Interview mit der Sparkasse Rosenheim-bad aibling

„Großartige digitale Möglichkeiten“

von Redaktion

Rosenheim – Teilhaben an den Erfolgen der Digitalisierung und der Industrie 4.0, zugleich mehr Schwankungen am Aktienmarkt und neue Möglichkeiten bei elektronischen Bezahlvorgängen – 2018 scheint ein spannendes Finanzjahr zu werden, wenn man Alfons Maierthaler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, und dem Leiter des Private Banking, Andreas Born, zuhört.

In den kürzlich veröffentlichten „Perspektiven 2018“ schreibt die Sparkasse, es gebe neue Trends, die der Anleger nicht verpassen sollte. Welche sind das?

Meierthaler: Wir stehen mitten in einer Revolution – der industriellen Revolution 4.0. Dies bedeutet nicht nur die Nutzung von Smartphones oder die Automatisierung von Prozessen. Während sich der Boom des Internet-Zeitalters von 1996 bis 2000 eher auf technikaffine Menschen beschränkte, betrifft die Digitalisierung und Industrie 4.0 nun fast alle. Branchen, die die Potenziale und Chancen dieser neuen Technologien besonders für sich nutzen können, sind für Anleger jetzt spannend.

Auf welche Branchen sollte man sich dabei fokussieren? Welche Risiken gibt es zu beachten?

Born: Eine pauschale Empfehlung kann man nicht aussprechen. Als vorsichtiger Aktienanleger sollten Sie Branchen fokussieren, die von Industrie 4.0 profitieren, aber nicht vollkommen darauf aufgebaut sind. Alternativ gibt es aktiv gemanagte Fonds, die sich nur auf dieses Thema konzentrieren. Aufgrund der breiten Streuung in verschiedene Branchen und Einzelwerte reduzieren diese das Anlagerisiko deutlich. Der offensivere Anleger sollte sich die Branchen Technologie/Telekommunikation, Industrie, Logistik und Automobil näher ansehen, die aus unserer Sicht am meisten von der industriellen Revolution 4.0 profitieren dürften. Aber auch hier gilt: Eine Anlage in Wertpapiere, speziell in diese zukunftsweisenden Branchen, ist sinnvoll – die Beratung durch ausgebildete Fachleute ist das A und O! Derartige Investitionen sollte man immer mit langfristiger Perspektive sehen.

Die Nullzinsphase hält viele Sparer nicht davon ab, ihr Geld auf Tagesgeldkonten zu sparen. Warum ändern viele Menschen ihr Sparverhalten nicht?

Maierthaler: Der Zins für die zehnjährige Bundesanleihe in Deutschland ist seit Anfang des Jahres von 0,5 auf 0,78 Prozent (Stand 20. Februar 2018) gestiegen. Unsere Prognose in Richtung einem Prozent könnte somit schneller aufgehen als gedacht. Die Frage ist aber: Würden Sie Ihr Geld für zehn Jahre bei einem Prozent Zins anlegen? Damit hätten Sie noch nicht einmal die Inflation von aktuell 1,6 Prozent in Deutschland verdient. In zehn Jahren kann viel passieren. Trotzdem ist es wichtiger denn je, auch in dieser schwierigen Zinssituation langfristig zu sparen und private Altersvorsorge zu betreiben. Aufgrund der fehlenden Zinsen ist es sogar notwendig, noch mehr zu sparen.

Welche Chancen sehen Sie 2018 generell am Aktienmarkt?

Born: Das erwartete globale Wirtschaftswachstum von ungefähr 3,5 Prozent reicht unserer Meinung nach aus, damit der DAX mittelfristig neue Gipfel erklimmen kann. Es wird aber eine Bergetappe mit Verschnaufpausen. Der Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten im Februar hat das deutlich gezeigt. Fallende Kurse am Aktienmarkt schätzen wir in 2018 jedoch weiterhin als Chancen ein, um Aktienbestände mit günstigeren Kursen auf- oder auszubauen. Eine höhere Bewertung von deutschen Aktien sehen wir als realistisch an. Dass Anlagealternativen im Zinsbereich wenig attraktiv erscheinen, unterstützt unsere Annahmen. Aktuell halten wir sogar DAX-Stände bis zu 15000 Punkte im Jahresverlauf nach wie vor für möglich.

Die Sparkasse – und nicht nur sie – warnt dennoch davor, dass es 2018 zu größeren Schwankungen an den Börsen kommen könnte.

Born: Schwankungen an Börsen sind etwas ganz Normales und man sollte sich davon nicht beunruhigen lassen, solange man einen längerfristigen Anlagehorizont hat. Den sollte man als Aktienanleger eigentlich stets haben. Wir sehen fallende Kurse am Aktienmarkt 2018 eher als Chance, um Aktienbestände mit günstigeren Kursen auf- oder auszubauen. Für Anleger, die sich nicht sicher sind oder wissen, dass sie in solchen Börsenphasen zögerlich agieren, eignet sich ein Sparplan in Investmentfonds.

Das Eingreifen der Notenbanken mit ihrer Nullzins- und Negativzinspolitik könnte, wie es immer wieder heißt, eine Blasenbildung bei Anleihen, Immobilien und Aktien provozieren. Gerade das Thema „Immobilienblase“ beschäftigt die Menschen in unserer Region.

