München/Rosenheim –Die Europäische Kommission hatte am Montag zu einem „Brenner Gipfel“ nach München ins Haus der Bayerischen Wirtschaft eingeladen (wir berichteten im gestrigen Bayern-Teil). Anlass: Der Schwerlastverkehr auf dem Brenner-Korridor, den nach Tiroler Angaben 2017 etwa 2,25 Millionen Lkw querten. Gekommen waren unter anderem Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und die entsprechenden Vertreter aus Italien und Österreich.
Kritik äußerte jetzt dazu Spediteur und Georg Dettendorfer, Vorsitzender des DIHK-Verkehrsausschusses: „Von den 2,25 Millionen Lkw sollen im Jahr 800000 Transporte den Brenner für unnötige Umwegfahrten nutzen, aber Tirol legt dazu keine nachprüfbaren Zahlen vor.“
Die Teilnehmer des Gipfels waren am Montag einig, dass mehr Waren per Bahn transportiert werden müssen. Dettendorfer bestätigt zwar, dass die Verladeterminals, der nächste befindet sich in München, noch Kapazitäten hätten. Jedoch zu Zeiten, die bislang für die Warenempfänger –Industrie und Handel – unattraktiv seien: „Die Kunden wollen ihre Lager bis im Lauf des Vormittags gefüllt haben“, es gelte also, die bis dato unattraktiven Leerzeiten, etwa nachmittags, zu nutzen. Auch Be- und Entladezeiten beim Kunden gehörten angepasst. Dafür müsse auch der Handel umdenken und mit an der Verkehrsdebatte beteiligt werden: „Sonst bleibt es dabei, dass die Straße das günstigste Lager bleibt – auch einer der Gründe, warum so starker Lkw-Verkehr herrscht.“ Weiter gibt er zu bedenken, dass mit zunehmenden Verladezahlen am Terminal München die A99 stark belastet werden könnte. Dass ausgerechnet die „Rollende Landstraße“, der seiner Ansicht nach „unwirtschaftlichste Bahnverkehr“ gefördert werden soll, stößt beim DIHK-Mann auf Unverständnis. Es fehle ihm auch ein klares Bekenntnis dazu, „dass die Bahn effektiver, pünktlicher, zuverlässiger und wettbewerbsfähiger werden muss.“
Die Bahn selbst war, wie auch Spediteure und andere Interessensvertreter, nicht am Treffen am Montag beteiligt.
Franz Lindemair, Sprecher der Deutschen Bahn Bayern, äußerte sich gestern gegenüber den OVB-Heimatzeitungen mit dem Hinweis, die Bahn vermelde schon seit Jahren, dass Kapazitäten auf der entsprechenden Trasse Richtung Süden vorhanden seien: „Bislang liegt die Auslastung bei etwa 190 Personen- und Güterzügen pro Tag. Inklusive Gütertransporten könnten bis zu 260 Züge auf der Strecke fahren.“ Der Ball liegt damit bei der Verkehrspolitik; sie könnte die Rahmenbedingungen nun anpassen. Günstigere Schienentrassenpreise schaffen dem Vernehmen nach einen ersten Anreiz.
Hoffnung wurde enttäuscht
Insgeheim, sagt Dettendorfer, habe er gehofft, dass der Brenner-Gipfel ein Ende der Blockabfertigungen bringen könnte. Mit der Hiobs-Botschaft aus München, es könnte rund 30 weitere Blockabfertigungen in diesem Jahr geben, sei diese Hoffnung enttäuscht worden. „Es wird deshalb weiter Mega-Staus geben“, warnt er. Insgesamt, so Dettendorfer, sei der Gipfel freilich ein positives Signal, und dass Arbeitsgruppen geschaffen wurden, zeige, dass in der Praxis etwas vorangehe.
Gut sei, dass es wohl zunächst keine deutsche Korridor-Maut geben werde und dass die Schienen-Trassenpreise in den Fokus rücken. Die nächste Sitzung der Verkehrsexperten soll im Mai stattfinden. sen