Rosenheim – Fest in der Hand der Amerikaner war das Rosenheimer Gewerbegebiet „Am Oberfeld“ bei der Einweihung des 16. Standorts von UL in Deutschland. Englisch statt Deutsch war die beherrschende Sprache – kein Problem für die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin Ilse Aigner, die für eine kurze Ansprache die Haushaltsberatungen im Landtag verlassen hatte, und für Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer.
Standort Deutschland schon lange im Fokus
Aus den USA und Singapur war eine Abordnung der UL-Firmenleitung nach Rosenheim gereist. Höchste Repräsentanten: die Präsidenten Sejeev Jesudas und Ben Miller sowie Vizepräsident Christopher E. Hasbrook.
Vom Trumpschen Protektionismus, der derzeit die Akteure der Weltwirtschaft beunruhigt, war bei der Eröffnung des neuen Standorts in Rosenheim nichts zu spüren. America first? Die Vertreter von UL denken und handeln angesichts der Präsenz mit 166 Standorten in 44 Ländern international – und setzen bei ihren globalen Unternehmensstrategien intensiv auf den Standort Deutschland. Von hier aus betreut UL als Dienstleister über 600 Kunden. Das neue Brandprüflabor in Rosenheim bietet Unternehmen „die einmalige Gelegenheit, in einem einzelnen Prüfverfahren die Eignung ihrer Produkte sowohl für europäische als auch für nordamerikanische Standards zu zertifizieren“, betonte Hasbrook. „Dadurch wird Deutschland das neue europäische Zentrum für Prüfung und Zertifizierung von Bauprodukten für weltweite Märkte“, ergänzte Ingo Rübenach, Vizepräsident für das Geschäft in Zentral-, Ost- und Südeuropa. Die Entscheidung für den Standort Rosenheim fiel bereits 2015. Den Ausschlag gab nicht nur die strategisch gute Lage zwischen München und Salzburg direkt an der Autobahnausfahrt und der Einsatz der städtischen Wirtschaftsförderung für die Ansiedlung, sondern auch die „Geburtshilfe“ durch das Institut für Fenstertechnik (IfT).
Keine Angaben zur Investitionssumme
Es hat in direkter Nachbarschaft des neuen UL-Gebäudes ein Technologiezentrum für Zertifizierungen errichtet und arbeitet eng mit UL zusammen. Gemeinsam will man neue Märkte erschließen, kündigte Miller bei der Eröffnung des 3000 Quadratmeter großen Labors an. Am neuen Standort werden erst einmal ein knappes Dutzend Mitarbeiter beschäftigt sein. In Rosenheim erhalten Hersteller und Systemgeber die Möglichkeit, auf kurzen Wegen ihre Produkte von beiden Dienstleistern an einem Standort prüfen und zertifizieren zu lassen. Zur Investitionssumme für Rosenheim gab es von UL auf Anfrage keine Informationen.
Der Schwerpunkt des neuen Labors liegt auf dem Brandschutz – in der Öffentlichkeit spätestens seit der Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen im Jahr 1996 im Fokus der Sicherheitsbestrebungen. Damals waren 17 Menschen ums Leben gekommen. Später hatte sich herausgestellt, dass man schon beim Flughafenbau aus Kostengründen auf ausreichend brandsichere Baustoffe verzichtet hat. Der Brand löste breit angelegte Diskussionen aus und nicht zuletzt erhöhte Anforderungen an den Brandschutz.
Erforderlich sind inzwischen komplexe Prüfungen von Materialien auf Entzündbarkeit, Brandweiterleitung, Rauchschutz und Feuerbeständigkeit.
Kräftig gezündelt wird ab sofort in den riesigen Brandöfen für Baumaterialien und Baukörper im UL-Labor in Rosenheim – im Auftrag der Sicherheit. Vertreter der Rosenheimer Feuerwehr gehörten deshalb zu den Gästen der Einweihung mit 200 geladenen Teilnehmern, darunter solche eines internationalen Brandschutzsymposiums für die Baubranche.
Zugang zu globalen Märkten eröffnen
„Normierungen sind die Schmierstoffe für die Globalisierung“, zeigte sich Friedrich Hecker von UL Deutschland bei der Einweihung des neuen Unternehmensstandorts überzeugt. Zertifizierungen und Standardisierungen würden die Zulassung von Produkten auf globalen Märkten erleichtern, also eine Art Eintrittskarte auf den Weltmarkt darstellen. Ohne Prüfzeichen, vor allem, wenn es um Sicherheitsaspekte wie den Brandschutz geht, lässt sich heute kein Produkt mehr international platzieren.
Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg statt Abschottung lautet deshalb nach Überzeugung der Einweihungsgäste die Botschaft der Zeit. Erst recht für das stark exportorientierte Bayern, wie Wirtschaftsministerin Aigner betonte. Die Stadt Rosenheim, laut dem Magazin Focus die Nummer eins in Deutschland in puncto Gründerdynamik, biete gute Rahmenbedingungen, zeigte sich die Oberbürgermeisterin überzeugt.