Rosenheim – Michael Offermanns hat europaweit schon Unternehmen saniert und wieder auf die Füße gebracht, er kennt zahlreiche Vorstände, unterhält ein branchenübergreifendes Netzwerk aus Experten aus Handel, (digitaler) Dienstleistung und Industrie. Jetzt sitzt er in einem kleinen, noch wenig repräsentativen Büro im digitalen Gründerzentrum in Rosenheim und erzählt von seinem neuen Projekt: Wizy, eine App, die Finanztransaktionen vereinfachen
Mit einem Ferienresort fing alles an
soll und dabei Systeme integriert, welche Mitbewerber nicht berücksichtigen, wie er sagt: „Viele, digitale Bezahlsysteme auf dem Markt sind noch nicht zu Ende gedacht.“ Wie so oft bei einem erfolgreichen, digitalen Start up, handelt es sich bei Wizy um eine Entwicklung, die sein Gründer zunächst gar nicht bewusst forciert hat. Alles habe mit einem Ferienresort in der Karibik begonnen, für den Offermanns, damals mit deutschen und österreichischen Geschäftspartnern als Marketing-Dienstleister tätig, eine bequeme Technologie zur Abwicklung von Zahlungstransaktionen finden sollte. „Wir beschlossen nach einiger Recherche, die Sache selbst in die Hand zu nehmen“, schildert Offermanns. Es entstand aus diesem Projekt das Unternehmen Wire-plus, abgeleitet vom englischen Wort „wire“, zu deutsch: „überweisen“, steht. Das „plus“ im Unternehmensnamen steht für drei Attribute, die technische Lösungen heute aufweisen sollten: Sie sollen nützlich und simpel sein und dank der einfachen Handhabung auch Freude bereiten. Die von Wire-plus auf den Markt gebrachte App vereinfacht Finanztransaktionen und verlagert, wie Offermanns beschreibt, die dafür notwendige Komplexität dorthin, „wo der Nutzer sie nicht wahrnimmt.“ Wizy verarbeitet jede Währung, verknüpft sich mit jedem Zahlungssystem und schließt jede Transaktion direkt und unmittelbar ab.
Außerdem erkennt die App automatisch Bonussysteme wie solche zum Punkte- oder Flugmeilensammeln. „Im Zeitalter von Web 4.0 und Mobile first müssen Datenaustausch und Prozesse vor allem eines sein: Schnell und sicher“, ist die Devise bei Wire-plus. Wizy wird zum Beispiel aufs Smartphone installiert. Oder auf eine eigene Bezahlkarte gespeichert. Das Unternehmen kooperiert dazu mit den Anbietern von Master- und VISA-Card.
Was der Verbraucher letztlich in der Hand hält, nennt sich „Wizycard“, was derzeit bereits zwei große Kunden von Wire-plus anbieten. Einer davon betreibt mehrere große Mode-Outletcenter. Das funktioniert so: Das Unternehmen gibt die „Wizycard“ auf Antrag an seine Kunden aus; diese profitieren von Bonusprogrammen und Rabattaktionen, zahlen ihre Ware digital. „Dafür brauchen sie nicht mal ein Konto und zahlen für die Transaktion auch keine Bankgebühren“, erzählt Offermanns, „eine Überweisung per Bank ist freilich trotzdem möglich. Auch per Bitcoin könnten die Kunden theoretisch bezahlen.“ Das Unternehmen, welches die Kundenkarte ausgibt, erhält Einblicke in das Kaufverhalten seiner Kunden, wenn die Karte für eine Zahlung verwendet wird und kann diese Daten für detaillierte Angebote nutzen.
Bei den Nutzern selbst erhebt Wizy keine Gebühren; jedoch verdient der Dienstleister Wire-plus an den monatlichen Zahlbeträgen einen Betrag von unter einem Prozent mit. Aktuell ist die App auch Teil der Londoner Touristen-App Roamm; es soll denjenigen der jährlich rund 30 Millionen Touristen, die Roamm nutzen, das Zahlen etwa von Restaurant- und Museumsbesuchen, Übernachtungen und Taxifahrten, erleichtern. Gleichzeitig werden wiederum Bonus- und Meilenprogramme automatisch erkannt sowie die Rückerstattung von Umsatzsteuer automatisiert vorbereitet.
Offermanns schüttelt immer noch den Kopf, wenn er an die jüngste Tourismuswirtschaft-Messe ITB in Berlin zurückdenkt: „Außer uns war kein einziger Zahlungsdienstleister dort vor Ort,“ womit einmal mehr die momentane Nischenstellung von Wire-plus unterstrichen werde.
Der Wahl-Wiener, der Rosenheim wegen seiner strategisch günstigen Lage, der investitionsfreudigen Stimmung am Kapitalmarkt und der Einrichtung des digitalen Gründerzentrums bewusst ausgesucht hat, betont die Finanzierung des Projekts aus Eigenmitteln: Er habe ein finanzstarkes Netz aus Geschäfts- und Vertriebspartnern; er selbst ist derzeit der einzige Angestellte. Das erklärt auch das kleine Büro: Die Ausgaben sollen schmal gehalten werden, damit die Marke Wizy umso besser wachsen könne –explizit testet man die Praxiserfahrungen gerade mit den beiden Großkunden, um dann „die Marke so schnell wie möglich am Markt zu etablieren“, bevor das übliche „Hase-und-Igel-Rennen“ in der FinTech-Branche losgehe.
Das Ziel: Eine große Kapitalrunde und mindestens in Europa Marktführer werden: „Wir werden sehr schnell wachsen“.