Buchbach –Es ist noch nicht lange her, da feierte man bei Bauer in Buchbach das 100-jährige Bestehen des Familienbetriebs, der größte seiner Art der deutschen Elektrobranche (wir berichteten). 2018 gibt es einen weiteren Höhepunkt der Firmengeschichte: Vor 50 Jahren übernahmen Franz und Franziska Bauer, die heutigen Senior-Chefs, den Betrieb und bauten ihn zur heutigen Größe aus. Franziska Bauer ist mit Sohn und Tochter weiterhin in der Geschäftsführung tätig. Ein Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen über Auf- und Umbruchzeiten.
Frau Bauer, 1968, das war das Jahr der Revolution, junge Leute gingen gegen das Establishment auf die Straße – Sie dagegen wählten mit Ihrem Mann den Weg ins Unternehmertum. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit?
Franziska Bauer: (Lächelt) Zumindest erinnere ich mich daran, dass die Studentenproteste nicht bis nach Buchbach vordrangen. Wir waren eher bodenständig, waren mit 20 Jahren verheiratet und hatten beide den Drang, etwas zu erschaffen. Wir wollten vorwärts kommen, uns aus unserer Tätigkeit heraus weiterbilden. Es war eine aufregende Zeit mit vielen Herausforderungen. Wir bauten zunächst eine Installationsabteilung auf und haben uns nach und nach neue Felder auf dem Gebiet der Elektrotechnik erschlossen. Am Anfang hatten wir zwei Mitarbeiter und einen Lehrling; nur einige Jahre später waren es schon 20 Angestellte.
Ihr Betrieb ist früh gewachsen. Überregional bekannt wurde Bauer Ende der 1980er-Jahre mit dem Großauftrag für die Elektrotechnik im neuen Flughafen München 2. Wie haben Sie diese Aufgabe bewältigt?
Franziska Bauer: Wir hatten den Mut, den Ehrgeiz und das gute Bauchgefühl, so ein Projekt mit unseren damals etwa 70 Mitarbeitern und weiteren stemmen zu können. Wir wussten um das technische Können unserer Mitarbeiter, aber auch, dass diese bei sämtlichen Herausforderungen uns zur Seite stehen und den vollen Einsatz geben würden. Für die elektrotechnischen Installationsarbeiten am Terminal 1 haben wir eine ARGE gegründet, bei welcher wir die kaufmännische Leitung hatten. Neben diesem Großauftrag wurden die gesamte Baustromversorgung des Flughafens und weitere Projekte übernommen. Dazu benötigten wir schließlich auch Nachunternehmer und kamen in Kontakt mit VEB Elektroanlagen Halle. Was wir damals noch nicht wissen konnten, war, dass dieser zu unserem ersten Standort außerhalb von Bayern werden sollte.
Sie haben das Thema Führungskräfte angesprochen –damals kamen sie offenbar aus den eigenen Reihen. Wie gewinnen Sie heute Führungskräfte für Ihre zwölf Standorte, wie halten Sie rund 1200 Mitarbeiter, verteilt über Deutschland, zusammen?
Franz Bauer: Nach wie vor geben wir Mitarbeitern aus den eigenen Reihen Chancen auf Führungspositionen, aber wir schätzen auch den frischen Wind, wenn von außen jemand Neues dazukommt. Insgesamt merken wir, dass es leichter ist, einen Posten in der Großstadt wie Hamburg oder Düsseldorf zu besetzen; sie aufs Land zu locken, ist nicht mehr so einfach.
Franziska Bauer: In diesen 50 Jahren, die ich in der Geschäftsführung bin, war es mir wichtig, mit der wachsenden Zahl der Standorte und Mitarbeiter eine Firmenphilosophie zu etablieren. Damit eine Gemeinschaft entsteht, die auch ein Bild nach draußen vermitteln kann. Wir wollten, dass bei uns ein „Bauer-Geist“ weht, den man auch da spürt, wo die Leute nicht mehr unter einem Dach arbeiten, etwa auf der Baustelle und in der Montage.
