Traunstein –Mit innovativen Online-Strategien für den Einzelhandel beschäftigte sich das Regionalmanagement der Wirtschaftsförderungs GmbH (WiFö) des Landkreises Traunstein bei einem Diskussionsabend in der Wirtschaftsschule Dr. Kalscheuer. Dr. Ernst Stahl stellte als Referent eine ganze Reihe geeigneter „Online-Werkzeuge“ vor. Der Betriebswirt und Kenner des E-Business ist Direktor des an der Universität Regensburg angesiedelten Beratungs- und Forschungsinstituts der ibi research GmbH. Der Traunsteiner und Sohn von Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl ist auch mit den Verhältnissen in seiner Geburtsstadt bestens vertraut.
Anhand von Studienergebnissen für das Wirtschaftsministerium machte Stahl deutlich, dass bis 2023 rund ein Viertel des Umsatzes im Einzelhandel online abgewickelt werde. Angesichts wachsender Geschäftsleerstände in den Innenstädten zeige sich, dass der rein stationäre Einzelhandel eine schwierige Zukunft vor sich habe. Nach Einschätzung des deutschen Handelsverbands könnten bis 2020 rund 50000 Standorte wegfallen. Gefragt sind demnach Verbundstrategien von Handel, Politik und Städten und Händlerzusammenschlüsse für intelligente Online-Auftritte. Umgekehrt, so Stahl, „gelten auch im Online-Handel die Regeln der Ökonomie“, sodass hier mit einem erheblichen Einsatz von Zeit und Geld zu rechnen sei. Die Bandbreite der Möglichkeiten zeigte der Experte anhand unterschiedlicher Möglichkeiten auf. Diese reichten vom kostenlosen Eintrag im Google-Portal „My Business“, bis hin zur reinen Spezialisierung aufs Internet-Geschäft. Bei Information und Beratung, Kauf, Reklamation oder Serviceinanspruchnahme für ein Produkt nutze der Kunde immer stärker unterschiedliche Kanäle. Darauf müsse das einzelne Geschäft oder ein Geschäftsverbund reagieren und seinen Mehrwert online durch bestimmte Serviceleistungen deutlich machen.
Amazon & Ebay als Händler nutzen
Stahl verwies unter anderem auf das Beispiel eines Einzelhändlers, der mit seinem Onlineauftritt als Hobbykoch und Grillexperte neue Kunden anspricht und so 5000 Zusatzbestellungen im Jahr generieren konnte. Ergänzend zeigte er, wie ein überregionaler Modeversand mit regionalen Schuhhändlern für die Auslieferung auf kürzestem Weg kooperiert, welche Möglichkeiten Amazon und Ebay als Plattformen für das Geschäft von Einzelhändlern bieten und wie effektiv die Online-Auftritte regionaler Händler-Zusammenschlüsse in unterschiedlichen Städten sind. Durchschnittlich stieg hier der Umsatz um fünf Prozent, so ein Ergebnis. „Online zumindest präsent zu sein, daran führt künftig kein Weg vorbei“, so sein Fazit.
Stahl ermunterte zur Weiterbildung des Personals in Sachen Online-Handel, weil der Kunde durch das Internet oft „sehr gut informiert“ ins Geschäft komme. Auch Einkaufsgewohnheiten im Internet würden sich auf den Einzelhandel übertragen, etwa der Anspruch an besondere Serviceangebote beim Umtausch setze Einzelhändler stark unter Druck.
Zum Abschluss berichtete Start-up-Geschäftsführerin Mora Netopil aus Traunreut über die Erfahrungen mit dem neuen Online-Regionalportal Regiona.shop. Die Plattform bietet bereits 20 renommierten Unternehmen aus der Region die Möglichkeit, sich zu präsentieren und weitere Dienstleistungen zur Online-Vermarktung in Anspruch zu nehmen.