Kathrein verkauft Katek gruppe und ändert rechtsform

„Durch den Verkauf ändert sich nichts“

von Redaktion

Im Zuge seiner Restrukturierung hat sich Kathrein von der Katek-Gruppe getrennt. Der neue Eigentümer des Grassauer Unternehmens ist eine Münchener Beteiligungsholding. Weiter hat Kathrein seine Rechtsform geändert und firmiert nun als Kathrein SE.

Rosenheim/Grassau – Der sich in der Restrukturierung befindliche Kommunikationstechnik-Spezialist Kathrein aus Rosenheim hat am Donnerstag seine Katek GmbH mit Sitz in Grassau verkauft. Neuer Eigentümer ist Primepulse SE. Sie hat sämtliche Anteile an der Katek GmbH erworben. Die Katek-Unternehmensgruppe ist einer der größten Elektronikfertiger (EMS) Deutschlands. In Grassau arbeiten für Katek aktuell 500 Menschen, am Produktionsstandort in Györ (Ungarn) noch einmal rund 330.

Verkauf kommt überraschend

2017 erreichte die Gruppe einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro. Der Verkauf des hochprofitablen Dienstleisters kommt überraschend, gerade weil er keine roten Zahlen schreibt, wie auch Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke weiß. „Ich hoffe, der neue Besitzer nimmt keine einschneidenden Veränderungen vor“, sagte er den OVB-Heimatzeitungen.

Laut Primepulse hat man das nicht vor: „Es passiert weiter erst einmal gar nichts“, bekräftigte gestern Sprecherin Beate Rosenfeld gegenüber unserer Zeitung. „Wir wollen, dass das Geschäft so gut weiterläuft wie bisher und auch die Wachstumspläne von Katek unterstützen.“ Primepulse bezeichnet sich als mittelständisch geprägt; in der Geschäftsführung sitzen mit Raymond Kober, Klaus Weinmann und Stefan Kober erfahrene Unternehmer: Sie führen unter anderem seit 25 Jahren die im TecDax notierte Cancom SE, ein IT-Systemhaus. Primepulse beteiligt sich an Unternehmen in Geschäftsfeldern, die als zukunftsträchtig gelten: So erstreckt sich das Portfolio der Gruppe beispielsweise neben IT auch über Industrieautomation, Elektronik, e-Business, Automotive.

Synergien ergeben sich durch den Kauf von Katek laut Sprecherin Rosenfeld etwa bei Steca Elektronic in Memmingen, ein Elektronikdienstleister, den Primepulse ebenso erworben hat. In Grassau sieht man sich als langfristiger Investor: „Mit unserer Beteiligung kommen wir unserem Ziel, in die Top drei der Deutschen Elektronik-Dienstleister aufzusteigen, einen großen Schritt näher“, äußerte sich Verwaltungsratsvorsitzender Klaus Weinmann. Geschäftsführer in Grassau soll Robert Both bleiben, der dort seit vielen Jahren tätig ist. Er sieht den Eigentümerwechsel positiv: „Mit Primepulse als strategischem Partner sind wir für unser weiteres Wachstum schlagkräftig aufgestellt und bestmöglich gerüstet.“ Man wolle die eigene Technologie- und Qualitätsführerschaft in der Elektronikfertigung behaupten und ausbauen sowie gleichzeitig international wettbewerbsfähig bleibt. Vor Ort ist von Unsicherheit ebenso nichts zu spüren: Alles scheint seinen gewohnten Gang zu laufen; Betriebsratsvorsitzender Günter Duda gibt sich gegenüber unserer Zeitung entspannt, sieht aktuell keinen Anlass für gegenteilige Äußerungen. Bei Kathrein begründet man den Verkauf der Katek-Gruppe damit, sich auf seine Kernkompetenzen im Bereich der Hochfrequenztechnik konzentrieren zu wollen und sein Portfolio entsprechend auszurichten. Konzernchef Anton Klaus Kathrein bedankte sich in einer Mitteilung bei den Katek-Mitarbeitern dafür, dass sich die Gruppe in den vergangenen Jahren „exzellent“ entwickelt habe. „Ich bin sicher, dass das Unternehmen als Teil der Primepulse SE eine hervorragende Perspektive hat.“

Kathrein bleibt in Familienbesitz

Kathrein gab zudem bekannt, mit Wirkung zum 1. Mai seine Rechtsform in eine Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea, Kurzform SE) geändert zu haben. „Die SE als führende und bewährte europäische Rechtsform stärkt unsere Wettbewerbsposition und passt perfekt zu unseren Wachstumszielen. Wir können die neu formierte Gruppe aus der Kathrein SE heraus direkt steuern und stärken damit die Leitung und Kontrolle unseres komplexen Unternehmens.“

Die neue Rechtsform habe keine Auswirkungen auf das laufende Geschäft und den Unternehmenssitz, der in Rosenheim bleibe, ebenso wenig ändere sich für die Beschäftigten etwas. Die Tarifbindung bestehe ebenfalls weiterhin, da die Kathrein SE zum 1. Mai in den Arbeitgeberverband vbm – Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie eingetreten sei. Das gesamte Vermögen der Kathrein-Werke KG sei in die Kathrein SE eingebracht worden, heißt es weiter.

Die Umwandlung von Kathrein in eine Aktiengesellschaft habe auch keinen Börsengang zur Folge. „Es wird keine Kathrein-Aktien zu kaufen geben, die Anteile bleiben ausnahmslos in Familienbesitz“, so der Firmenchef weiter. Die Geschäfte der Kathrein SE leitet ein Vorstand, der neben Anton Klaus Kathrein aus Joe Doering, Jürgen Walter, Hans-Joachim Ziems und Elmar Geissinger besteht. Ein fünfköpfiger Aufsichtsrat überwacht die Geschäftsführung des Vorstands. Dabei gehört Ziems zum Saniererteam, das Kathrein bei der Restrukturierung zur Seite steht (wir berichteten).

Was wird aus Logistikbau?

Erst 2015 fiel der Startschuss für einen Erweiterungsbau in Grassau: Auf einer Nutzfläche von 5700 Quadratmetern sollen vor allem neue Flächen für Logistik und Vertrieb entstehen. Ende 2018 sollte das neue Gebäude direkt am Standort der Katek GmbH fertig werden. Für die Investition nahm die Kathrein Logistik GmbH & Co. KG als Bauherr rund zehn Millionen Euro in die Hand (wir berichteten). Doch bis heute befindet sich dort eine Baustelle. Jetzt nimmt das Projekt wieder Fahrt auf, wie es von Kathrein her heißt: Mitte 2019 soll das neue Gebäude nun stehen. Bauherr ist trotz des Verkaufs von Katek Kathrein, da das Gelände im Besitz des Rosenheimer Unternehmens bleibt.

Artikel 3 von 6