Wie würden Sie diesen „Bauer-Geist“ beschreiben?
Franziska Bauer: (lacht) Mein Steckenpferd! Es geht darum, jeden Mitarbeiter als Mensch so zu schätzen, wie er ist und ihn so zu behandeln, wie man selbst gern behandelt werden möchte. Wir wollen auch, dass sich die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen wohlfühlen und investieren viel in unsere Standorte. Als Geschäftsführer würde ich sagen, ist man selbst ein Glied in der Kette – man darf sich nicht für wichtiger halten als die anderen. Diese Einstellung war zum Beispiel sehr wichtig, als wir für unseren ersten Standort außerhalb Bayerns nach Ostdeutschland kamen.
Dort waren Sie unmittelbar nach dem Mauerfall aktiv. Viele Unternehmen sind am „Aufbau Ost“ gescheitert. Wie konnten Sie dort erfolgreich Fuß fassen?
Franziska Bauer: Zunächst sicher, indem wir auf die Menschen zugingen und sie in gewisser Weise an die Hand genommen haben. Erst mal war das Vertrauen wichtig. Der Abstand zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem war im Osten enorm, das wollten wir auflockern. Eine schöne Aufgabe.
Franz Bauer: Wir haben vor allem den Eindruck erhalten, wie die Menschen dort mit begrenzten Möglichkeiten vieles erreichten und dass ein unglaubliches Potenzial vorhanden ist. Es geht nicht immer nur um die marktwirtschaftliche Komponente, haben wir schnell gemerkt.
Das war um 1990. Jetzt befindet sich die Wirtschaft mitten in Zeiten des digitalen Wandels. Worin bestehen für Sie im Moment die größten Herausforderungen?
Franz Bauer: Neben dem großen Thema Stromversorgung vor dem Hintergrund des Erneuerbare-Energien-Gesetz ist das die Automatisierung in Gebäuden. Was in einem mit smarter Technologie ausgestatteten Einfamilienhaus noch gut zu überblicken und zu steuern ist, wird bei großen Liegenschaften schon schwieriger. Wenn etwa in einer Industrieanlage von der Raumtemperatur über den CO2-Gehalt in der Raumluft bis hin zur Gebäudebelüftung alles automatisiert läuft, befindet man sich schnell im Big-Data-Bereich und der Frage nach einem effizienten Management solcher Systeme. Das kann ein einzelner Mensch nicht mehr gewährleisten, das kann je nach Größe des Projekts nur ein Algorithmus. Was die Geschäftsfelder betrifft, wird die Sparte Sicherheitstechnik immer mehr zum Schlüsselfaktor.
Als großer Mittelständler haben Sie als Vorgesetzte auch die Aufgabe, Ihren Mitarbeitern Sicherheit und Orientierung zu vermitteln. Empfinden Sie das manchmal als Belastung?
Franziska Bauer: Nein, im Gegenteil, es war mir immer eine Freude. Selbst, wenn es oft bedeutet hat, sich Tag und Nacht mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen. Wir erleben im Gegenteil oft, dass Menschen sich bei uns gezielt mit dem Wunsch bewerben, bei einem Mittelständler zu arbeiten. Sie verbinden damit, mehr eigenverantwortlicher und freier agieren zu können und wollen sich weiterentwickeln.
Wie stellen Sie sich die Zukunft Ihres Unternehmens vor?
Franz Bauer: Ich bin kein Freund von Fünf-Jahres-Plänen, das ist mir zu theoretisch. In den vergangenen Jahren hatten wir ein durchschnittliches Wachstum von neun bis zehn Prozent und die Mitarbeiterzahl ist kontinuierlich gestiegen. Das muss nicht zwangsläufig so weitergehen – man muss dieses Niveau auch erst einmal halten. Wir wollen definitiv weitere Standorte eröffnen; im Januar 2018 haben wir SH Elektrotechnik in Traunreut mit 55 Mitarbeitern übernommen und in die Bauer-Gruppe als Standort integriert.