Rosenheim – Der Erfolg kam für Marcus Häusler mit einer Sache, die er eigentlich zunächst gar nicht machen wollte. Ob er mit seiner Erfahrung Trainingslager für Amateurmannschaften organisieren könne, wurde der Rosenheimer Ex-Kicker und Betreiber eines gut besuchten Onlineportals für Amateurfußball immer wieder gefragt.
Das war vor gut 15 Jahren. Inzwischen hat er sich genau damit eine echte Nische geschaffen und mit „Soccatours“ einen besonderen Sportreiseveranstalter entwickelt.
Jede Mannschaft hat andere Ziele
Jährlich organisiert Häuslers Unternehmen, mittlerweile mit über 20 Mitarbeitern, mehrere Hundert Sportgruppenreisen in Mittel- und Südeuropa für Mannschaften aus dem deutschsprachigen Raum. Fußballer bilden für Soccatours dabei die größte Kundengruppe, gefolgt von Tennisspielern, Basket- und Handballern, Schwimmern und Leichtathleten. Vom Jugendverein bis zum hochambitionierten Amateurclub, zunehmend auch Profimannschaften – Häusler und sein Team schaffen für jede Truppe möglichst perfekte Bedingungen.
Wer bei Soccatours bucht, hat sich ein Saisonziel gesetzt: Die Einen wollen gezielt trainieren, um den Abstieg zu verhindern, oder sie wollen oben mitspielen, vielleicht sogar Meister werden.
Andere wollen den Tapetenwechsel, um das Mannschaftsgefüge zu stärken oder um die einzelnen Spieler gezielt zu verbessern. Häusler – der als einer von nur sechs deutschen FIFA Match Agents dazu legitimiert ist, weltweit Freundschaftsspiele von Amateurteams, Proficlubs und Nationalmannschaften zu organisieren – schildert die oft komplexe Zusammenarbeit mit den Trainern, von denen viele sehr genaue Vorstellungen hätten vom Ablauf des Trainingslagers: Wann wird was gegessen, wann trainiert, wie sieht das Physiotherapieangebot aus, wie weit ist es zum Platz?. Ob am Gardasee, in Spanien, Kroatien, in Ägypten, Dubai oder in Österreich (um nur ein paar der Destinationen zu nennen) hat Soccatours Ansprechpartner („unsere Local Heroes“) lokaler Vereine, die vor Ort oft Gold wert seien, allein wegen der Landessprache.
In Italien, Kroatien und Tschechien unterhält Soccatours Tochterfirmen mit eigenen, festangestellten Mitarbeitern. Auch in Kroatien und in Tschechien ist die Agentur vertreten. Wichtig ist die Präsenz vor Ort, damit alles rund läuft und die gebuchten Trainingszeiten penibel eingehalten und Testspiele organisiert werden.
Denn egal, wo es hingeht für die Mannschaften, und egal, ob schon im September fürs nächste Jahr am 4. März um 8 Uhr morgens ein Rasen gebucht wurde, „es herrscht deutsche Disziplin“, schmunzelt Häusler. Schließlich komme es vor, dass bis zu zehn Mannschaften mit doppelt so vielen Trainingseinheiten oder Freundschaftsspielen gleichzeitig am Ort des Geschehens seien und das wolle koordiniert sein. Umgekehrt müssten auch die zahlenden Gäste aus Deutschland die Regeln an der Trainingsdestination achten. „Meistens läuft alles reibungslos – die Mannschaften bekommen ihr maßgeschneidertes Training und die lokalen Vereine haben übers Jahr zusätzliche Einnahmequellen, weil wir ihre Plätze unter Vertrag nehmen“, fasst Häusler zusammen.
Jetzt geht es auf die Sommersaison zu, eine Zeit, in der Mannschaften Reisen eher für Teambildungsmaßnahmen buchen; die Winterlager würden eher genutzt, um Technik und Taktik zu trainieren. Wie sich Trainingsbedingungen für die Spieler optimieren lassen, ist für Häusler ein „Lieblingsthema“. Drei Trainingswissenschaftler beschäftigt der Unternehmer in seinem Team. Mit ihnen feilt er gerade an einem neuen, digitalen Angebot zur individuellen Leistungsoptimierung, welches das i-Tüpfelchen eines jeden Trainingslagers werden soll.
In der Regel kommen Häuslers Kunden auf Empfehlung auf die Agentur zu – eine Mannschaft, die zufrieden war, ist immer noch die beste Werbung, findet man und setzt bewusst auf öffentlich einsehbare Bewertungen auf den eigenen Websites. Häusler sagt, „94,6 Prozent ehrliche Weiterempfehlungsquote“ sei ihm lieber als eher „unglaubwürdige 100 Prozent“.
1200 organisierte Trainingslager in 2017
Er wolle wissen, wo Kritikpunkte lägen, sonst könne man sich nicht verbessern. Und wenn es nur die Brötchen beim Frühstücksbuffet seien, die nicht geschmeckt hätten. Mit zuletzt 1200 organisierten Trainingslagern – mit 30 Lagern hat im ersten Unternehmensjahr alles angefangen – hat das Team also alle Hände voll zu tun, denn die Buchungen sind nur das Eine.
Beratung der Kunden und Kontaktpflege zu allen Netzwerkpartnern nehmen einen Großteil der Arbeit ein. Es gebe keine Destination, die man nicht schon selbst in Augen- schein genommen hätte: „Eine der wichtigsten Voraussetzungen, um das hohe Qualitätsniveau halten zu können.“
Häusler, dreifacher Vater und beizeiten selbst sportlich aktiv, hat noch viel vor mit Soccatours: „Unser Geschäftsfeld ist wie eine riesige Spielwiese, ich könnte jeden Tag an neuen Konzepten feilen.“ Die „geballte Trainingslagerkompetenz“ sei jetzt schon einzigartig in Europa, „vielleicht sogar weltweit.“