Alternative Systeme zur Energiespeicherung

Auf diesem Gebiet braucht es Pioniere

von Redaktion

Energie-Autarkie mit großen Batteriespeichern? Experten informierten in Trostberg an einem zukunftsweisenden Praxisbeispiel über Chancen und Risiken der neuen Technologie.

Trostberg – Bieten Batterie- und Großspeichersysteme künftig eine sinnvolle Alternative, um Privathaushalte, Kommunen und Unternehmen von wachsenden Stromkosten zu entlasten und die Sicherheit öffentlicher Stromnetze zu verbessern? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Energieagentur Südostbayern in Kooperation mit der IHK München und Oberbayern kürzlich im Rahmen eines Informationsabends in Trostberg.

Ingenieur Hans Urban aus Haag stellte die Technik und Wirtschaftlichkeit von Speichersystemen für private Hauseigentümer und für Gewerbe, Industrie und Stadtwerke vor. Er ist Fachberater für erneuerbare Energien und Elektromobilität. Gerade mit dem Blick auf die bis 2045 angepeilten Klimaschutzziele in Deutschland und das Vorantreiben der erneuerbaren Energien als Ersatz für fossile Energie seien Speichersysteme ein „unverzichtbarer Baustein“, erklärte er. Diese würden durch ihre Pufferwirkung auch dazu dienen, die durch Wind- und Fotovoltaikanlagen zunehmenden Leistungsschwankungen im öffentlichen Stromnetz auszugleichen.

Geld sparen bei Lastspitzen

Besonderes Augenmerk richtete Urban auf die Frage, inwiefern Speichersysteme gewerblichen und Industrieunternehmen helfen können, Strom und Geld zu sparen. Etwa, um Lastspitzen zu kappen, die mit einem sehr hohen Strompreis zu Buche schlagen würden. Durch vermiedene Netzentgelte und atypische Nutzungszeiten könne man etwa Rückvergütungen mit dem Netzbetreiber aushandeln. Weitere Vorteile von Stromspeichern sah Urban im Einsatz als Notstromaggregat und in Hybridkraftwerken sowie bei einigen sehr stromnetzspezifischen Lösungen. In jedem Fall, so der Experte weiter, rechne sich angesichts steigender Strompreise die Investition in eine Fotovoltaikanlage, gegebenenfalls mit Stromspeicher. Dies gelte besonders für Betriebe mit eigener E-Mobil-Flotte oder mit Schnellladeeinrichtungen für Kunden wie etwa bei Discountern. Dass sich Käufer und Verkäufer von Batteriespeichern aufgrund fehlender Gerichtsentscheide und Praxiserfahrungen noch in einer rechtlichen Grauzone bewegen, machte der Nürnberger Rechtsanwalt Andreas Gissendorf deutlich. Lieferabweichungen und Mängel, Verkehrssicherungspflicht und Gefahrenlagen brächten sowohl für den Verkäufer wie für den Käufer Probleme bei der rechtlichen Beurteilung dieses relativ neuen Rechtsgebietes mit sich. Einblick in die Praxiserfahrungen beim Einbau von Batteriespeichern gab Ulrich Bürger, Technikleiter bei der Firma Smart Power aus Feldkirchen bei München. Neben anderen Großanlagen zeigte Bürger am Beispiel des im Gebäude des ehemaligen Verlags Erdl in Trostberg installierten Energieverbundsystems mit Batteriespeicher, wie sich ein Autarkiegrad von über 90 Prozent bei der Stromversorgung erreichen lässt. Grundstützen zu diesem System sind demnach ein bereits installiertes Blockheizkraftwerk und eine Fotovoltaikanlage, die den Stromverbrauch von jährlich 400 MWh auf 38 MWh senken. Am Beispiel der Stadtwerke Trostberg machte Bürger deutlich, wie sich die Investition in einen gut eine Millionen Euro teuren Batteriespeicher mit einer Leistung von 1,5 MW rechnet. Durch Lastspitzenkappung und weitere Maßnahmen zur Stromvermarktung, so zeigte Bürger auf, lässt sich der Zeitraum zur Amortisierung von 8,5 auf fünf Jahre drücken. Die Stadtwerke gehören damit bundesweit zu den kommunalen Pionierunternehmen.

Zweites Akku-Leben

Was passiert mit den ausrangierten Alt-Akkus von E-Autos? Diese besitzen noch bis zu 80 Prozent der Neuleis-tung. Als „Second-Life-Batterien“ könnten die Stromspeicher zu einem Baustein der Energiewende werden. Wie so etwas aussieht, lässt sich im früheren Erdl-Verlag-Gebäude in Trostberg besichtigen. Dort lagert die Firma Smart Power rund 60 Module mit ausrangierten Elektro-Akkus. Deren Schutzgehäuse werden zerlegt und die Spei-chereinheiten mit einer Kapazität von etwa 2,2 kWh zu einer großen Speichereinheit zusammengebaut und in Reihe geschaltet. Dieser Großspeicher mit 1,2 MW und 1,4 MWh wird für die Stützung des lokalen und überregiona-len Netzes installiert. Seine Lebensdauer ist auf etwa zehn Jahre veranschlagt.

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