Rosenheim/Mühldorf – Ein Handwerker kommt nicht mehr zu seiner Baustelle. Der Grund: Sein Arbeitsfahrzeug entspricht nicht den Richtlinien der aktuell geltenden Euro-6-Norm. Aufgrund des Diesel-Fahrverbots darf er nicht mehr in die Münchener Innenstadt fahren. Dort wurden in den vergangenen Jahren oft hohe Überschreitungen der Grenzwerte von Feinstaub- und Stickoxid gemessen. Ein solches Szenario könnte zur Realität werden.
In der Region werden noch keine allzu großen Bedenken wegen eines möglichen Diesel-Fahrverbots laut: „Es muss jetzt erst einmal abgewartet werden; Ausnahmeregelungen muss es auf jeden Fall geben“, ist das, was die meisten Ansprechpartner auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen zum Thema sagen.
Andreas Holzner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rosenheim führt an: „Für die Handwerker in Rosenheim und der Region wäre ein Fahrverbot ohne Ausnahmeregelungen sehr verhängnisvoll.“ Er geht davon aus, dass es solche Ausnahmen geben wird, da der Verbraucher auf handwerkliche Dienstleistungen angewiesen sei. Auf die Frage, ob die Sperrung einzelner Straßen zielführend wäre, entgegnet er, der Verkehr würde dann eben auf andere Straßen ausweichen. Außerdem, sagt er, müsse man überdenken, ob die derzeitigen Grenzwerte von 40 Milligramm noch angebracht seien. Ähnlich äußert sich Markus Saller, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mühldorf. Er verweist zudem darauf, dass sich die Politik in der Vergangenheit für den Diesel stark gemacht habe. Hinzu kommt für ihn, dass es bisher zwar ein Gerichtsurteil vom Februar gebe, aber eine Begründung noch ausstehe. Diese sei notwendig, um weitere Rückschlüsse ziehen zu können.
Viele Nutzfahrzeuge gibt es nur als Diesel
In der Automobilbranche herrscht ein geteiltes Meinungsbild. Jan Hafner, Service-Berater der Auto Vertrieb GmbH in Raubling sagt, der Kauf von Diesel-Fahrzeugen sei in letzter Zeit stark zurückgegangen. Viele Firmen rüsteten auf Benziner um. Dennoch hält er die Konsequenzen für die Firmen, die im Moment noch mit Diesel fahren, für „nicht so drastisch“. Die meisten Firmen würden ihre Autos leasen. Ein Leasingvertrag laufe in der Regel zwischen zwei und vier Jahren. Nach Auslauf eines Vertrags könne der neue Vertrag für einen Benziner abgeschlossen werden. Im Notfall gäbe es auch noch die Möglichkeit, einen Leasingvertrag gegen eine Gebühr früher aufzulösen.
Anders sieht das Manuel Denk, Ansprechpartner im Verkauf der Fuhrmann Fahrzeuge in Erharting: „Es kann bisher kein Verkaufsrückgang beobachtet werden, da im Transportersegment üblicherweise nur Dieselfahrzeuge verkauft werden.“ Auch bei der Auto Eder GmbH in Tuntenhausen merkt man nach Angaben des Unternehmens bisher noch keine großen Veränderungen am Absatzmarkt.
Gemischt sind die Meinungen der Handwerksbetriebe in der Region. Robert Daxeder, Geschäftsführer des gleichnamigen Rosenheimer Bauunternehmens, ist der Meinung, dass die Fahrzeuge der Bauarbeiter nicht mit dem laufenden Verkehr gleichzusetzen sind. Denn mit diesen würden die Arbeiter teils nur zu einer Baustelle fahren und das Fahrzeug dann oft nicht weiter benötigen. Er bemerkt, dass es derzeit noch keine umweltfreundlicheren Fahrzeugalternativen für die Baubranche gebe.
Ist das Nachrüsten des Motors eine Möglichkeit, um dieses Problem zu lösen? Der ADAC informiert, dass eine Nachrüstung im Moment noch nicht möglich sei und weiterer Entwicklung bedürfe. Eine Lösung hat hier der Heizungs- und Sanitärspezialist Demmel GmbH aus Bad Aibling gefunden: „Unser Fuhrpark besteht nicht nur aus Dieselfahrzeugen. Bei Aufträgen in München wird dann eben ein Benziner gefahren.“
Autohersteller mehr in die Pflicht nehmen
Christian Schwalm, Pressesprecher der Stadt Rosenheim, nennt einen weiteren Aspekt, warum im Moment noch Abwarten angesagt sei: „Rosenheim wird von einem Dieselfahrverbot in nächster Zeit nicht betroffen sein, denn bei uns gibt es keine Messstation.“ Astrid Reber von der Wirtschaftsförderung Mühldorf ergänzt: „Die Anordnung zonaler oder streckenbezogener Verkehrsverbote für Diesel-Kraftfahrzeuge lediglich auf städtischen Straßen wird nicht zielführend sein.“ Zudem verweist sie auf die Stellungnahme des Bayerischen Städtetags. Darin heißt es, dass nicht nur die Städte zur Verantwortung herangezogen werden müssten, sondern vor allem die Autohersteller.Ines Rossteuscher