ammatec gmbh verkauft

„Wir gehen mit gutem Gewissen“

von Redaktion

So war es ursprünglich nicht geplant, jetzt erscheint es den scheidenden Geschäftsführern der Ampfinger AmMatec GmbH als beste Lösung: Der Betrieb, den sie in Eigenverantwortung sanieren wollten, wird nun doch verkauft. Die Mitarbeiter sind offenbar nicht in Gefahr.

Ampfing – Die in der Schweiz beheimatete Franke Industrie AG führt den Standort der AmMatec GmbH, wie jetzt bekannt gegeben wurde, als neuer Eigentümer weiter. Die Übernahme des Ampfinger Betriebs durch den Zulieferer für die Luft- und Raumfahrtbranche sei bereits Mitte April erfolgt. Spezialisiert hatte man sich am Standort auf die Fertigung von komplexen Präzisionsteilen aus schwerzerspanbaren Werkstoffen für die Luftfahrtindustrie und andere Branchen.

Die bisherigen AmMatec-Geschäftsführer Eduard Regele und Tilmann Rosch hatten den Betrieb selbst erst im September 2016 von Aircraft Philipp übernommen, inklusive der rund 70 Mitarbeiter. Damals ging es den beiden um den Erhalt der Arbeitsplätze, den Verbleib des Standorts in der Region und darum, das Unternehmen nach vorne zu bringen (wir berichteten). Die Altlasten waren dann offenbar zu groß: Die Restrukturierung sei nicht schnell genug vorangegangen und zusätzliche Auftraggeber in diesem hoch spezialisierten Segment der Luftfahrtindustrie zu finden, sei nicht leicht, erklärt Rechtsanwalt Florian Loserth, der als gerichtlich bestellter Sachwalter eingeschaltet worden war. „Franke Industries ist breiter aufgestellt und hat zudem seinen Mutterkonzern im Rücken.“

Sanierung ist mit Verkauf abgeschlossen

Auch wenn sie sich jetzt von AmMatec trennen, ihren Grundsätzen bleiben Regele und Rosch treu: „Mit Franke Industries haben wir einen strategischen Partner gefunden, der seiner Verantwortung nachkommt“, ist Regele sicher. Wie es heißt, sollen etwa 60 der zuletzt 70 Mitarbeiter übernommen werden. „Wir schauen positiv in die Zukunft“, sagt Regele, und dass man sich jetzt, wo die Verträge unterschrieben sind, guten Gewissens vom Standort verabschieden könne.

„Denn bei Franke Industries kennt man das herausfordernde Geschäft der Luftfahrtindustrie sehr gut. Wir sind überzeugt, dass dies der richtige Schritt war und Franke die richtige Wahl.“ Ursprünglich sollte es anders laufen für AmMatec: Der Hersteller von Triebwerksteilen wollte sich in Eigenverwaltung restrukturieren und sanieren. Das Gericht folgte dem entsprechenden Antrag vom Dezember 2017 und eröffnete zum 1. März dieses Jahres das Insolvenzverfahren. Rechtsanwalt Loserth aus der Kanzlei Loserth Zehentner & Partner aus Mühldorf bestätigte, die Gläubigerversammlung habe die Übertragung des Geschäftsbetriebes im April einstimmig beschlossen. „Positiv bewerten wir, dass die Gläubiger mit einer zweistelligen Zahlungsquote rechnen können.“ Das sei ein großer Erfolg, freut sich auch der Stuttgarter Rechtsanwalt Martin Mucha, der die Ampfinger als Sanierungs- und Restrukturierungsexperte begleitet hat.

„Dass wir jetzt doch verkaufen, hat sich im Verlauf der vergangenen Monate ergeben“, schildert Regele. Parallel zum laufenden Insolvenzverfahren sei mit Unterstützung einer auf Restrukturierung spezialisierten Frankfurter Beratungsgesellschaft ein strukturierter Investorenprozess eingeleitet worden – ein übliches Prozedere. So sei der Kontakt zu den Schweizern hergestellt worden und man habe schnell gemerkt, dass diese dem Standort das größte Entwicklungspotenzial böten. „Wir wollten die beste Lösung für AmMatec, schon deswegen, weil wir eng mit der Region verbunden sind und uns den Leuten verpflichtet fühlen.“ Anfang Januar 2018 erst hatten Regele und Rosch nämlich die Mühldorfer MBM GmbH übernommen, ein vom Ampfinger Betrieb völlig unabhängiges Unternehmen, und wollen den einst insolventen Spezialisten für Automatisierungslösungen und Sondermaschinen wieder aufbauen. Auch im Interesse von MBM wollten die Geschäftsführer eine saubere Lösung für AmMatec: „Wir können nicht sagen ,nach uns die Sintflut‘.“

Aktivitäten am Standort weiterführen

Während des laufenden Insolvenzverfahrens wurde der Geschäftsbetrieb der AmMatec GmbH uneingeschränkt unter Aufsicht des Sachwalters fortgeführt. Diese Aktivitäten werden in die neu gegründete Franke Industrie GmbH übertragen und weiterhin vom Standort in Ampfing gesteuert, wie es heißt. Franke gehört zur Schweizer Artemis Group und ist ein federführender Experte in der Herstellung von Heißgaspfadkomponenten für Gasturbinen und Triebwerke sowie für die Luft- und Raumfahrt mit Sitz in Aarburg. Die AG erzielte 2016 einen Umsatz von 23,6 Millionen Schweizer Franken.

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