20 Jahre Logistik kompetenz zentrum in Prien

Die Lösungs-Finder vom Chiemsee

von Redaktion

Schiene, Straße, Wasser, Luft: Logistische Herausforderungen warten auf Mensch und Warenverkehr überall. Einer freut sich besonders darüber, knifflige Logistikprobleme zu lösen, wenn anderen nichts mehr einfällt: Karl Fischer, der in Prien das Logistik Kompetenz Zentrum leitet.

Prien – Zwei Jahrzehnte Priener Logistik Kompetenz Zentrum, kurz LKZ, das bedeutet 80 Mitarbeiter, 15 Unternehmen unter einem Dach, 25 Millionen Euro Umsatz im Jahr, jährlich rund 2000 Besucher aus aller Welt, über 30 namhafte Netzwerkpartner. Nicht zu vergessen die vielen Hundert internationalen Experten, die das vom LKZ initiierte Logistik Symposium in Prien besuchen, welches alle zwei Jahre im Wechsel mit der Messe „transport logistic“ stattfindet. Am 8. und 9. Mai ist es übrigens wieder so weit und das Symposium lädt zum bereits zehnten Mal – wieder ein Jubiläum. Branchenexperten aus ganz Europa zum gemeinsamen Erarbeiten innovativer Lösungen für den Kombinierten Transport ein. AlpInnoCT (Alpine Innovation for Combined Transport) heißt das neue, grenzüberschreitende Projekt, an dem Fischers Team federführend mit zahlreichen weiteren EU-Transportexperten beteiligt ist.

Logistik: Das ist das Themenfeld, auf dem sich Karl Fischer praktisch blind bewegen kann, einfach weil er ein absoluter Experte auf diesem Gebiet ist – im übertragenen Sinne freilich, ist er doch ein Projektmanager, der schon mal selbst beim Kunden das Steuer eines Lkw beim Verladeprozess übernimmt oder sich inkognito als „Praktikant“ tagelang unters Team mischt, bis alles so läuft, wie es laufen soll.

Fischer kann über logistische Herausforderungen –von der Türschwelle über komplizierte Krankenhauswege bis hin zum innereuropäischen Gütertransport – sprechen wie Schriftsteller über ihr neuestes Werk: Wie kam es wann zu welcher Entscheidung? Wer profitiert in welcher Reihenfolge davon, vielleicht sogar zunächst unbeabsichtigt? Welche Rollen spielen vermeintliche Nebenschauplätze?

Ein Netzwerker und Kommunikator wie Fischer ist der richtige Mann am richtigen Platz im LKZ. Mit knapp 60 Jahren absolviert er gerade ein Studium in Lean-Management („unter lauter 25- bis 35-Jährigen“).

Wie herausfordernd und komplex nämlich das Feld der Logistik im Kleinen wie Großen ist, erschließt sich aus seinen Erzählungen. Sie handeln von informellen Kamingesprächen in Hotels. Von langwierigen Verhandlungen. Von Konferenzen am runden Tisch in Prien, bei denen Entscheider aufeinanderträfen, die bis dahin noch nie ein Wort miteinander gewechselt hätten. Eine Welt, in der es um Schwergewichte, Volumen und Millionen geht.

Das LKZ selbst beschreibt sich als ein europaweit einmaliges Erfolgsmodell für Innovation, das Verkehrsträgern, Unternehmern und Regierungen praxisnahe Lösungen in den Bereichen Logistik und Verkehr erarbeitet. Als ein nach außen wie ein Privatunternehmen auftretendes, im Hintergrund aber durch die öffentliche Hand gefördertes Innovationszentrum, wissenschaftlich begleitet durch das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML).

Das war auch das Anliegen der Gründung im Jahr 1997: Wissenschaft und Wirtschaft sollten im Bereich Logistik und Verkehr unter einem Dach gebündelt werden. Auf 1400 Quadratmetern breiten sich im LKZ heute die verschiedenen Kompetenzfelder aus, die das Zentrum in den vergangenen 20 Jahren erarbeitet hat: Verkehr und Transportwege, Informationssysteme, Tourismus, innerbetriebliche Logistik, Regionalplanung, Bildung und Energie. Fischer vergleicht das LKZ mit einem „schnell fahrenden Zug“.

Besonders hebt er den Bereich Gesundheitswesen hervor: Für Krankenhäuser plant das LKZ Infrastrukturen, analysiert und optimiert Versorgungsprozesse in Kliniken. Unter anderem liegt es am LKZ, dass die Prozesskette im Rettungsdienst heute digital koordiniert ist. Bekannter dürfte das mit namhaften Partnern entwickelte Projekt „NiKRASA“ sein, das „Nicht kranbare Sattelauflieger“ kranbar machte, also verladbar auf die Schiene. Mit NiKRASA und „Future Trailer“ können 950000 LKW mehr aus fahrzeugtechnischer Sicht auf die Schiene verlagert werden“, so Fischer. Er hatte in Zusammenarbeit mit den drei größten europäischen Sattelanhänger-Produzenten, einem großen Eisenbahnverkehrsunternehmen und der Spedition Zitzlsperger herausgefunden, dass nur ein geringer Prozentsatz aller Sattelzüge insgesamt kran- und damit schienenverladbar seien und mit dem „Future Trailer“ die Entwicklung eines Sattelaufliegers angestoßen, der binnen drei Minuten von der Straße auf die Schiene wechseln kann.

Generalisten mit einem Spezialgebiet

Wie bringt Fischer selbst immer wieder die Motivation für Themen auf, wegen denen verschiedenste Parteien oft seit Jahren in erbittertem Streit liegen, die kaum ein Laie versteht oder oft nicht attraktiv genug für Dienstleister der freien Wirtschaft sind? Fischer überlegt bei dieser Frage nicht lange. Es sei genau die Bandbreite dieser Themen, die Spaß mache: „Morgens Gefahrgut, mittags Tourismus, abends Gesundheitswirtschaft“. Die Mitarbeiter seien Generalisten mit einem Spezialgebiet, „wo dann das Wissen wie ein Puzzle zusammengetragen wird.“

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