Tarifverhandlungen der metall- und Elektroindustrie

„Abschluss verschärft Wettbewerb“

von Redaktion

Am Donnerstag ist es auch in Bayern so weit: Arbeitgeber und IG Metall müssen sich einigen. Welche Folgen hätte das für große Arbeitgeber aus der Region?

Rosenheim/Waldkraiburg – Was in der Nacht zum Dienstag in der Baden-Württembergischen Metall- und Elektroindustrie beschlossen wurde, könnte am 8. Februar auch in Bayern Realität werden, wenn die Arbeitgeber beider Branchen in die Endrunde der Tarifverhandlungen eintreten. So einigte man sich im Nachbarbundesland zum Beispiel auf 4,3 Prozent mehr Gehalt, eine 27-monatige Laufzeit und eine Einmalzahlung von 100 Euro von Januar bis März 2018. Die Beschäftigten können für bis zu zwei Jahre ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren; Betriebe dürfen dann aber mit mehr Beschäftigten als bisher 40-Stunden-Verträge abschließen. Diese Einigung gilt als Pilotabschluss für die 3,9 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Es ist zu erwarten, dass die übrigen sechs Tarifbezirke nach diesem Beispiel handeln. Für die bayerischen M&E-Arbeitgeber könnte dies weitreichende Folgen haben. Einer dieser Arbeitgeber ist Netzsch Pumpen & Systeme aus Waldkraiburg. Netzsch beschäftigt weltweit 2000 Mitarbeiter, davon 580 in Deutschland, davon wiederum einen Großteil in Waldkraiburg. „Die Gesamtkosten des Abschlusses sind unangemessen hoch“, kann Geschäftsführer Felix Kleinert jetzt schon sagen. Schätzungsweise führten eine Lohnerhöhung und Sonderzahlungen, wie sie im Pilotabschluss ausgehandelt worden seien, bei Netzsch zu einer deutlichen Personalkostenerhöhung. „Wahrscheinlich mehr als acht Prozent als heute über die Vertragslaufzeit. Hinzu kommen die Mehrbelastungen aus den zu erwartenden Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen.“ Dies bedeute für einen international agierenden Maschinenbauer wie Netzsch eine weitere Wettbewerbsverschärfung, ist er überzeugt. „Ausländische Wettbewerber können, relativ betrachtet, bei ohnehin bereits günstigerer Kostenstruktur, noch preiswerter produzieren und werden damit noch stärker in unsere Märkte einbrechen.“

Um das Unternehmen in Europa konkurrenzfähig zu halten, müsste man die „seit Jahrzehnten gelebte Strategie“ der Produktion in Deutschland für den europäischen Markt überdenken. „Ich erwarte, dass wir etwa. margenschwache Produkte für diesen Markt zukünftig eher an unseren deutlich kostengünstigeren Auslandsstandorten produzieren“, so Kleinert. Mit der Folge, dass in Deutschland weniger investiert werde. Das könnte mittelfristig zu Stagnation oder gar Rückgang bei den Beschäftigungszahlen führen: „Ein langsamer, aber in aller Regel irreversibler Prozess.“ Waldkraiburg bleibe zwar ein wichtiger Standort für Europa, „nur perspektivisch etwas kleiner und etwas weniger bedeutsam als heute.“ Die 28-Stunden-Woche sieht Kleinert weniger als Problem, den Lohnausgleich für die Reduktion schon: „Ein Fehler in der Entgeltsystematik.“

Mehr Verträge über

40 Stunden wären gut

Bei Kathrein in Rosenheim hält man es für wahrscheinlich, dass Bayern dem Pilotabschluss in Baden-Württemberg folgen wird. „Die Höhe des Tarifabschlusses wird viele Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie in der Region allerdings vor große Herausforderungen stellen“, so Anton Klaus Kathrein, Regionalvorsitzender der bayme vbm, der bayerischen Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie. Als Arbeitgeber wäre er von den Auswirkungen selbst direkt betroffen, denn die Verhandlungsergebnisse gelten für alle im Tarifvertrag gebundenen Unternehmen. Mit tiefgehenderen Überlegungen wie Kleinert aus Waldkraiburg hält sich Kathrein im Moment noch zurück, will die Verhandlungen am Donnerstag abwarten. Eines sieht er aber doch bereits jetzt: „Mehr 40-Stunden-Verträge als bisher abschließen zu können, kommt unserem Unternehmen entgegen.“ Es gebe dafür sowohl den Bedarf bei den Kathrein Werken als auch den Wunsch seitens vieler Mitarbeiter, die wöchentliche Arbeitszeit zu erhöhen.

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