solcher Anlagen sei, dass man sie meist nicht persönlich in Augenschein nehmen könne. Im Moment könne er in der täglichen Praxis keine steigende Nachfrage nach Fonds und Aktien mit Bezug zu Holz feststellen. Die Gründe dafür könnten in „gewissen Vorstellungen und Vorgaben hinsichtlich moralischen, ökologischen und ethisch nachhaltigen Investments“ liegen. Daher würden häufig auch Branchen wie Rüstung, Waffen, Tabak, Atomenergie von Kunden „bewusst ausgeblendet“. Als alternative Beispiele, die eher nachgefragt würden, nennt Daxenberger Staatsanleihen, deren Länder Menschenrechte achteten und Klimaziele verfolgten.

Eher nichts für den Privatanleger

Alexander Korn, Teamleiter der Vermögensberatung Private Banking bei der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, rät ebenso zur erhöhten Aufmerksamkeit bei Waldinvestments: „Es gibt einige an der Börse notierte Unternehmen, deren Hauptgeschäft in der Bewirtschaftung von umfangreichen Waldflächen besteht.

So stabil ein Investment in diese Unternehmen auf den ersten Blick sein mag, so wichtig ist der Blick ins Detail.“ Denn die Gewinne und damit die Entwicklung dieser Unternehmen hingen zu großen Teilen auch an der weltweiten sowie regionalen Baukonjunktur. Er erinnert an die Lehmann-Krise im Jahr 2008, als es einen starken Kursrutsch bei diesen börsennotierten Unternehmen gegeben habe, da die Baukonjunktur in den USA zusammengebrochen sei. Einige wenige Aktienfonds hätten sich dem Wald- und Holzinvestment gewidmet, diese wiesen ähnliche Entwicklungen wie die weltweiten Aktienmärkte auf und eigneten sich damit lediglich als Beimischung für ein breit gestreutes Aktienportfolio. Er warnt vor außerbörslichen Beteiligungsangeboten an Waldflächen in Kanada, USA oder Skandinavien für Privatanleger: „Eine sehr hohe Kostenstruktur und unzureichende Angaben zum Management dieser Beteiligungen machen diese in der Regel unattraktiv.“ Anders bei größeren Investoren mit unternehmerischem Hintergrund, wo eine weitere Vermögensdiversifizierung erreicht werden könne. Waldinvestments könnten dann als Ergänzungsanlage, generationenübergreifend betrachtet, sinnvoll sein, „da Wald und Forst unter erbschaftsteuerlichen Aspekten Bewertungsvorteile gegenüber anderen Anlageklassen mit sich bringen.“

Nun kann man Wald auch physisch erwerben. Ist das nicht ein Vorteil gegenüber Aktien? Bei der Rosenheimer Waldbesitzervereinigung (WBV) ist man von der Idee, den Wald als Anlageobjekt zu erwerben, nicht begeistert. „Da die Preise zuletzt durch die Decke gingen, ist die Rendite ohnehin nicht mehr nennenswert“, so Geschäftsführer und Forstsachverständiger Michael Heffner.

Kostete der Quadratmeter vor zehn Jahren noch rund drei Euro, lägen die Preise je nach Gebiet und Bestand heute bei acht bis zehn Euro oder sogar mehr.

Bauern, die ein angrenzendes, frei gewordenes Waldstück erwerben wollten, hätten es angesichts dieser Preissteigerung schwer gegenüber Privatkäufern, die praktisch jede Summe zahlen würden. Das seien oft diejenigen, die mit der WBV Waldpflegeverträge schließen würden, weil sie selbst nichts von der Materie verstehen würden. Ihr Investment brächte ihnen kaum mehr als frische Luft und etwas Brennholz, ist Heffner sicher. Selbst wer all sein Holz verkaufen würde, hätte am Ende nicht mehr als eine fünfstellige Summe –aber mehrere Hunderttausende für den Wald gezahlt. Dazu Agrarspezialist Franz Oberbauer von der Sparkasse: „Der emotionale Nutzen eines Waldgrundstücks überwiegt derzeit gegenüber dem ökonomischen.“ Für Landwirte sei der Wald eine Sicherheit in schwierigen Zeiten: „Die Sparkasse des Bauern.“

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