Maierthaler: Die Sorgen um eine Blasenbildung sind im Kapitalmarktumfeld der letzten Jahre aus unserer Sicht im Bereich von Renten, Aktien und Immobilien grundsätzlich berechtigt. Aber man muss hier regional stark differenzieren. Immobilien in unserer Region Rosenheim profitieren neben der allgemein hohen Nachfrage von einem langfristig attraktiven Wirtschaftsstandort. Die Preise für private und gewerbliche Immobilien sind auch bei uns über die Erwartungen hinaus gestiegen. Das Angebot kann die hohe Nachfrage im Moment nicht bedienen und wir sehen kurzfristig kein Ende beim Preisanstieg. Voraussetzung für eine „Blase“ wäre jedoch eine deutliche Überbewertung von Immobilien in Ballungsräumen als Folge einer über die üblichen Marktmechanismen (Angebot und Nachfrage) hinaus angeheizten Nachfrage – zum Beispiel durch leichtfertige Kreditvergabe, Niedrigzinsen sowie einen in spekulativer Erwartung über den Bedarf hinausgehenden Wohnungsneubau. All das trifft auf unsere Region nicht zu.

Experten gehen von weiteren Preissteigerungen am regionalen Immobilienmarkt aus, auch von leicht steigenden Zinsen. Ist da der Kauf eines Eigenheims noch ein realistisches Vorhaben? Oder einer Immobilie als Kapitalanlage?

Maierthaler: Das Eigenheim ist in unserer Region weiterhin möglich und sinnvoll. Neben einem gesunden Eigenkapitaleinsatz von etwa 20 Prozent sollte die Finanzierung auch nach Ende der Zinsbindung mit dann eventuell höheren Zinsen tragbar bleiben. Die Immobilie als Kapitalanlage hat hingegen aktuell ein wenig an Attraktivität verloren. Eine Bruttomietrendite von derzeit unter drei Prozent stößt auf hohe Anschaffungspreise und Einstiegskosten von bis zu zehn Prozent und es stehen Risiken wie Mietausfall oder Reparaturkosten gegenüber. Ob nach Steuer und Kosten hier noch eine positive Rendite erzielt werden kann, hängt letztendlich von der Qualität der Immobilie und der Mieter ab.

Vom Betongold zum „echten“ Gold: Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Gold 2018 und darüber hinaus?

Born: Investoren in die „Krisenwährung“ Gold blickten letztes Jahr neidisch auf die Entwicklung der Aktienmärkte. Denn die von vielen beschworene Tendenz in Richtung Sachwerte fand 2017 in Maßen zwar statt, aber nicht bei Gold. Solange das billige Geld der Notenbanken zu einer boomenden Wirtschaft führt, rechnen wir nicht mit großen Sprüngen bei den Edelmetallen. Der Fokus auf Gold wird erst in den Jahren 2019 bis 2020 liegen, wenn das Interesse beispielsweise durch politische und internationale Krisen oder Ängste geschürt wird.

Können digitale Währungen wie der Bitcoin dem Gold Konkurrenz machen?

Born: Man muss die Entwicklung von Kryptowährungen durchaus im Auge behalten. Die enorme Wertsteigerung des Bitcoins, aber auch die großen Kursschwankungen deuten darauf hin, dass die Leute den Bitcoin nicht für die Wertaufbewahrung oder als Zahlungsmittel, sondern als Spekulationsobjekt sehen. Somit besteht auch die Gefahr eines Totalverlusts, wenn der Bitcoin abstürzen sollte. Allgemein werden digitale Währungen auch in Zukunft eine Rolle spielen. Welche, ist schwer vorherzusagen. Aus heutiger Sicht sollte man – wenn überhaupt – nur mit kleinen Beträgen seines Vermögens in Bitcoins oder andere Digitalwährungen investieren.

Banken sind heute einem steigenden Innovations- und Digitalisierungsdruck ausgesetzt. Was tut sich bei der Sparkasse dahingehend?

Maierthaler: Wir sind begeistert von den großartigen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist hier zukunftsweisend unterwegs. Die Sparkassen-Apps sind die meistgenutzte mobile Banking-Lösung in Deutschland. Gemeinsam mit der deutschen Kreditwirtschaft haben wir paydirekt, ein sicheres Online-Zahlverfahren auf den Weg gebracht. Mit Kwitt kann man supereinfach und sicher ohne TAN Geld von Handy zu Handy senden. Wir arbeiten immer mehr mit digitalen Schnittstellen in der Beratung. Unsere Kunden können in Kürze ganz einfach mit Video-Legitimation online Konten eröffnen. Sie werden mobil, also mit dem Handy, bezahlen können. Die digitalen Services der Sparkasse werden auch über den Zahlungsverkehr hinausgehen: Wir werden im Online-Banking mit dem eSafe einen digitalen Tresor zur sicheren Verwahrung von Dokumenten zur Verfügung stellen.

Geben Sie uns einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling.

Maierthaler: Unsere Sparkasse wird weiterhin nachhaltig wirtschaften und gezielt in die Zukunft investieren. Änderungen in der Filialstruktur sind derzeit nicht geplant. Wir bleiben persönlich in der Nähe unserer Kunden. Persönlich heißt auch, dass wir weiterhin mit hohen Investitionen in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter, in die ganzheitliche Beratung planen. Wir haben zum Beispiel ein nagelneues Heilberufecenter mit einem Spezialistenteam für die Bedürfnisse von Medizinern für die Region eingerichtet. Am stärksten wird uns die Digitalisierung begleiten. Interview: Elisabeth Sennhenn

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