Rosenheim – Um 9,5 Prozent legte das Kundenvolumen 2017 zu und lag zuletzt bei 10,3 Milliarden Euro, wie Vorstandsvorsitzender Hubert Kamml bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz bekannt gab. „Dieses Wachstum ist einzigartig in der Geschichte der Bank.“ Mit einer Bilanzsumme von 4,9 Milliarden Euro und Eigenkapital in Höhe von 625 Millionen Euro liege die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG deutlich über dem Durchschnitt der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern und Deutschland. „Das Institut ist somit weiterhin die größte Primärgenossenschaft im Freistaat und die Nummer neun in der Bundesrepublik.“
Steigerungen in allen Geschäftsbereichen
Das Kundenkreditvolumen steigerte sich 2017 um neun Prozent auf rund 3,6 Milliarden Euro: 928 Millionen Euro an Neukrediten wurden für über 4700 private und gewerbliche Investitionen ausgegeben (2016: 867 Millionen Euro), wie Vorstand Dr. Walter Müller ausführte. Die Kundeneinlagen stiegen um 8,8 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Euro; bei den Wertpapieren erreichte man ein Volumen von knapp 1,5 Milliarden (+ 13,3 Prozent). Eine Umsatzsteigerung um 3,9 Prozent auf 6,5 Millionen Euro erreichten auch die Raiffeisen-Lagerhäuser in Prutting und Inzell, wie Vorstand Roland Seidl aufzeigte. Der Baustoff- und Raiffeisen-Gartenmarkt sei bei den Kunden sehr gefragt. „Im Agrarbereich haben sich die Preise gegenüber dem Vorjahr wieder stabilisiert.“ Über ein „Mehr“ freut sich der Vorstand auch bei den Genossenschaftsmitgliedern: Mit 3633 neuen Teilhabern liegt die Zahl der Mitglieder aktuell bei 78737.
Das Jahr 2017 war für die Genossenschaftsbank mit 68 Geschäftsstellen erfolgreich, aber nicht ohne Herausforderungen. So habe man in Rosenheim die US-Politik kritisch verfolgt und tue es auch weiter. Ebenso sehe man mit Sorge, dass zwar die Bruttoinlandsprodukte der EU-Länder wachsen, zugleich jedoch der Nationalismus zunehme und nach wie vor zu viele „faule Kredite“ die Stabilität in Europa gefährdeten. Kamml betonte in diesem Zusammenhang, dass es nicht im Interesse der „gut aufgestellten“ EU-Länder sein könne, die Einlagensicherung zu vergemeinschaften. Vorsichtig optimistisch zeigte er sich beim Thema Zinsen. Eine geldpolitische Trendwende werde zwar 2018 noch nicht wirklich spürbar sein; jedoch habe die Europäische Zentralbank erst vor zwei Tagen erstmals Zeichen gegeben, ihr Ankaufprogramm bis Herbst 2018 senken zu wollen.
Positiv bewertet der Vorstand der Bank, dass nun in Deutschland ein Ende der Regierungsbildung in Sicht ist. Ein rotes Tuch dagegen sind für die Genossenschaftsbank so manche neuen Gesetze, die sich als „Bürokratiemonster“ erwiesen hätten, wie das 2017 eingeführte Entgelttransparenzgesetz. „Bei uns gibt es keinen Unterschied bei den Gehältern von männlichen und weiblichen Mitarbeitern“, betonte Kamml. Die rund 1000 Mitarbeiter, darunter 95 Auszubildende, hätten 2017 Aus- und Weiterbildungen im Wert von 500000 Euro wahrgenommen. „Sie haben es geschafft, trotz der Mehrarbeit durch unsere Fusion mit der Raiffeisenbank Höhenkirchen und Umgebung die Geschäfte zu steigern“, lobte Kamml und beschrieb damit einen der Höhepunkte 2017..
Wertschöpfung in der Region stärken
Dazu dürfte auch die „AA“-Bewertung der Bank durch die Kredit-Ratingagentur Standard & Poor´s gehören: „Damit stehen wir auf Platz zwei gleich nach der Bundesrepublik“, so Vorstandsmitglied Müller. Letztlich sei diese Bewertung ein Signal für die Kunden, dass ihr Vermögen bei der Bank sicher ist. Auch Strafzinsen gebe man nach wie vor nicht an diese weiter.
Das Augenmerk der Bank liegt eindeutig auf der Region, wie stellvertretender Vorstandssprecher Mirko Gruber verdeutlichte: „Wir beschäftigen Mitarbeiter aus der Region und zahlen an sie 39 Millionen Euro Löhne und Gehälter.“ Der Region kämen durch die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG neun Millionen Euro Gewerbesteuer sowie neun Millionen an Investitionen zu Gute. Investieren will das Geldhaus in den kommenden Jahren unter anderem in den Neubau der Hauptgeschäftsstelle in der Rosenheimer Bahnhofstraße, mit dem sie den Standort stärken will.
Viele digitale Entwicklungen
Mit ihren digitalen Strategien möchte sich die Bank vor allem Rückenwind verschaffen, um diejenigen Kunden zu erreichen, die nur mehr einmal im Jahr eine Geschäftsstelle betreten, den Kontakt mit der Bank aber über andere Kanäle halten. Beispielsweise, in dem sie ihre Bankgeschäfte vor allem mobil per Handy (zehn- bis 18-mal im Monat) und online (sieben bis zwölfmal im Monat) abwickeln.
„Wir passen unser Konzept diesem veränderten Kundenverhalten an, nicht zuletzt durch unser Innovationsmanagement im Haus, das laufend neue digitale Möglichkeiten testet“, so Kamml. Aktuelle Entwicklungen seien etwa „MeinInvest“, der digitale Anlage-Assistent für Kunden, seit Januar am Start. Oder die virtuelle Giro- und Kreditkarte, eine eigene Anwendung für die Sprachbox Alexa oder die iPad-Kasse für Geschäftskunden.
Wer es dennoch gern analog hat, braucht sich keine Sorgen zu machen: Der persönliche Berater, so die Vorstandsrunde abschließend, bleibe als Ansprechpartner in allen Belangen erhalten.