Rosenheim – Der diesjährige Wirtschaftstag, den die Rosenheimer Wirtschaftsförderung mit Partnern aus dem Handwerk, Unternehmen und der Hochschule organisierte, rückte die mit der Digitalisierung einhergehenden Wandlungen in Arbeitswelt und -kultur in den Fokus. Die „Digital Natives“ drängen auf den Markt und stellen etablierte Strukturen und Kulturen in den Unternehmen infrage.
„Es ist ein Wandel, den wir auch bei der Sparkasse spüren, den wir aber aktiv gestalten“, so Alfons Maierthaler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling in seiner Begrüßung. Gerade die jungen Mitarbeiter brächten bei diesem Thema viele wichtige, neue Impulse und Denkweisen mit ein.
Zeitalter der Ethik und der Wahrhaftigkeit
Die Rolle des Menschen in der Arbeitswelt 4.0 war eines der zentralen Themen im Vortrag von Zukunftsforscher Erik Händeler: „Es geht heute mehr denn je um Ethik, um Wahrhaftigkeit, um Beziehungen und um eine Kultur des Dienens statt Machtkämpfe“, beschrieb er die Grundzüge zeitgemäßer Arbeits- und Unternehmenskultur. In zwei Workshops konnten die Teilnehmer sich tiefer mit Fragen zur Ausgangsthematik befassen. Ausgewählte Unternehmen berichteten dabei von ihren Erfahrungen aus der Praxis.
Beim Workshop „Herausforderungen und Potenziale einer neuen Arbeitskultur“ nahmen Prof. Andreas Heinzmann, Labor für Fertigungsleittechnik im Holzbau, Hochschule Rosenheim, Michael Regnauer, Regnauer Fertigbau und Rainer Küblbeck, Hans Pumpfer Hoch- und Tiefbau, teil. Ihr Fazit: In der Wissenschaft gelten teils andere Gesetze als in der freien Wirtschaft, so Heinzmann, in der „Fertigung der Zukunft“, die man aktuell im Innovationslabor der Hochschule teste, sei immer noch der Mensch der Dirigent, nicht der Roboter. Flache Hierarchien und agile Arbeitsmethoden, so Geschäftsführer Küblbeck, seien im „Mikrokosmos Baustelle“ nur bedingt durchzusetzen; Vorgesetzte müssten hier noch die Linie vorgeben. Ihre Rolle sieht er aber im Wandel hin zu sozial aufgeschlosseneren Chefs. Regnauer, der in seinem Unternehmen agile Arbeitsmethoden integriert hat, sieht dagegen einen „Paradigmenwechsel“. Mitarbeiter zu mehr Eigenverantwortung, Mitdenken und kreativer Ideenfindung zu motivieren, sei jedoch eine permanente Herausforderung. „Für die Führungskraft selbst heißt das, sie muss hoch effizient arbeiten, Leistung zeigen, zuverlässig Ergebnisse abliefern.“
Um Informations- und Kommunikationstechnologie als Treiber der neuen Arbeitswelt ging es beim zweiten Workshop. Hier wirkten unter anderem Prof. Gerd Beneken, Leiter des Innovation Lab der Hochschule, Norbert Haimerl, Regional Fernsehen Oberbayern GmbH, und Sascha Storz, Agile Coach bei der TechDivision GmbH mit.
Beneke etwa identifizierte Entscheidungsfreiheit, eine gelebte Fehler- und Belohnungskultur als Erfolg bringende Faktoren der Arbeitswelt 4.0. Er ermutigte die Zuhörer darin, Fehler zu „feiern“ in der Absicht, sie nächste Woche schon durch vertiefte Kenntnisse ausgemerzt zu haben.
Einblicke in innovative Unternehmenskultur
Agile Coach Storz ging auf die Herausforderungen des modernen Managements in der „VUKA“-Welt ein, in der die Dinge volatil, unsicher, komplex und ambivalent seien. Ein „neues Management“ sei gefragt, das zum Beispiel experimentierfreudig und anpassungsfähig sei und in der Lage, eine Lernende Organisation zu führen.
In der abschließenden Podiumsdiskussion gaben sieben Teilnehmer Einblicke in ihre sich wandelnde Unternehmenskultur beziehungsweise in ihren Arbeitsalltag: Von Impulsen zu innovativen Arbeitsstrukturen aus dem Kundenkreis (Büromöbelexperte Andreas Bensegger), flexible Arbeitszeiten in einem Start-up (Lukas Schiffer, Tjiko GbR) über die Gründung einer E-Learning-Plattform für Mitarbeiter (Spediteur Georg Dettendorfer) und selbstbestimmte Arbeit (Ingrid Meindl-Winkler, DGB Rosenheim) bis zu Eindrücken in die neue Rolle von Auszubildenden (Philipp Uschold, Schattdecor AG, Anja Loferer und Johannes Eykmann, beide Kathrein-Werke KG) reichten hier die Themen.
Klar wurde an diesem Tag: Nie waren die Chancen auf Gestaltungs- und Entfaltung bei Arbeitnehmern wie Unternehmen so groß wie heute. Die Herausforderung ist, sie in der eigenen Praxis wahrzunehmen.