Rosenheim/Mühldorf/ Traunstein/Altötting – Der Rosenheimer Städter liebt Schokolade, davon isst er 9,5 Kilo im Jahr. Aber noch lieber isst er Käse (24,5 Kilo pro Kopf und Jahr) und trinkt Bier – 64000 Hektoliter im Jahr. Dazu hatten die OVB-Heimatzeitungen gestern Zahlen von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten aus Rosenheim veröffentlicht. Nun liegen Verbrauchszahlen aus dem Landkreis Rosenheim sowie den Nachbarlandkreisen vor und zeigen: Im Rosenheimer Land ist der Schokoladen-Hunger am größten. Ganze 102 Sattelschlepperladungen voll mit der zartschmelzenden Süßware verdrücken die Landkreisbewohner pro Jahr. Statistisch gesehen 2440 Tonnen. Im Landkreis Traunstein sind es immerhin noch die Wagenladungen von 69 Sattelschleppern, rund 1660 Tonnen.
Genügsamer sind da die Mühldorfer und Altöttinger: Hier sind es 45 beziehungsweise 43 Schlepper-Ladungen voll Schoki, jeweils 1070 und 1030 Tonnen. Ob der im Vergleich zu Rosenheim niedrigere Verzehr am Gesundheitsbewusstsein der Mühldorfer und Altöttinger liegt, lässt sich schwer sagen.
Josef Obermeier von der gleichnamigen Confiserie aus Gars am Inn weiß zumindest eines: „Es gibt große Unterschiede bei den Schokoladen-Vorlieben zwischen der Stadt und dem Land.“ Er betreibt neben seiner Confiserie im Landkreis Mühldorf auch auf dem Münchener Viktualienmarkt einen Schoko-Laden und ist im Laufe der Zeit zu der Feststellung gekommen, dass die Landbewohner eindeutig mehr Familienfeiern haben müssen als die Großstädter: „Bei uns in Gars werden gern und viel Schokoladen-Geschenke gekauft, die kommen dann oft bei runden Geburtstagen in großem Kreis zum Einsatz.“ In München dagegen kauften die Kunden „eher für sich selbst, manche nur eine einzige Praline.“
Die Jugend mag es süß, Ältere eher herb
Er kann sich das nur mit den vielen Single-Haushalten erklären. Dafür besuchten seinen Laden am Viktualienmarkt mehr Touristen, „die haben gern etwas typisch Bayerisches aus Schokolade, zum Beispiel den Bayerischen Löwen oder unsere Guglhupfpralinen.“ Pralinen sind es auch, die den Chocolatier aus Gars hauptsächlich beschäftigen – am liebsten mögen es seine Kunden klassisch: „Champagnertrüffel, Rumtopf-Marzipan, Cassis-Trüffel und vor allem Nougat.“
Bei Kindern und interessanterweise bei jungen Frauen will Obermeier eine Vorliebe für Vollmilch erkannt haben; „mit dem Alter steigt der Wunsch nach etwas Herberem, also nach dunkler Schokolade.“ Immer wieder werde Letztere auch gekauft, weil der hohe Kakaoanteil gesünder sein soll. Das Experimentieren gehört für Obermeier im Beruf dazu. Ein gelungenes Experiment war für ihn zuletzt die Kombination von Trockenfrüchten und Nougat: „Cranberry und Kirsche ergänzen mit ihren säuerlichen Aromen perfekt den süßen Schokoladengeschmack.“
Käse: Nicht immer muss es die Kuh sein
Käse verzehren die Bewohner der Landkreise ebenso tonnenweise wie Schokolade: In Rosenheim-Land 6270 Tonnen, in Mühldorf und Altötting zusammen 5400, in Traunstein 4270 Tonnen.
Auch bei der Naturkäserei St. Georg in Ruhpolding im Chiemgau hat sich eine ganz bestimmte Kombination bei Verbrauchern durchgesetzt, die Kuhmilch nicht vertragen oder nicht gerne verzehren: Aus Biomilch von Ziegen und Stuten werden hier unter anderem Camembert und Frischkäse hergestellt. Stutenmilch war einst nur den besonders Betuchten vorenthalten, war ein begehrtes Naturheilmittel. Heute weiß die Wissenschaft um ihre positiven Effekte auf die Gesundheit.
Dasselbe gilt auch für Ziegenmilch, die reich an essenziellen Aminosäuren ist. Bei St. Georg war es zunächst Seniorchef Johann Abfalter, ein passionierter Pferdehalter und -züchter, der ursprünglich an Stutenmolke interessiert war – die gibt es jedoch nur, wenn auch Käse hergestellt wird. Inzwischen ist das Sortiment um einige weitere Stuten-Ziegenmilch-Produkte gewachsen. Auch für therapeutische Zwecke werden die Erzeugnisse teils eingesetzt.
Ob Bier als Therapeutikum eingesetzt werden kann, da scheiden sich in Bayern die Geister. Die Rosenheimer (267000 Hektoliter), Traunsteiner (181000 Hektoliter), Altöttinger (113000 Hektoliter) und Mühldorfer (117000 Hektoliter) trinken´s einfach gern. Im Durchschnitt liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 104 Litern im Jahr. Wer das ganz ordentlich findet, kann den Biergenuss der vergangenen Jahre damit vergleichen. 2008 waren es nämlich über 111 Liter, 2015 noch rund 106 Liter.
Wolfgang Unertl von der gleichnamigen Brauerei in Mühldorf erkennt einen Trend hin zum Alkoholfreien: „Vor allem wenn´s aufs Frühjahr zugeht und die Leute wieder mehr Sport im Freien treiben, steigt die Nachfrage nach leichtem oder alkoholfreiem Bier.“ Die „Leichte Weiße“ sei auch einer der Renner im Hause Unertl, fast 40 Prozent mache die Sorte im Verkauf aus. Sieben verschiedene Biere stellt die Familienbrauerei her; im Jahr 2000 führte man eine Bio-Weiße aus Dinkel ein. Vom Senior einst etwas skeptisch betrachtet, heute eine äußerst beliebte Unertl-Sorte. Und noch einen Trend meint Unertl ausmachen zu können: Eigentlich ist es mit über acht Prozent Alkoholgehalt ein richtiger Gegentrend zum Bier „mit ohne“ – das Bockbier sei wieder auf dem Vormarsch: „Die Nachfrage danach war jahrelang fast eingeschlafen. Jetzt produzieren wir den Bock wieder das ganze Jahr über.“
Zum Schluss noch ein Blick in die Gemüse-Abteilung: Der Pro-Kopf-Verbrauch an Salat lag zuletzt bei 3,3 Kilo. Beim Spinat nur 1,2 Kilo. Schlusslicht ist Rosenkohl mit 300 Gramm. War wohl nur Garnitur.