Die Übersicht zeigt: Der Anteil an gewerblich beziehungsweise betrieblich genutzter Fläche ist derzeit der geringste im Landkreis Mühldorf. IHK, Daten: Bayerisches Landesamt für Statistik
Mühldorf/Altötting – Wenn es ums Thema Flächenverbrauch durch Gewerbe und Industrie geht und um den vermeintlichen „Flächenfraß“, bittet Ingrid Obermeier-Osl, Vizepräsidentin der IHK für München und Oberbayern, „die Kirche im Dorf zu lassen“.
Bei einer ersten Veranstaltung von mehreren geplanten der Industrie- und Handelskammer in Mühldorf zum Themenschwerpunkt Flächenverbrauch sprach sie sich gestern für eine realistische Betrachtung der tatsächlich verbrauchten Flächen in Mühldorf und Altötting aus: „Unsere Landkreise sind grün. In Altötting sind nahezu 87 Prozent der Flächen entweder Natur oder werden landwirtschaftlich genutzt, in Mühldorf sogar zu fast 90 Prozent“, erklärte sie unter Berufung auf Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik. Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen beanspruchten demnach Ende 2016 (neuester Stand) zusammen lediglich 1,4 Prozent in Altötting und ein Prozent in Mühldorf. Der von Medien und Politik oft benutzte Begriff „Flächenfraß“ sei irreführend, so Obermeier-Osl: „Flächen können nicht verschwinden. Was sich ändert, ist die Nutzung.“
Betriebe nicht zum Abwandern zwingen
In den Landkreisen gehe man sorgsam mit der knappen Ressource Fläche um, wie die Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses vor den Gästen aus Wirtschaft, Medien und Kommunalpolitik betonte: „Obwohl die Wirtschaftsleistung und die Zahl der Beschäftigten in der Region konstant zugenommen haben, ist der Anteil von Gewerbe- und Industrieflächen an den Gebietsflächen zwischen 2011 und 2015 nur unmerklich gestiegen. Die Produktivität je Hektar Gewerbefläche hat also zugenommen.“ Sie warb für einen flexiblen Umgang mit den Wünschen der lokalen Unternehmen, „ansonsten orientieren sich die Betriebe langfristig dorthin, wo die Standortfaktoren besser sind“. Die IHK lehne indes pauschale Flächen-Obergrenzen ab: „Sie berücksichtigt weder vorhandene Unterschiede zwischen Stadt und Land, noch die Anforderungen der verschiedenen Nutzungsarten.“ Sie plädierte für verschiedene Maßnahmen, welche die Kommunen im Interesse der regionalen Wirtschaft umsetzen könnten, etwa ein aktives Flächenmanagement. Wir berichten in Kürze über den weiteren Verlauf des IHK-Themenschwerpunkts, der in Rosenheim und Traunstein fortgesetzt werden soll.sen