Prien – Madita Draing, 21 Jahre jung, lächelt nicht nur von Berufs wegen. Als angehende Hotelfachfrau ist sie zur Zeit im Restaurant des Priener Yachthotels, direkt am Seeufer gelegen, eingeteilt und lernt den Service-Bereich kennen. Ihr Lächeln kommt von Herzen, ist sie doch „sehr zufrieden“ mit ihrer Ausbildungswahl. Schließlich hat sie täglich mit vielen Gästen aus nah und fern zu tun und der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen macht ihr großen Spaß, wie sie erzählt.
Die gebürtige Kolbermoorerin hat zuvor eine Ausbildung zur tiermedizinischen Assistentin absolviert, wollte aber noch mehr mit Menschen zu tun haben und sattelte deshalb um. Ihre Schwester lernt ebenfalls Hotelfachfrau und schwärmte ihr so oft davon vor, dass sich Madita nach einem Schnuppertag ebenfalls zur Ausbildung als Hotelfachfrau entschloss.
Für diesen Beruf braucht es allerdings einige Voraussetzungen, so stellvertretende Hoteldirektorin Sabrina Friedl, die zum Gespräch dazustößt. Man müsse „belastbar, flexibel, spontan und charmant“ sein, dazu noch „eine Prise Humor und Freude am Gast“ mitbringen.
Wohnen im Personalhaus nebenan
Kenntnisse einer oder mehrerer Fremdsprachen, vorzugsweise Englisch, sowie ein gepflegtes Erscheinungsbild und gute Umgangsformen seien generell wichtiger als der Schulabschluss. Hier reiche meist der Hauptschulabschluss.
Die Ausbildung dauert normalerweise drei Jahre, Draing konnte aber auf 2,5 Jahre verkürzen und durchläuft nun die verschiedenen Hotelabteilungen. Vier Monate hat sie bereits in der Küche mitgearbeitet, für ein halbes Jahr lernt sie nun den Service-Bereich des Restaurants kennen, ehe es „nach oben“ geht, wie es im Hotel-Jargon heißt.
Die angehende Hotelfachfrau wird dann noch als Zimmermädchen Hotelzimmer herrichten und kontrollieren, an der Rezeption und an der Bar stehen und in der Abteilung Bankett für Veranstaltungen mitverantwortlich sein. Dazwischen hat sie immer wieder Blockunterricht an der Berufsschule in Rosenheim.
Und wie hält sie es mit dem Pendeln von Kolbermoor nach Prien? „Das muss ich nicht“, erzählt sie. Sie wohne ja im Personalhaus. Anders wäre beispielsweise ihr Restaurant-Schicht-Dienst sehr beschwerlich. Madita steht eine Woche von sechs Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags für die Gäste bereit, in der nächsten Woche arbeitet sie „Teil-Schicht“ von neun Uhr morgens bis 21 Uhr. Zwischendurch hat sie drei Stunden frei; in der dritten Schicht arbeitet sie von 15 bis 23.30 Uhr.
Sabrina Friedel merkt an, dass diese Abendschicht aber nur für Volljährige gelte. Für unter 18-Jährige greife der Jugendschutz, diese arbeiteten dann „nur“ von zwölf Uhr mittags bis 21 Uhr.
„Anfangs habe ich mich im Restaurant schwergetan. Wo gehören welche Gläser hin, wie kann ich mehrere Teller auf einmal tragen?“ berichtet Draing. Inzwischen gehe ihr das aber schon sehr viel leichter von der Hand, „wir üben das ja in der Berufsschule, und außerdem steht anfangs im Restaurant noch eine erfahrene Kraft im Hintergrund.“ Die Berufsaussichten nach der Ausbildung sind durchaus rosig. So können Hotelfachkräfte am Front Office, der Rezeption, der Reservierung, dem Housekeeping oder dem Verkauf arbeiten. Zudem ist es in kaum einer anderen Branche möglich, so schnell die Karriereleiter emporzusteigen wie in der Hotellerie, heißt es. Auch in jungen Jahren kann man demnach die Position eines Abteilungsleiters und später eines Hoteldirektors erreichen.
Arbeiten in Hotels
auf der ganzen Welt
Es gibt zahlreiche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, wie etwa Fachseminare, Hotelfachschulen im In- und Ausland und Meisterkurse. Und: Hotelfachleute können nach ihrer Ausbildung in Hotels auf der ganzen Welt arbeiten, denn die Abteilungen, Abläufe und Strukturen sind zum größten Teil überall gleich.
Kein Wunder, dass der Beruf des Hotelfachmanns beziehungsweise der Hotelfachfrau begehrt ist. Hoteldirektorin Friedl erzählt, dass seit Herbst 2017 16 Azubis im Yachthotel lernen, und dass für das kommende Ausbildungsjahr schon sieben Bewerber angenommen wurden. Draing will bei ihrer Ausbildungswahl bleiben, auch wenn sie erst am Anfang ihres Berufslebens steht.