kathrein-Werk in niederndorf schliesst

Fertigung nur noch bis Ende 2018

von Redaktion

Die Nachricht von der Schließung des Fertigungswerks Kathrein Mobilcom Austria im nahen Niederndorf kam überraschend am späten Dienstagnachmittag. Die Reaktionen darauf aus Rosenheim und Tirol.

Rosenheim/Niederndorf – Die Kathrein Werke KG schließt zum 31. Dezember 2018 ihr Niederndorfer Werk, rund 230 Arbeitsplätze werden gestrichen (wir berichteten). Betroffen sind davon etwa 20 Prozent bayerische Arbeitnehmer, die aus dem Landkreis Rosenheim nach Niederndorf pendeln. Sie alle sind noch bis Ende 2018 bei Kathrein in Tirol beschäftigt. Wie es aus der Rosenheimer Zentrale heißt, könnten sie sich auf offene Positionen bewerben, welche die Firmengruppe intern ausschreibt.

Ob damit einer nennenswerten Zahl von Mitarbeitern aus Niederndorf geholfen ist, bleibt fraglich. Es gebe für sie im Zweifel eine auffangende Stiftung, erklärt auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen Sabine Platzer- Werlberger, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS), der dortigen Arbeitsagentur. Diese nehme etwa Arbeitnehmer aus insolventen Betrieben auf und versorge sie übergangsweise mit Weiterbildungsmaßnahmen und einem Stiftungsarbeitergeld.

Insolvent, sagt Unternehmenssprecherin Katharina Martin, sei das Niederndor- fer Werk nicht. Jüngste Umsatzzahlen will man aber derzeit nicht bekannt geben.

Keine Stellungnahme von Kathrein selbst

Von Anton Klaus Kathrein, Geschäftsführender Gesellschafter der weltweit tätigen Gruppe, konnte keine persönliche Stellungnahme zur Schließung eingeholt werden: Grund sei, wie es heißt, die Terminsituation im Vorfeld des World Mobile Congresses (MWC), Europas Mobilfunk-Leitmesse, die am 26. Februar in Barcelona startet. Geäußert hatte sich mit wenigen Worten der operative Geschäftsführer der Gruppe, Jürgen Walter: Man wolle unter anderem Produktgruppen in den einzelnen Standorten konsolidieren. „Wir haben Glück, dass in Tirol qualifizierte Fachkräfte gesucht werden, die Mitarbeiter haben also eine Perspektive, wenn das Werk zum Jahresende schließt“, so Platzer-Werlberger.

Angesichts der Tatsache, dass die Angestellten und ihr Betriebsrat selbst erst am Dienstag von der Hiobsbotschaft erfahren haben, dürfte das zumindest ein schwacher Trost sein. Betriebsrätin Theresa Steiner durfte sich – wie auch die Niederndorfer Geschäftsleitung und die Belegschaft – dazu nicht äußern. „Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern haben jetzt begonnen und werden bis voraussichtlich Ende April zu einem Ergebnis kommen“, so Kathrein-Sprecherin Martin. Diesen will zunächst auch die Tiroler Landesregierung abwarten, wie Sprecher Bernhard Müllegger sagt. Er bedauert die Schließung, und auch, dass selbst die Regierung davon erst aus einer Zeitung erfahren habe.

In Niederndorf jedenfalls herrscht Beobachtern zufolge eine unruhige Stimmung. Eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, deutete an, dass vor Ort viele Diskussionen stattfänden. Im Werk in Rosenheim indes scheint alles friedlich. Betriebsrat Markus Unterleitner gab zu verstehen, dass man zu den Kollegen in Tirol nicht enger in Kontakt stünde, die beiden Werke seien rechtlich voneinander unabhängige Unternehmen. Am Hauptsitz sei man zwar „definitiv betroffen“ über die Nachricht der Werkschließung, befürchte jedoch keine ähnlichen Maßnahmen in Rosenheim.

Bis auf Weiteres schütze ein Ergänzungstarifvertrag die Belegschaft vor Kündigung. Über die Entscheidungen, welche das Saniererteam in der Führungsetage trifft, werde man informiert; die Kommunikation zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft funktioniere gut, „könnte aber manchmal noch mehr sein“, wie es Unterleitner ausdrückt.

Fakt ist wohl, dass Freud und Leid bei Kathrein gerade nah beieinander liegen: Zum einen beflügle, dass man bei der Entwicklung des neuen Mobilfunkstandards 5G „einer der Schrittmacher“ sei, so Sprecherin Martin. Tatsache sei aber, dass sich diese Investitionen „später auszahlen als erwartet“. Weil der Marktdruck seit Jahren stetig zunehme und sich das zuletzt auf die Umsätze ausgewirkt habe, beschleunige das Management jetzt die Neuausrichtung. „Dazu zählen leider auch harte Maßnahmen“.

Sofern oberbayerische Mitarbeiter von der Schließung betroffen seien, sagt Michael Wontra aus der Geschäftsleitung der Rosenheimer Agentur für Arbeit, sei man für sie da, vorerst sei das aber Sache des AMS. Die Stadt Rosenheim mochte sich zur Sache nicht äußern. Dies seien unternehmensinterne Entscheidungen, so Pressesprecher Thomas Bugl: „Wir wünschen dem Unternehmen auf dem Weg der Restrukturierung jeden denkbaren Erfolg.“

Kathrein Mobilcom Austria

Kathrein Mobilcom geht zurück auf die 1978 in Kufstein gegründete Kathrein in Austria Ges.m.b.H. Im Jahr 2004 entstand der Kathrein-Austria-Gewerbepark in Niederndorf, in welchem das heutige Werk ansiedelte. Bis dato werden hier beispielsweise Antennensysteme, Filter und Weichen sowie Baugruppen für Produkte der Hochfrequenz-Technik für die Firmengruppe erforscht und entwickelt. In insgesamt fünf Abteilungen werden Produkte aus unterschiedlichen Geschäftsfeldern hergestellt, wozu nach Angaben der Kathrein-Pressestelle auch Teile von rund zehn Betrieben aus der Region geliefert werden. Diese könnten von der Schließung ebenfalls betroffen sein.

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