Rosenheim – Die Ausbildungssituation im Handwerk, Konkurrenz durch die Industrie, akademische Abschlüsse und Nachfolge: Viele Themen hatten Handwerkskammer-Präsident Franz-Xaver Peteranderl und HWK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Hüpers bei ihrem jüngsten OVB-Redaktionsbesuch im Gepäck. Was die Handwerksbetriebe beschäftige, so Peteranderl, sei zum Beispiel, dass sie „weit über Bedarf“ ausbildeten, Gesellen später häufig aber an die Industrie verlören: „Das Handwerk mag geringere Löhne zahlen, bietet dafür aber breit gefächerte Berufsund Aufstiegschancen, vor allem in kleineren Betrieben.“ Ärgerlich findet der Handwerkskammerpräsident, dass der im Jahr 2000 eingeführte akademische Abschluss des Bachelor die „Ausbildungsstandards aufgeweicht“ habe und die Betriebe oft schlicht nicht wüssten,
Bürokratie hemmt
die Nachfolger
ob das Wissen der Absolventen für das jeweilige Berufsfeld ausreichend sei. Ein Masterabschluss ändere daran meist nichts. „Das Ziel des Bologna-Prozesses, einheitliche Bildungsstandards in Europa zu schaffen, hat sich aus unserer Sicht nicht bewahrheitet.“ Das Handwerk selbst sieht er prinzipiell gut aufgestellt: „Ich wünschte nur, dass mehr junge Gesellen wie früher auf die Walz gehen. Heute wechseln sie oft nicht einmal das Bundesland.“
Erfahrung braucht auch ein Betriebsnachfolger. Gerade viele Familienbetriebe, die traditionell an den Nachwuchs übergingen, stünden vor einem Problem: Laut Frank Hüpers schrecke zunehmende Bürokratie immer mehr Kinder ab, den elterlichen Betrieb weiterzuführen: „Sie sehen die Eltern bis nachts über Papieren sitzen und entscheiden sich gegen die Selbstständigkeit.“ Die Nachfolge macht selbst Peteranderl persönlich zu schaffen: Für sein Bauunternehmen mit 70 Jahren Praxis habe er bis jetzt keinen Nachfolger gefunden, bedauert er. sen