Rosenheim/Siegsdorf/Mühl- dorf – Die Leitsätze sollen laut der AG Mittelstand die Themenbreite der digitalen Transformation illustrieren. Die Gesamtverantwortung für die Digitalisierungspolitik sollte, heißt es im Papier, am besten direkt dem Bundeskanzleramt zugewiesen werden. In ihren Leitsätzen vertritt die AG insgesamt elf Forderungen; die OVB-Heimatzeitungen haben einige zentrale Punkte herausgegriffen und regionale Mittelständler dazu befragt:
Flächendeckende Breitbandversorgung
Angemessener, ausgewogener Datenschutz
flexible Arbeitszeiten
Unterstützung des Mittelstands bei der Digitalisierung
Zum Thema Breitband hätte Simon Zosseder, Geschäftsführer der Eiselfinger Zosseder GmbH, eine Menge zu sagen. Lange musste der alteingesessene Mittelständler auf eine vernünftige Netzanbindung warten, bis er und weitere Unternehmen im Umkreis schließlich selbst die Sache in die Hand nahmen: „2014 haben wir auf eigene Kosten einen Glasfaseranschluss legen lassen.“ Mit dabei waren die Firmen Bauer KG, Gronbach, Recipharm sowie Huber & Sohn. „Dieser Anschluss wurde dringend benötigt, da wir mit einem Zentralrechner arbeiten.“ Auf die eigene Gemeinde, selbst zu diesem Zeitpunkt noch in der Planung, habe man nicht mehr warten können. Um dem Thema Datenschutz gerecht zu werden, beschäftigt Zosseder seit einiger Zeit unter anderem einen internen Datenschutzbeauftragten, der sich in der Hauptsache um Mitarbeiterdatenschutz kümmere: „Hier wollen wir auf der sicheren Seite sein.“ Apropos Sicherheit: Hier setzt Zosseder auf einen eigenen ITler im Haus sowie auf externe Dienstleister. „Wir schützen unsere IT durch Angriffe von außerhalb durch Firewalls mit entsprechender Software. Intern stellen wir uns gerade auf einen Terminalserver um“, sagt Zosseder. Insgesamt wünscht er sich etwas mehr Rückenwind bei der Umsetzung digitaler Strategien. „Wir aus der Transportbranche versuchen einige davon und setzten auch schon vieles um. Zum Beispiel elektronische Führerscheinkontrolle, Telematiksysteme zur Routenplanung und zur Auftragsabwicklung. Nach unserer Meinung ist der Erfahrungsaustausch die effektivste Methode dies anzugehen.“
Bei Brückner Maschinenbau in Siegsdorf steht die Digitalisierung auf drei Säulen: intelligente Anlagen, neue, alternative Geschäftsmodelle, insbesondere im Service, sowie interne, digitale Verfahren und Prozesse. „Datenschutz wird bei Brückner Maschinenbau seit jeher konsequent umgesetzt“, so Geschäftsführer Stefan Neumann. Auch bei Brückner setzt man auf interne Datenschutzbeauftragte; seit 2013 zieht man auch externe hinzu, um relevante Richtlinien und Gesetze umzusetzen. Mit der Datenschutzgrundverordnung käme man jetzt „in eine neue Dimension“. Für Neumann schieße man „hier in einigen Bereichen wieder über das Ziel eines effektiven Datenschutzes hinaus.“
In den Leitlinien heißt es, die aus der analogen Zeit stammenden Arbeitszeitregelungen sollten an die Erfordernisse der digitalen Arbeitswelt angepasst werden. Dazu Brückner: „Unser Geschäftsmodell und die hohe Volatilität unseres Auftragseingangs zwingen uns schon immer zu einer recht hohen Flexibilität in der Arbeitszeit.“ Jetzt gelte es, diese Flexibilisierung weiter voranzutreiben.
Gefragt nach dem Stand der Breitbandversorgung in den Landkreisen Mühldorf und Altötting, winkt Unternehmerin Ingrid Obermeier-Osl ab: „Schnelles Internet ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region ein Reizwort.“ Gäbe es Noten zu verteilen, gäben die Betriebe eher eine magere 3,0. Dabei gehöre der Austausch großer Datenpakete für immer mehr Betriebe zum Tagesgeschäft. An der Realität vorbei gehe es für sie, wenn Standorte mit einer bestehenden Leistung von 30 Mbit/s und mehr als nicht mehr förderfähig gelten: „Unsere Betriebe sind doch schon längst im Gigabit-Zeitalter angekommen.“
Mitarbeiter besser in Sachen IT schulen
Was die Finanzierung der Digitalisierung angeht, weiß Obermeier-Osl: „Gerade kleine und mittlere Betriebe können die Kosten für Investitionen in eine moderne IT-Infrastruktur nicht immer ohne Weiteres stemmen.“ Mit Crowdfunding stehe den Unternehmen allerdings ein weiterer Weg der Finanzierung offen. „Die beste Ausstattung nützt aber nichts, wenn die Mitarbeiter nicht damit umgehen können.“ Deshalb hält sie es für sinnvoll, dass auch die digitale Weiterbildung des Personals gefördert werde. „Hier muss die Politik ansetzen – beispielsweise, indem die Staatsregierung den eingeführten Digitalbonus durch eine Förderung der digitalen Kompetenzen von Mitarbeitern ergänzt. Das würde dem Wissensaufbau einen großen Schub geben.“